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Linkspartei: Bartsch gewählt, Lafontaine kommt

Oskar Lafontaine wird am Samstag an der Sitzung des Parteivorstandes der Linken in Berlin teilnehmen - und sich dort vermutlich zu seinen persönlichen Plänen äußern. Unterdessen wurde Dietmar Bartsch zum Fraktionsvize gewählt.

Wochenlang hat er sich nicht blicken lassen, wochenlang hat er geschwiegen, wochenlang hat er aus dem Hintergrund einen Machtkampf gegen Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch geführt. Nun klärt sich die Lage: Bartsch hat seinen Verzicht auf das Amt angekündigt und ist, wie stern.de vorab berichtete, am Abend erwartungsgemäß zum stellvertretenden Vorsitzenden der Bundestagsfraktion gewählt worden. Nun kommt Oskar Lafontaine persönlich nach Berlin. Am Samstag nimmt er an einer Sitzung des Parteivorstandes teil.

Warum? Derzeit überschlagen sich die Gerüchte. Einige in der Linkspartei wollen wissen, Lafontaine werde seine erneute Kandidatur als Parteichef verkünden. Die Nachrichtenagentur dapd meldet hingen, er wolle sein Bundestagsmandat zurückgeben und sich ins Saarland zurückziehen. Lafontaine hatte sich nach seiner Krebsoperation im November 2009 zunächst alle Optionen offen gehalten. Bundestagsfraktionschef Gregor Gysi hatte kürzlich gesagt, Lafontaine habe nun seine Entscheidung getroffen.

Einer von sieben

Auf der kurzen Pressekonferenz im Bundestag nach der Wahl Bartschs zum Fraktionsvize war keine Stellungnahme zu erhalten. Der Linkspartei muss an einer schnellen Klärung des Personaltableaus gelegen sein, da der Machtkampf zwischen Bartsch und Lafontaine die Partei zutiefst irritiert und gespalten hatte. Auch Urgestein Gysi war in die Kritik geraten, weil er sich auf die Seite Lafontaines gestellt hatte. Vor allem ostdeutsche Reformer, die Bartsch als eine Art Gallionsfigur betrachten, empfanden dies als Verrat.

Auf der Pressekonferenz war Gysi nun sichtlich bemüht, die Wogen zu glätten. Über Bartsch, der direkt neben ihm stand, sagte er: "Ich habe ihm gesagt, dass er sehr wichtig für die Partei ist - und bleibt." Das Wahlergebnis von Bartsch (79,6 Prozent) bezeichnete Gysi als "gut" angesichts der angespannten Lage. Bartsch selbst, der einen mitgenommenen Eindruck machte, sagte, er habe sich die Entscheidung, den stellvertretenden Fraktionsvorsitz anzunehmen, nicht leicht gemacht. Er habe schwere Tage hinter sich, werde aber weiter für seine Positionen eintreten. Bartsch wird künftig einer von insgesamt sieben stellvertretenden Fraktionschefs sein. Die Frage, ob er eine herausgehobene Position unter diesen bekleiden werde, verneinte Gysi.

Deadline Parteitag

Würde Lafontaine am Samstag einen Rückzieher machen, hätte er Gysi, der für Lafontaines Verbleib sein ganzes Gewicht in die Waagschale warf und einige Blessuren davon trug, im Regen stehen lassen. Außerdem würde dann der Kampf um die Parteispitze mit voller Wucht ausbrechen. Lafontaine könnte sich früheren Äußerungen zufolge eine Doppelspitze in Partei und Fraktion vorstellen, die jeweils nach dem Schema Mann/Frau sowie Ost/West besetzt wäre. Ausgiebige Debatten darüber kann sich die Linke nicht erlauben - im Mai findet der Parteitag statt, auf dem die Kandidaten gewählt werden sollen, außerdem die wichtigen Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen.

lk/hps