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Leukämie-Diagnose von Guido Westerwelle Angela Merkel sendet Genesungswünsche


Bestürzung in Berlin: Kaum ein halbes Jahr nach dem Ausstieg aus der aktiven Politik ist Guido Westerwelle an Leukämie erkrankt. Über Parteigrenzen hinweg bekunden Politiker ihren Beistand.
Der jüngste Eintrag auf seiner Facebook-Seite, der von Guido Westerwelle selber kommt, stammt vom 12. Juni. "Der viel zu frühe Tod von Frank Schirrmacher macht mich traurig", schrieb er darin über den Herausgeber der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". "Mein Mitgefühl gilt seinen Angehörigen. Wir werden seine Geisteskraft und seine so klugen Beiträge vermissen." Jetzt ist es Westerwelle selbst, um den man sich Sorgen machen muss. Der ehemalige FDP-Chef, Außenminister und Vizekanzler ist mit 52 Jahren an akuter Leukämie erkrankt.

Bundeskanzlerin Angela Merkel wünschte dem FDP-Politiker, der von 2009 bis 2011 ihr Stellvertreter war, eine gute Genesung: "Ich kenne Guido Westerwelle seit langen Jahren als einen großen Kämpfer. Meine Gedanken sind bei ihm."

Nachdem die ersten Gerüchte die Runde gemacht hatten, ließ Westerwelle seine Krebs-Erkrankung am Freitag auf seiner Facebook-Seite bekanntgeben. Im aktuellsten Eintrag heißt es nun dort: "Guido Westerwelle befindet sich bereits in medizinischer Behandlung mit dem Ziel einer vollständigen gesundheitlichen Genesung." Verbunden mit der Bitte, von allen Nachfragen abzusehen.

Für die allermeisten, die in Berlin mit Politik zu tun haben, ist dies eine große, schlimme Überraschung. Auch FDP-Chef Christian Lindner reagierte bestürzt auf die Nachricht. Über Twitter schickte er seine Genesungswünsche.

Westerwelle machte sich rar

Wenn man Westerwelle im letzten halben Jahr, seit er sich aus dem Auswärtigen Amt verabschiedet hatte, überhaupt zu sehen bekam, wirkte er gesund und gut gelaunt. Ein bisschen schmaler, aber mit frischer Gesichtsfarbe und seit einer Weile auch mit einem Fünf-Tage-Bart. Die ersten Wochen nach dem Abschied hatte er auf Mallorca verbracht, wo er zusammen mit seinem Partner Michael Mronz seit einigen Jahren ein Haus besitzt. Dann war er auf Vortragsreise in den USA, in Nigeria und tauchte vor der Europawahl auch beim Parteitag der FDP in Dresden auf. Reden wollte er dort nicht, was aber nichts mit seiner gesundheitlichen Verfassung zu tun hatte, sondern eher etwas mit dem Zustand seiner Partei.

Und dann gab er vor Kurzem auch den ersten Empfang der neuen Stiftung, die seinen Namen trägt, der "Westerwelle Foundation" am Kurfürstendamm. Das Geld dafür kommt vom Internet-Milliardär Ralph Dommermuth ("United Internet"), einem seiner persönlichen Freunde. Zum Start gab Westerwelle zum ersten Mal wieder ein längeres Interview.

Auf die Frage, wie es ihm denn gehe, antwortete er vor zwei Wochen noch der "Welt": "Vielen Dank, sehr gut. Anders als Journalisten meinen, nimmt die Lebensqualität mit weniger Presse nicht ab, sondern zu." Westerwelle, wie man ihn kennt. Die Antwort auf die Frage, wie er den Politik-Entzug verkraftet, fiel dann überraschender aus: "Ich bin weder in das berühmte schwarze Loch gefallen, noch musste ich für den Alltag resozialisiert werden." Keineswegs selbstverständlich für jemanden, der seit mehr als 30 Jahren zum Politbetrieb der Bundesrepublik gehört.

Steinmeier wünscht schnelle Genesung

Dann sprach er über die ersten Projekte seiner Stiftung - eine Filmhochschule in Ruanda, ein Kinderhilfsorganisation in Brasilien, ein Bildungsplan in Nigeria. Jetzt allerdings muss sich Westerwelle zunächst einmal um sich selber kümmern. Aus allen politischen Lagern bekam er am Freitag herzlich gemeinte Genesungswünsche.

Sein Vorgänger und Nachfolger Frank-Walter Steinmeier erfuhr von der Erkrankung während eines Besuchs in Istanbul - eine der Städte, die Westerwelle in seiner Außenministerzeit viele Male besucht hatte und eine seiner erklärten Lieblingsstädte. Steinmeier nahm die Nachricht mit "großer Bestürzung" zur Kenntnis. "Ich wünsche ihm, auch im Namen aller Mitarbeiter des Auswärtigen Amts von Herzen viel Kraft für den Kampf gegen die Krankheit und baldige vollständige Genesung."

Von Christoph Sator/DPA DPA

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