Krisenstab Wie kamen die Geiseln frei?


Nach Regierungsangaben floss kein Geld, um Nitzschke und Bräunlich aus der irakischen Geiselhaft zu befreien. Auch der Krisenstab bestreitet vehement, dass die Regierung erpressbar sei. Experten zweifeln jedoch an dieser Aussage.

Der Leiter des Krisenstabs im Auswärtigen Amt, Reinhard Silberberg, hat Lösegeldzahlungen zur Freilassung der beiden Techniker Rene Bräunlich und Thomas Nitzschke bestritten. "Die Bundesregierung lässt sich nicht erpressen. Es ist unser klarer Grundsatz, dass die Bundesregierung Lösegeldzahlungen ablehnt", sagte Staatssekretär Silberberg der "Leipziger Volkszeitung".In diesem Sinne hätten sich früher bereits Bundeskanzlerin Angela Merkel und Außenminister Frank-Walter Steinmeier geäußert. Bräunlich und Nitzschke waren am Mittwoch nach Deutschland zurückgekehrt. Sie waren 99 Tage in der Gewalt irakischer Geiselnehmer.

Experten glauben an Lösegeldzahlung

Außenamts-Staatsminister Gernot Erler hatte nach der Freilassung der beiden Techniker von einem kriminellen Hintergrund der Tat gesprochen und damit der Debatte über angebliche Lösegeldzahlungen neue Nahrung gegeben. Experten gehen davon aus, dass die Regierung Lösegeld zahlte. Medienberichten zufolge wurden für die Freilassung der vergangenes Jahr ebenfalls im Irak verschleppten Archäologin Susanne Osthoff fünf Millionen Dollar gezahlt.

Erler, warnte derweil dringend vor Reisen in den Irak. Der "Berliner Zeitung" sagte er: "Wir hoffen, dass der aktuelle Entführungsfall einen Lerneffekt erzeugt, dass also unsere Warnungen endlich ernst genommen werden." Alle Ausländer im Irak seien äußerst gefährdet. Deutsche Firmen, die Geschäftsbeziehungen zum Irak unterhielten, sollten im Irak mit Ortskräften arbeiten.

Auch der stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion, Wolfgang Bosbach (CDU), warnte vor Nachahmungstaten. Man wisse, dass sofort andere Menschen als potenzielle Entführungsopfer in Frage kämen, wenn das Thema Lösegeld einmal in der Welt sei, sagte der CDU-Politiker der Zeitung. Dabei sei es gleich, ob tatsächlich gezahlt worden sei oder nicht.

Reuters/DPA DPA Reuters

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