Ministersessel für Stoiber CSU lobt ihren Chef nach Berlin


Die Union scheint sich einig zu sein, dass CSU-Chef Edmund Stoiber weg muss - und zwar aus München. Stattdessen soll er in Berlin als Minister am Kabinettstisch und starker Mann neben einer eventuellen Kanzlerin Angela Merkel Platz nehmen.

Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber soll nach dem Willen der CSU-Landesgruppe im Fall eines Wahlsiegs der Union von München in die Bundeshauptstadt wechseln. "Ich würde mir wünschen, dass er nach Berlin kommt", sagte Landesgruppenchef Michael Glos der "Passauer Neuen Presse". Glos glaubt, dass Stoiber und die Unions-Kanzlerkandidatin Angela Merkel (CDU) sich könnten gut ergänzten. "Wir haben ja jetzt eine Kanzlerkandidatin, und wenn die einen starken Mann direkt am Kabinettstisch hat, der über ungleich viel Erfahrung in der erfolgreichen Gestaltung eines Landes verfügt, dann ist das ein Vorteil." Letztlich müsse Stoiber aber selbst entscheiden.

"Wir wünschen uns, dass unser Parteivorsitzender ein Stück auf gleicher Augenhöhe mit der Kanzlerkandidatin im Wahlkampf wirken kann, dass er auf die Programmgestaltungen Einfluss hat", sagte Glos weiter. Eine zu frühe Festlegung auf ein bestimmtes Ministerium sei da eher kontraproduktiv. "Er kann es sich sicher aussuchen, welchen Bereich er vertreten will, und ich bin mir ziemlich sicher, die CSU wird zweitstärkste Kraft in der Koalition, ohne Frage."

Auch der Vizevorsitzende der Unionsfraktion, Wolfgang Bosbach, würde den Bayern gerne im neuen Bundeskabinett sehen. Bosbach sagte im "Kölner Stadt-Anzeiger": "Seine politische Erfahrung und seine Fachkompetenz gerade in Wirtschaftsfragen können wir in Berlin gut gebrauchen."

Nach Ansicht der Grünen soll Edmund Stoiber endlich Farbe bekennen, ob er im Fall eines Wahlsieges der Union bei der Bundestagswahl nach Berlin gehen oder in Bayern bleiben wolle. "Stoiber ist ein Zauderer. Er traut sich nicht, eine klare Entscheidung zu treffen und zu ihr zu stehen", sagte der Vorsitzende der bayerischen Grünen, Sepp Daxenberger. Die Wähler hätten ein Recht darauf zu erfahren, welche personelle Alternative die Opposition zu bieten habe.

Einer Umfrage zufolge könnten CDU und CSU ihre klare Führung in der Wählergunst ausbauen. Fünfzehn Wochen vor dem absehbaren Neuwahl-Termin legte die Union laut einer Befragung des Instituts TNS Emnid für die "Berliner Morgenpost" um einen Punkt auf 48 Prozent zu. Die SPD büßte einen Punkt ein und erreicht nur noch 28 Prozent.

Grüne und FDP gleichauf

Die Grünen bleiben unverändert bei acht Prozent, ebenso die FDP. Die PDS erhält wie in der Vorwoche sechs Prozent und würde den Wiedereinzug in den Bundestag schaffen. Damit hätten CDU und CSU keine absolute Mehrheit, sondern wären auf einen Koalitionspartner angewiesen. 32 Prozent der vom 25. Mai bis 2. Juni befragten Wahlberechtigten gaben an, der Wahl fernbleiben zu wollen oder sich noch nicht für eine Partei entschieden zu haben.

Thüringens Ex-Ministerpräsident Bernhard Vogel appellierte unterdessen an Merkel, im Falle eines Wahlsieges der Union die neuen Bundesländer zu stärken. Sie müsse "darauf achten, dass im Alltag die ostdeutschen Probleme nicht untergehen", sagte der CDU-Politiker der Nachrichtenagentur DPA. Er riet seiner Partei zur Ehrlichkeit im Wahlkampf. "Ich würde auch von notwendigen Einschnitten sprechen, sie sind nötig." Zugleich müsse das Wahlprogramm aber Zukunftsperspektiven aufzeigen, für die es sich lohne, Einschränkungen in Kauf zu nehmen.

DPA/Reuters/AP AP DPA Reuters

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