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#fairbylaw-Initiatorin Lisa Jaspers, was ist eigentlich das Lieferkettengesetz?

Sehen Sie im Video: Lisa Jaspers, Initiatorin von #fairbylaw, erklärt das Lieferkettengesetz.


Wer die Geschäfte großer Modekonzerne betritt, kommt in eine funkelnde, heile Welt, die mit ihrem Ursprung nicht viel gemein hat. Spätestens seit dem Einsturz des Gebäudes Rana Plaza in Bangladesch am 24. April 2013, bei dem mindestens 1.134 Arbeiterinnen und Arbeiter ums Leben kamen und mehr als 2.000 Menschen verletzt wurden, haben die Arbeitsbedingungen in der globalen Modeindustrie weltweite Aufmerksamkeit erlangt.
Um die Arbeitsbedingungen zu verbessern und Menschenrechtsverletzungen innerhalb der Lieferketten strafbar zu machen, kämpft Lisa Jaspers, die Gründerin des berliner Fair-Fashion-Labels "Folkdays", für ein Lieferkettengesetz. Unter dem Hashtag #fairbylaw verbreitete sie medial eine entsprechende Petition und sprach zusammen mit den Gründern der Instagram-Community "FashionChangers" im Bundestag. Zwei Jahre und 173.388 Unterschriften später, scheint die Vision Realität zu werden: Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) und Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) wollen das Lieferkettengesetz noch im kommenden Herbst auf den Weg bringen. Mit dem stern hat Jaspers darüber gesprochen, was das Lieferkettengesetz ist und welche Veränderungen es für Kunden und Branche geben wird.
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Seit mehr als zwei Jahren kämpft Lisa Jaspers mit der Petition #fairbylaw für ein Lieferkettengesetz. Jetzt könnte die Umsetzung ganz schnell gehen. Dem stern hat sie erklärt, was es mit dem umstrittenen Gesetz auf sich hat. 

Wer die Geschäfte großer Modekonzerne betritt, sieht das funkelnde Ende einer langen Kette, die nicht selten schmutzig beginnt. Spätestens seit dem Einsturz des Gebäudes Rana Plaza in Bangladesch am 24. April 2013, bei dem mindestens 1.134 Arbeiterinnen und Arbeiter ums Leben kamen und mehr als 2.000 Menschen verletzt wurden, haben die Arbeitsbedingungen in der globalen Modeindustrie weltweite Aufmerksamkeit erlangt.

Um die Arbeitsbedingungen zu verbessern und Menschenrechtsverletzungen innerhalb der Lieferketten strafbar zu machen, kämpft Lisa Jaspers, die Gründerin des berliner Fair-Fashion-Labels "Folkdays", für ein Lieferkettengesetz. Unter dem Hashtag #fairbylaw verbreitete sie medial eine entsprechende Petition und sprach zusammen mit den Gründern der Instagram-Community "FashionChangers" im Bundestag. Zwei Jahre und 173.388 Unterschriften später, scheint die Vision Realität zu werden: Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) und Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) wollen das Lieferkettengesetz noch im kommenden Herbst auf den Weg bringen. Mit dem stern hat Jaspers darüber gesprochen, was das Lieferkettengesetz ist und welche Veränderungen es für Kunden und Branche geben wird.

Die Antworten von Lisa Jaspers sehen Sie auch oben im Video.

Was ist das Lieferkettengesetz?

Lisa Jaspers: Das Lieferkettengesetz ist ein Gesetz, das dazu führen soll, dass deutsche Unternehmen ihrer Verantwortung nachkommen müssen, um sicherzustellen, dass es in ihren eigenen Lieferketten zu keinen Verletzungen von Umweltstandards oder Sozialstandards kommt. Das bedeutet natürlich nicht, dass jedes Unternehmen bis ins kleinste Detail für alles verantwortlich gemacht wird. Aber im Grunde bedeutet es schon, dass Unternehmen ganz klar Verantwortung dafür übernehmen müssen, was in den Produktionsländern passiert, wo sie ihre Produkte produzieren und unter welchen Umständen. Das ist ein sehr, sehr wichtiger Unterschied zur aktuellen Situation, weil das jetzt gerade nicht möglich ist. Unternehmerische Sorgfaltspflicht gibt es in Ländern wie Deutschland oder auch in Europa, aber sobald die Produktion in andere Länder abwandert, ist eine rechtliche Nachverfolgung oder das rechtliche Belangen eines Unternehmens nicht möglich.

Was kommt auf die Kunden zu?

Lisa Jaspers: Ich sage immer, dass das Gesetz für Kunden eigentlich ein absoluter No-Brainer ist (etwas, das auf der Hand liegt, Anm. d. Red.), denn es kommt eigentlich gar nichts neues auf uns zu. Was passieren wird, ist, dass wir alle als Konsumenten in Zukunft hoffentlich wissen, dass alle Produkte, die wir in Läden kaufen, unter Bedingungen produziert wurden, die keine Sozial- oder Umweltstandards verletzen. Das heißt, für uns macht es das Leben viel einfacher. Wir müssen nicht mehr Mühe und Recherche einsetzen, um herauszufinden, wer, wie, wo produziert. Das Gesetz soll dazu führen, dass Unternehmen nachhaltiger produzieren und das im kompletten Markt, also nicht nur in einzelnen Nischen-Bereichen. Und das ist für uns alle als Konsumenten total komfortabel.

Wie wird sich die Branche verändern?

Lisa Jaspers: Für die Branche verspreche ich mir vor allen Dingen einen Wandel im Mindset von allen Konsumenten. Es gibt Menschen, die sagen: "Lisa, wenn es ein Gesetz geben wird, dann ist das Alleinstellungsmerkmal von einem Unternehmen wie Folkdays ja gar nicht mehr so groß" – und das stimmt. Aber gleichzeitig ist es natürlich so, dass wenn wir es trotzdem schaffen, durch das, was wir tun, ein Thema in die Öffentlichkeit zu bringen, es zu einem Massenthema zu machen, dann ist es vielleicht auch okay, wenn es eines Tages Unternehmen wie Folkdays nicht mehr bedarf. Gleichzeitig glaube ich nicht, dass ein Gesetz dazu führt, dass sofort alles toll wird. Wir werden auch viele Unternehmen brauchen, die heute schon viele Sachen sehr gut machen und vielleicht Rollenvorbilder oder auch Lernpartner für andere Unternehmen sein können. Und von daher werden wir weiter das tun, was wir tun.


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