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Als Kontrapunkt zum Al-Kuds-Tag: Aufruf an alle Deutschen: Diesen Samstag Kippa tragen

Können Juden überall in Deutschland gefahrlos die Kippa tragen? Mit seiner Warnung davor löste der Antisemitismus-Beauftragte eine heftige Debatte aus. Jetzt macht er einen Vorschlag.

Ein Mann trägt eine Kippa mit eingearbeiteten israelischen und deutschen Fahnen. Geht es nach dem Antisemitismus-Beauftragten der Bundesregierung, könnte man diese Kopfbedeckung am kommenden Samstag in Deutschland besonders häufig sehen.

Ein Mann trägt eine Kippa mit eingearbeiteten israelischen und deutschen Fahnen. Geht es nach dem Antisemitismus-Beauftragten der Bundesregierung, könnte man diese Kopfbedeckung am kommenden Samstag in Deutschland besonders häufig sehen.

DPA

Der Antisemitismus-Beauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, hat die Bürger aufgerufen, am kommenden Samstag Kippa zu tragen. Anlass sei der Al-Kuds-Tag, an dem in Berlin "wieder in unerträglicher Weise gegen Israel und gegen Juden gehetzt wird", sagte Klein den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Die Bürger sollten mit der religiösen Kopfbedeckung ein Zeichen der Solidarität mit Juden setzen und "für die uneingeschränkte Religionsfreiheit und gesellschaftliche Vielfalt" eintreten, sagte Klein. Er rief zudem zur Teilnahme an einer Gegenveranstaltung zur Al-Kuds-Demo in Berlin auf.

Hassparolen gegen Juden am Al-Kuds-Tag

Der internationale Al-Kuds-Tag wurde Ende der 1970er Jahre von dem iranischen Revolutionsführer Ayatollah Khomeini ins Leben gerufen, um gegen die israelische Besatzung der Palästinensergebiete zu protestieren. Dabei werden immer wieder auch antisemitische Hassparolen laut.

"Wenn Politik und Gesellschaft mit vereinten Kräften gegen Antisemitismus vorgehen, dann haben wir eine echte Chance, diesen Kampf zu gewinnen", sagte Klein. Der Antisemitismus-Beauftragte hatte zuvor mit seiner Warnung vor dem Tragen der Kippa in Deutschland heftige Reaktionen ausgelöst. Unter anderem hatte sich Israels Präsident Reuven Rivlin entsetzt gezeigt und eine "Kapitulation vor dem Antisemitismus" angeprangert.

Aussage über Kippa soll ein Weckruf sein

Seine Aussage, er könne Juden nicht mehr jederzeit und an jedem Ort das Tragen der Kippa in Deutschland empfehlen, sei "als Weckruf zu verstehen", verteidigte Klein sich gegen die Kritik. Er habe diese Äußerung insbesondere vor dem Hintergrund der Statistik der politisch motivierten Straftaten 2018 gemacht, bei der ein starker Anstieg antisemitischer Delikte um fast 20 Prozent konstatiert worden sei.

"Ich dachte es sei sicher, in Deutschland mit einer Kippa rauszugehen" – sehen Sie im Video ein Interview mit einem jungen Israeli, der aufgrund seiner Kippa mitten in Berlin attackiert wurde:

Adam hält die Kippa, die den Angreifer auf seinen jüdischen Glauben aufmerksam machte
anb / AFP