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Migranten in Deutschland Merkel bezeichnet Sarrazins Thesen als "Unsinn"


Angela Merkel hat die Thesen Thilo Sarrazins als "Unsinn" bezeichnet. Ganze Gruppen in der Gesellschaft würden sich durch solche Aussagen verletzt fühlen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die umstrittenen Thesen Thilo Sarrazins über muslimische Migranten als abwegig zurückgewiesen. Es sei "Unsinn", wenn der Bundesbankvorstand den Eindruck erwecke, dass Deutschland durch Türken und Muslime dümmer werde, sagte die CDU-Chefin der türkischen Tageszeitung "Hürriyet". Insgesamt könne sie die Äußerungen des früheren Berliner Finanzsenators nicht akzeptieren. "Sie wirken ausgrenzend. Ganze Gruppen in unserer Gesellschaft fühlen sich dadurch verletzt." Das Thema Integration sei eines der wichtigsten unserer Zeit, sagte Merkel. "Wir müssen es sachlich diskutieren und dürfen nicht Abneigung und Widerwillen wecken. Das erschwert die Integration, anstatt sie zu fördern", warnte sie.

Zugleich verlangte Merkel, dass sich Zuwandererfamilien auch aktiv darum bemühen, am gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Leben teilhaben. "Am wichtigsten sind das Erlernen der deutschen Sprache, Bildung, Ausbildung und die Integration in den Arbeitsmarkt." Unter Integration verstehe sie keine erzwungene Assimilation oder das Leugnen der eigenen Wurzeln. "Aber es bedeutet natürlich, Deutsch zu lernen und die deutschen Gesetze einzuhalten", sagte sie.

Merkel betonte, die 16 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund hätten wesentlich zum wirtschaftlichen Erfolg und zur kulturellen Vielfalt Deutschlands beigetragen. Erfolgreiche Integration sei eine Bereicherung für beide Seiten - für die Zugewanderten und für das Zuwanderungsland. Die Gesellschaft, aber auch die Migranten müssten sich anstrengen: "Wir Deutschen benötigen Toleranz, zivilgesellschaftliches Engagement und die Bereitschaft, Menschen, die rechtmäßig bei uns leben, zu respektieren und ehrlich willkommen zu heißen."

Die Zuwanderer wiederum müssten bereit sein, "sich auf ein Leben in unserer Gesellschaft einzulassen und unsere gesamte Rechtsordnung vorbehaltlos zu akzeptieren. Dies erfordert Eigeninitiative, Einsatzbereitschaft und die Übernahme von Verantwortung für sich selbst und andere", sagte Merkel. Das Zusammenleben sei ein Geben und Nehmen.

Nach seinen abfälligen Äußerungen über Juden und Muslime verliert Bundesbankvorstand Thilo Sarrazin sehr wahrscheinlich den Job: Die deutsche Zentralbank hatte am Donnerstag in einem historisch einmaligen Schritt seine Entlassung beantragt. Die Entscheidung, ob der 65-Jährige tatsächlich gehen muss, liegt nun bei Bundespräsident Christian Wulff. Das Staatsoberhaupt sagte umgehend eine Prüfung des Antrags zu.

APN APN

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