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#YallaCSU: Warum sich die CSU zum Sprach-Babo machen will

Die CSU beharrt auf ihrem Antrag, Ausländer sollten zu Hause nur noch Deutsch sprechen. Ein Schmarrn oder verstecktes Kalkül? Was verbirgt sich hinter dem Vorstoß aus München?

Die CSU setzt auf Heimattümelei: Geplante Sprachvorgaben für Ausländer sorgen jedoch für Kopfschütteln in Deutschland

Die CSU setzt auf Heimattümelei: Geplante Sprachvorgaben für Ausländer sorgen jedoch für Kopfschütteln in Deutschland

Die CSU hat mit ihrer Forderung nach Sprachvorgaben für Zuwanderer einen "Spottstorm" ausgelöst. Seit Tagen erntet die Partei Häme für die Idee, Ausländern sollten zu Hause Deutsch sprechen. Doch ob die Partei sich einen unerwarteten Fehltritt geleistet hat, ist nicht klar zu beantworten. Denn mit der Initiative hat die CSU auch maximale Aufmerksamkeit erreicht. Selbst das Auswärtige Amt in Berlin konnte sich nicht zurückhalten: "Klarstellung aus gegebenem Anlass: Wir sprechen weiter diplomatisch!", schreibt das Amt bei Twitter.

Was die Republik derart in Wallung bringt, ist eigentlich nur ein Satz in einem Leitantrags-Entwurf für den CSU-Parteitag am nächsten Wochenende in Nürnberg. Dort steht es unter der Überschrift "Integration durch Sprache" folgendes: "Wer dauerhaft hier leben will, soll dazu angehalten werden, im öffentlichen Raum und in der Familie deutsch zu sprechen." Die CSU macht sich zum Sprach-Babo (Zazaisch für "Chef").

Provokation als politisches Mittel

Gezielte Provokation als politisches Mittel, das ist schon so etwas wie ein Markenzeichen der CSU. Bestes Beispiel dafür: die alljährlichen Winterklausuren der Bundestagsabgeordneten in Wildbad Kreuth. Wenn dort nicht laut und bundesweit vernehmbar gepoltert wird, dann ist fast schon der Klausurzweck verfehlt.

Beispiel aus dem vergangenen Januar: der Satz "Wer betrügt, der fliegt", ebenfalls versteckt in einem mehrseitigen Papier zum Thema Zuwanderung. Inzwischen wurde belegt, dass es massenhaften Sozialleistungsmissbrauch von Zuwanderern gar nicht gibt. Eine aktuelle Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung im Auftrag der Bertelsmann Stiftung hat nachgewiesen, dass in Deutschland lebende Ausländer insgesamt viele Milliarden mehr an Steuern zahlen als sie an Sozialleistungen vom Staat beziehen.

In Bierzelten kommen die Sprüche an

Hinter der damaligen und hinter der neuen Provokation vermuten viele aber auch dieses: dass die CSU der Alternative für Deutschland (AfD) das Wasser abgraben will. An den Stammtischen und in den Bierzelten kommen derartige Sprüche jedenfalls zumeist ganz hervorragend an. Auch dieser Satz steht deshalb beispielsweise im Entwurf des Leitantrags: "Wer nur nach Deutschland kommt, um sich in die soziale Hängematte zu legen, dem werden wir Sozialleistungen verweigern."

Ob der umstrittene Satz zum Deutschsprechen in der Familie so stehen bleibt, wird sich am Montag zeigen. Dann berät der Parteivorstand über die Leitanträge. CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer sieht am Wochenende jedenfalls - trotz aller Kritik und allem Spott - keinerlei Grund, etwas zurückzunehmen. Er betont: "Die Entwürfe der Leitanträge zum Parteitag sind gut vorbereitet und breit abgestimmt."

Bosbach stützt das CSU-Papier

Zustimmung aus der Union gab es vom Vorsitzenden des Bundestagsinnenausschusses, Wolfgang Bosbach. Der CDU-Politiker sagte der "Bild am Sonntag", dass Sprachkenntnisse für die Integration "von überragender Bedeutung" seien. "Deshalb ist es wichtig, dass mit Kindern auch zu Hause deutsch gesprochen wird", stützte Bosbach das CSU-Papier.

Beim Thema "Sprachvorgaben für Ausländer" kamen die negativen Reaktionen aus allen Richtungen. "Die CSU ist in Absurdistan angekommen. Zum Schreien komisch, wenn es nicht so brandgefährlich wäre", schimpft SPD-Generalsekretärin Yasmin Fahimi. Und: "Staatliche Regulierung, was in heimischen Wohnzimmern passieren darf. Ich dachte, diese Zeiten hätten wir hinter uns gelassen."

"Der Bayer soll in Köln gefälligst Kölsch sprechen, jawoll!"

Vor allem auf Twitter nehmen Häme, Spott und Kritik am Wochenende kein Ende. Schnell gibt es einen eigenen Hashtag dafür: "#YallaCSU" - nach dem arabischen "Yalla", das übersetzt etwa "Los, auf geht's!" bedeutet. Der Hashtag ist in Deutschland sogar einer der meistbenutzten des Wochenendes.

Einige Twitter-Kommentare: "Ich spreche ab sofort kein Bayerisch mehr zu Hause, sondern nur noch Deutsch." Oder: "Hochdeutsch für Tiefflieger: Der Bayer soll in Köln gefälligst Kölsch sprechen, jawoll!" Jemand schreibt: "Habe meine Oma soeben ausgewiesen. Die sagt immer Trottoir statt Bürgersteig." Einer fragt, ob jetzt der BMW-Mitarbeiter, der für einige Jahre in China arbeitet, zu Hause nur noch chinesisch sprechen darf. Und ein Twitter-Nutzer berichtet mit gespielter Verunsicherung: "Meine italienische Frau will wissen ob sie mich weiterhin "Amore" nennen darf..."

mka/DPA / DPA