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Kampf um Schloss Bellevue: Bundesnetzpräsident Gauck

Im Internet grenzt der Hype um Joachim Gauck an Vergötterung. Was findet die "Generation Facebook" bloß an einem Bürgerrechtler im Rentenalter?

Von Adrian Pickshaus

Joachim Gauck ist vielleicht der Bundespräsident der Herzen, ganz sicher aber ist er der Präsident von Netzdeutschland. Der rot-grüne Kandidat für das höchste Amt im Staat ist ein Online-Star. Über 35.000 Unterstützer weiß Gauck im sozialen Netzwerk Facebook hinter sich, täglich kommen Hunderte hinzu. Die Initiative Wir für Gauck hat schon 10.000 Unterschriften für eine Online-Petition gesammelt, dazu wird auf unzähligen Websites und Blogs für den 70-jährigen Bürgerrechtler und Stasi-Jäger geworben. Seine Jünger lobpreisen ihn per YouTube-Video und Twitterfeed. Der crossmediale Hype ist da. Aber ob die Begeisterungswoge den Kandidaten tatsächlich ins Schloss Bellevue spülen kann, ist mehr als fraglich.

"Natürlich hat Gauck eine große Zahl von Unterstützern im Netz. Aber mit einer neuen digitalen Massenbewegung haben wir es hier nicht zu tun", sagt der Politikwissenschaftler Christoph Bieber, der an der Uni Gießen zur Netzpolitik forscht und auch bloggt. Das Thema Gauck werde kommuniziert und fände ein Echo, aber es entfalte nicht die Breitenwirkung anderer Online-Kampagnen, resümiert der Wissenschaftler. Das zeigt sich besonders dann, wenn die Bewegung auf die Straße gebracht werden soll. Webseiten wie Demos für Gauck rufen zu Unterstützermärschen auf. Doch in der analogen Welt Schilder zu schwingen, ist vielen "Gauckianern" offenbar zu unbequem: Zu Demos in Berlin, Hamburg und München kamen bisher nur wenige Dutzend Aktivisten.

Aus dem Netz, auf die Bühne

"Man geht auf die Straße, wenn es einen selber betrifft. Die Wahl des Bundespräsidenten ist zu weit weg vom individuellen Schicksal", sagt Bieber. Also belassen es viele Gauck-Befürworter bei einem Phänomen, das Experten "Slacktivism" nennen: Sie hängen vor dem Bildschirm ab und sind trotzdem aktiv - indem sie per Knopfdruck einer Facebook-Gruppe beitreten. Prominentes Gesicht dieser Bewegung ist Christoph Giesa, der Hamburger hat die Facebook-Gruppe "Joachim Gauck als Bundespräsident" gegründet. Der junge Unternehmensberater hat damit jüngst den Sprung aus dem Netz auf die große Bühne der Bundespolitik geschafft: Er durfte am Dienstag im Deutschen Theater Berlin einleitende Worte zu Gaucks Grundsatzrede sprechen. Vor der versammelten rot-grünen Politprominenz. Und vor Dutzenden Medienvertretern.

Giesa, selbst FDP-Mitglied, sonnte sich im Rampenlicht und stellte zunächst einmal sich selber vor. Dann erklärte er, warum Gauck die Netzgemeinde verzückt: "Die Währung des Netzes ist Authentizität. Und davon bringt Joachim Gauck eine Menge mit." Damit argumentiert er ähnlich wie SPD-Chef Sigmar Gabriel, der stets betont, Gauck qualifiziere "sein ganzes Leben" für das Amt des Bundespräsidenten. Aber ist die Biografie des Kandidaten für Facebook-User wirklich relevant? Politikwissenschaftler Bieber führt andere Punkte an: Gaucks Ansprache sei erfrischend offen, etwa wenn er zugibt: "Ich habe noch nie im Leben Facebook aufgemacht." Der Kandidat träfe den richtigen Ton, selbst in YouTube-Videos, in denen er sich bei seinen Unterstützern bedankt. "Das ist nicht perfekt, aber auch nicht peinlich. Vor allem wirkt es nicht glattgebügelt und hochglanzpoliert durch irgendeine Kommunikationsagentur."

Gauck ist ein Ventil

Gaucks Kandidatur stehe nicht nur für, sondern auch gegen etwas, glaubt Bieber: "Der parteilose Gauck ist ein Symbol des Protests gegen die Parteiendemokratie, die sich in den Augen der Netzgemeinde die Bundespräsidentenwahl unter den Nagel gerissen hat." Gauck funktioniert als Ventil der Unzufriedenen, als Gegenmodell zu den Politprofis, die mit ihrer Perfektion bloß Politikverdrossenheit fördern.

Der schwarz-gelbe Sonnenschein Christian Wulff kann den virtuellen Druck längst spüren, gierig greifen die alten Medien den Gauck-Hype auf. In der ZDF-Sendung "Was nun?" musste der Noch-Ministerpräsident aus Niedersachsen immer wieder betonen, dass die Meinungsumfragen zur Präsidentenwahl ein anderes Bild ergäben als die Stimmungsbilder im Netz. Eigentlich könnte Volkes Stimme, ob sie chattet oder auf dem Dorfplatz nörgelt, Wulff weitgehend kalt lassen. Denn bei den Wahlmännern in der Bundesversammlung hat Schwarz-Gelb ein komfortables Stimmenpolster.

Die Onliner können noch mehr

Doch es gäbe Möglichkeiten, den Wahlausgang am 30. Juni aus dem Netz heraus zu beeinflussen. "Die Onliner könnten noch einen Gang höher schalten - und direkten Druck auf die Wahlmänner ausüben", sagt Bieber. Mailadressen, Telefon- und Faxnummern der Mitglieder der Bundesversammlung könnten gesammelt und im Netz veröffentlicht werden. Gesprächsleitfäden für Telefonate oder vorformulierte Anschreiben könnten das Engagement erleichtern. Erste Webseiten hierzu gibt es bereits. Die Wahlmänner könnten überschwemmt werden - ihnen droht der Super-Gauck auf allen Kanälen.

"In den USA ist dies ein ganz normales Vorgehen bei Kampagnen", erklärt Bieber. In Deutschland sei diese Art von offensivem Aktivismus noch nicht so verbreitet, das werde sich aber rasch ändern. Erfolgsbeispiele, wie aus Online-Protest Realpolitik wird, gibt es bereits. Etwa die Kampagne gegen "Zensursula" von der Leyens geplante Sperrung von Internetseiten. 130.000 Unterschriften wurden 2009 online gesammelt, das entsprechende Gesetz konnte vorerst gestoppt werden.

Ob die "Yes, we Gauck"-Bewegung einen Triumph feiern wird, zeigt sich am Wahltag. Zumindest Kreativität hat sie bewiesen. Auf der Facebook-Seite gibt es über 250 Bilder, Collagen und Fotomontagen rund um den geliebten Kandidaten. Da steht ein schwarz-rot-goldenes Gauck-Trikot mit der Rückennummer 10 neben Siebdrucken im Obama-Look. Es finden sich aber auch selbstironische Beiträge, wie der Spruch: "Demokratie ist - auch mal ein eigenes Plakat hochzuhalten." Nicht vorm Bildschirm. Sondern auf der Straße.

P.S.: Gauck, der Liebling des Netzes? Diskutieren Sie das Thema auf der Facebook-Seite von stern.de.

kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(