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Kommentar

SPD-Kanzlerkandidat Schulz: Drei Engel für Martin

Malu Dreyer, Hannelore Kraft, Andrea Nahles - die Frauen machen für Martin Schulz die Arbeit. Eigentlich wäre die SPD ohnehin mal bereit für eine Martina, meint stern-Autorin Ulrike Posche.

Hannelore Kraft und Malu Dreyer: Alles für den Martin

Hannelore Kraft und Malu Dreyer: Alles für den Martin

Klar, dass einem beim Thema "Auferstehung" auch gleich wieder Martin Schulz einfällt. Der hatte ja bekanntlich die steinerne Grabplatte, die auf der lag, weggeschoben. Und er war in den Himmel aufgefahren. In den über Berlin jedenfalls.

Neulich sahen wir ihn wieder einmal auf eine Bühne hinabschweben. Martin, den Gottkanzler und SPD-Vorsitzenden. Den Mann aus Würselen, umjubelt von Menschen, strahlend, winkend, von mächtigen Parteifreundinnen und Parteifreunden flankiert. Ein älterer Herr mit Blümchenkrawatte. Und für einen Moment dachten wir: Hätten die wohl auch eine Martina nominiert?

Sagen wir, da wäre eine gleichermaßen charismatisch wie ehrgeizige Brüsseler Sozialdemokratin auf den Gedanken gekommen, Kanzlerkandidatin und SPD-Vorsitzende zu werden. Frau, 61, Blümchenrock, bisschen Tränensäcke unter den Augen, graue Haare, sehr lebenserfahren. Wie man eben so ist mit einundsechzig, ohne Botox und ohne Strähnchen. Ganz offen hätte sie davon erzählt, wie sie als Jugendliche erst mit Bier, dann mit Kabänes zur Alkoholikerin wurde. Wie sie die Schule schmiss und eine Buchhändlerlehre absolvierte. Wie sie alles las, was ihr unter die Augen kam. Und wie sie schließlich in die SPD eintrat und Bürgermeisterin von wurde, wo sie sich mit dem Stadtdirektor stritt, der bei allem Wichtigen das Sagen hatte.


Martina Schulz, 60 plus, rheinische Frohnatur, trockene Alkoholikerin, Buchhändlerin, Ehefrau, Mutter, Genossin, SPD-Abgeordnete in , Sternzeichen Schütze. Das alles ist leicht vorstellbar. Schwerer ist es, sich auszumalen, dass diese Martina Schulz auch noch EU-Parlamentspräsidentin geworden wäre. Und völlig unvorstellbar, dass sie im Jahr 2017 ohne regierungspolitische oder sonst wie gehobene Erfahrung im operativen Politikgeschäft zur Kanzlerkandidatin aufgestiegen wäre. Da muss man schon Visionen haben oder halluzinogene Pilze, um dieses Bild vorm inneren Auge sehen zu können. Nicht einmal einer qualifizierten 59-Jährigen hätte man diesen Top-Job angeboten. Never ever! Jede Wette. So sad.

Die Frauen machen für Martin Schulz die Arbeit

Warum also kann das? Warum kann ein - nun ja, irgendwie doch - 61-jähriger Berufsanfänger Kanzlerkandidat werden, wenn die SPD doch erfahrene, man kann sogar sagen "gestandene" Frauen in ihren Reihen hat? Die Antwort: Weil genau die jetzt für den Martin die Arbeit machen. Die CDU hat Angela, die Engelsgleiche. Die SPD hat:

Drei Engel für Martin.

Da ist, zum Beispiel, Malu Dreyer. Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin, 56, regiert ihr Land fleißig und mit wechselnden Koalitionen weitgehend geräuschlos. Sie ist die, die immer lacht und hat bereits zweimal die Wahl gewonnen. Sie weiß, wie es geht. Jetzt hat Malu Dreyer den Job der Chef-Loberin mitübernommen und preist den Martin wo sie kann. In jeder Talkshow, die sie einlädt. Dreyer ist Schulzens Sympathie-Trägerin.

Engel Nummer zwei, klar: Hannelore Kraft, 55, aus Nordrhein-Westfalen. Sie ist die SPD-Ministerpräsidentin des größten Bundeslandes. Man denkt, wer NRW kann, kann doch auch Deutschland. Oder nicht? Kraft hat so viel Brassel am Hals, dass ihr manchmal die Stimme beschlägt. Dann klingt sie wie Altkanzler Schröder. Überhaupt hat sie sich viel von dem abgeguckt. Aber nein, nicht sie ist Kanzlerkandidatin, sondern nur die, die auf Wahlkampfbühnen den Martin lobt. Wenn Kraft im Mai die Landtagswahlen von NRW gewönne, heißt es, dann trage die Woge ihres Erfolgs auch ihn ins Kanzleramt.

"Guten Morgen, Engelchen!" - "Guten Morgen, Martin."

Engel No. 3 ist Andrea Nahles, Arbeitsministerin. Die 46-Jährige wurde wegen ihrer Ergiebigkeit bereits vom politischen Gegner gelobt. Von CSU-Chef Horst Seehofer, Schwamm drüber. Nahles brachte Reformen und Gesetze auf den Weg, wie kaum ein anderer Minister in Merkels Kabinett. Rente, Leiharbeit, Mindestlohn. Alles Nahles. Nun baut sie am Parteiprogramm, mit dem der Martin in die Wahlschlacht reiten soll. Wenn der wolkig "Gerechtigkeit" ruft, zimmert sie aus Zahlen, Daten, Fakten und Ideen das "Arbeitslosengeld Q" oder das "Gesetz zur befristeten Teilzeit". Klingt unsexy, ist aber Politik.

Wenn die Welt eine ARD-Serie wäre, dann wäre Andrea Nahles Kanzlerkandidatin der SPD. Oder Malu Dreyer. Oder Hannelore Kraft (Gut, die hat mal so dahin gesagt, sie wolle nicht nach Berlin. Aber wurde sie je wirklich gefragt?). "Man kann mich als Mann nicht schlimmer beleidigen, als wenn man mich wegen meines Geschlechts einer Frau vorzieht", hat Martin Schulz einmal bekannt. Er ist kein schlechter Mensch, wirklich nicht. Aber die Sonne der Gerechtigkeit steht manchmal schräg am Himmel.     

Also los, Martina! Nimm dir ein Beispiel an Angela. Warum ein Engel sein, wenn man Gott spielen kann?