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Lehrstellenmarkt: Merkel rechnet mit Fortschritten

Bundeskanzlerin Angela Merkel sieht der Entwicklung der Anzahl von Ausbildungsplätzen positiv entgegen. Die Wirtschaft hat einen Aufschwung erlebt und diese Dynamik soll übergreifen. Kritik übt der Gewerkschaftsbund.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) will den Ausbildungspakt mit der Wirtschaft weiterentwickeln. Die Wachstumsdaten in Deutschland seien so günstig wie schon lange nicht mehr, sagte sie der "Neuen Osnabrücker Zeitung". "Diese Dynamik dürfte sich auch positiv auf die Ausbildungsbereitschaft auswirken." Zur Lage auf dem Ausbildungsmarkt wollen sich in Berlin Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU), CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla sowie Vertreter von Gewerkschaften und Grünen äußern.

Nach Berechnungen der Bundesagentur für Arbeit (BA) lag die Differenz zwischen freien Ausbildungsplätzen und unversorgten Bewerbern im Juni bei knapp 195000. Merkel rechnet nach eigener Aussage damit, dass im Herbst noch etwa 50000 Jugendliche ohne Ausbildungsplatz sein werden.

Ausbildungspakt habe Ziel verfehlt

Der Deutsche Gewerkschaftsbund bezeichnete die Situation als "dramatisch". Der Ausbildungspakt, an dem sich die Gewerkschaften nicht beteiligt hatten, habe sein Ziel verfehlt. Die stellvertretende DGB-Vorsitzende Ingrid Sehrbrock will deshalb "Sofortmaßnahmen" einfordern. Schavan und Pofalla wollen indes eine Initiative ihrer Partei für mehr Ausbildungsplätze starten. Unternehmer in den Kreisverbänden sollen in die Pflicht genommen werden.

Das Handwerk sprach sich gegen eine Kürzung der Ausbildungs-Vergütungen aus. "Die Senkung der Lehrlingsvergütung steht im Handwerk nicht im Vordergrund", sagte Handwerkspräsident Otto Kentzler der "Berliner Zeitung". Ein Lehrling trage schon im zweiten oder dritten Lehrjahr zur Wertschöpfung des Ausbildungsbetriebes bei. Einige Branchen, etwa am Bau, zahlten gerne höhere Lehrlingsvergütungen als Anreiz, diese Berufe zu ergreifen. Die Aussagen Kentzlers stehen in Widerspruch zu Forderungen des Präsidenten des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHT), Ludwig Georg Braun. Dieser regt seit Jahren an, angesichts des Mangels an Ausbildungsplätzen auch über eine Kürzung der Azubi-Löhne nachzudenken.

DPA / DPA