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Kinderreport 2010: Kinderhilfswerk-Präsident verurteilt Betreuungsgeld als "Schmarrn"

Der Präsident des Deutschen Kinderhilfswerks hält das von der Bundesregierung geplante Betreuungsgeld für "Schmarrn". Man könne nicht in bessere Betreuungsangebote investieren und gleichzeitig die Eltern durch Geld dazu überreden, diese nicht wahrzunehmen, sagte Thomas Krüger.

Der Präsident des Deutschen Kinderhilfswerks hält das von der Bundesregierung geplante Betreuungsgeld für "Schmarrn". Man könne nicht in bessere Betreuungsangebote investieren und gleichzeitig die Eltern durch Geld dazu überreden, diese nicht wahrzunehmen, sagte Thomas Krüger bei der Vorstellung des "Kinderreports Deutschland 2010" am Mittwoch in Berlin. "Für diejenigen, die es am dringendsten bräuchten, ist es außerdem völlig irrelevant." Wenn die 150 Euro bei Hartz-IV-Empfängern angerechnet werden würden, komme dort faktisch nichts an.

Die umstrittene These des Bürgermeisters von Berlin-Neukölln, Heinz Buschkowsky (SPD), zum Betreuungsgeld könne allerdings empirisch nicht belegt werden. Buschkowsky hatte hierzu gesagt: "In der deutschen Unterschicht wird es versoffen, und in der migrantischen Unterschicht kommt die Oma aus der Heimat zum Erziehen." Gerade in armen Familien würde zuletzt am Kind gespart, so Krüger.

Generell hätten Kinder aus sozial benachteiligten Familien zu wenig Chancen auf Bildungserfolge. Das "starre" Bildungssystem in Deutschland lasse oft eine individuelle Förderung nicht zu, sagte Krüger. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kind aus einer Akademikerfamilie sein Abitur macht, sei zudem sechsmal größer als bei Kindern aus anderen Familien. Besonders Jungen und Mädchen aus ausländischen Familien seien von der Chancenungleichheit betroffen.

Die Kinderarmut habe sich bei rund drei Millionen eingependelt, sagte Krüger. 2007 waren noch etwa 2,5 Millionen Mädchen und Jungen auf Sozialgeld angewiesen. Mit seinem vierten Kinderreport wollte das Kinderhilfswerk die Einhaltung des in der UN-Kinderrechtskonvention festgehaltene Recht auf Bildung überprüfen.

DPA / DPA