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Missbrauchsfälle: Zollitsch und Leutheusser - Kriegsbeil nur halb begraben

Zwischen Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) und dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch herrscht noch immer es Uneinigkeit, ob künftig alle Missbrauchsfälle bei der Staatsanwaltschaft angezeigt werden sollten.

Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger und der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, sind in Berlin zu einem Gespräch über Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche zusammengekommen. Noch immer gebe es Uneinigkeit, ob künftig alle Fälle bei der Staatsanwaltschaft angezeigt werden sollten, hieß es am Donnerstag am Rande des Gesprächs. Dazu müssen die Leitlinien der Bischofskonferenz geändert werden.

Die im Jahr 2002 verabschiedeten Leitlinien regeln, wie die Bischöfe mit bekanntwerdenden Missbrauchsfällen an Minderjährigen zu handeln haben. Darin heißt es wörtlich, in erwiesenen Fällen werde "ggf. das Gespräch mit der Staatsanwaltschaft gesucht". Dieses "ggf." bleibt umstritten. Allerdings denke man derzeit darüber nach, eine andere Einschränkung einzufügen. Demnach wolle man auf eine Anzeige bei der Staatsanwaltschaft verzichten, wenn die Opfer es so wünschten. Ministerin Leutheusser-Schnarrenberger beharrt jedoch auf der Pflicht zur Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft.

Zudem bezeichnete die Ministerin es als hilfreich, die genaue Zahl der bekanntgewordenen Missbrauchsfälle zu kennen. Diese habe man jedoch noch nicht vorliegen, teilte der Sprecher der Bischofskonferenz, Matthias Kopp, mit.

Hintergrund des Gesprächs ist ein öffentlich gewordener Streit zwischen der Ministerin und dem Erzbischof zur Meldepflicht. Für Zollitsch war es der erste Besuch im Justizministerium. Bei dem Treffen sollten auch Vorbereitungen für den Runden Tisch der Bundesregierung zu den Missbrauchsfällen getroffen werden.

Die Bundesvorsitzende der Grünen, Claudia Roth, forderte darüber hinaus eine unabhängige Untersuchungskommission. Ministerin Leutheusser-Schnarrenberger dürfe sich nicht hinter Runden Tischen verstecken. Roth verlangte zudem eine Aufklärung nach rechtsstaatlichen Regeln schon im Verdachtsfall "und nicht erst dann, wenn ein päpstliches Geheimverfahren es für richtig hält".

DPA/AFP / DPA