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Debatte um beliebte Babynamen: Blick in die Zahlen zeigt: Aufregung um die kleinen Mohammeds in Berlin ist übertrieben

Mohammed war 2018 der beliebteste Baby-Erstname in Berlin. Bedeutet das, die Bevölkerung der Hauptstadt wird "islamisiert", wie es die AfD alarmistisch beklagt? Der Blick in die Statistik belegt: viel Aufregung um fast nichts.

Aufregung um beliebten Baby-Namen Mohammed

Viel Aufregung um fast nichts: 280-Mal wurde in Berlin der Jungen-Name Mohammed vergeben. Die AfD formte daraus eine "Islamisierungs"-Kampagne.

DPA

Der Vorname Mohammed ist zum Reizwort geworden. Spätestens seit Twitter angeblich aufgrund einer Richtlinie zum Schutz von Wahlen den Account der Bevollmächtigen des Landes Berlin beim Bund, Sawsan Chebli (SPD), zwischenzeitlich gesperrt hat, ist der Name zum Politikum geworden.

Die Berlinerin ist praktizierende Muslimin. Sie hatte in einem "#Servicetweet für die #AfD" auf "Islamisierungsängste" der rechtspopulistischen Bundestagspartei geantwortet und dabei leicht provokant versichert, dass man schon dafür sorgen werde, "dass dieser Name nie verschwindet!" Auslöser der ganzen Debatte war die Veröffentlichung der beliebtesten Baby-Namen in Deutschland im vergangenen Jahr. Da tauchte der muslimische Männername in mehreren Bundesländern, etwa in Bremen, Berlin und dem Saarland in den Top Ten auf. Und: In Berlin war Mohammed der am häufigsten vergebene Erstname, also erster Vorname, bei neugeborenen Jungen. Ein statistisches Detail, für das sich sogar die ausländische Krawall-Presse, wie die britische "Daily Mail" oder das US-Portal "Breitbart", interessierte.

Für die AfD Grund genug, Stimmung zu machen. "Na sowas", kommentierte AfD-Fraktionschefin Alice Weidel süffisant. So mancher empfand Cheblis Tweet gar als direkte Drohung. Und die AfD Berlin forderte ununwunden: "Islamisierung stoppen!" Ihre Wirkung verfehlte die große Aufregung nicht. Zuletzt war selbst von nicht ideologisch belasteter Seite manchmal sehr verkürzt zu lesen, dass Mohammed 2018 der häufigste Jungen-Erstname gewesen sei - ohne jede Einschränkung. Dabei kann davon keine Rede sein.

Mohammed nicht mal häufig in Berlin

Beliebtester Jungen-Name in Deutschland war 2018 Paul und der beliebteste Erstname war Ben. Soweit die Statistik der Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS). Meist vergebener Erstname für Jungen ist Mohammed nur in der Hauptstadt. Und auch das bedeutet nicht, dass der Name dort allzu häufig auftritt. Von den 22.177 Jungen, so berichten die "Bild"-Zeitung und die ARD unter Bezug auf die GfdS, die im vergangenen Jahr in Berlin geboren wurden, wurden 280 nach dem Propheten des Islam benannt. Das sind gerade mal 1,26 Prozent der männlichen Babys in Berlin. Kaum genug, um daran eine islamische Mehrheit in der Berliner Bevölkerung festzumachen - selbst wenn man berücksichtigt, dass Mohammed 2017 dort noch nicht unter den Top Ten der Erstnamen war. Hochgerechnet auf die Schulzeit bedeutet die aktuelle Zahl laut "Bild" übrigens, dass in rund jeder vierten Schulklasse ein Junge mit Namen Mohammed sitzen wird.

Ohnehin bleibt von der Mohammed-Aufregung nicht viel übrig, wenn man die komplette Namensstatistik betrachtet. Berücksichtigt man Erst- und Folgenamen zusammen, was Grundlage der Ermittlungen der beliebtesten Namen ist, so lauten auch in Berlin 2018 die beliebtesten Jungen-Namen Alexander, Maximilian und Paul. Und ein weiterer Namenstrend widerspricht dem AfD-Populismus deutlich: Die GfdS hat in ihren Statistiken ausgemacht, dass es – vor allem in den ostdeutschen Bundesländern – eine auffällige Renaissance klassischer Namen gebe: Karl, Jakob, Theodor.

Quellen: "Gesellschaft für deutsche Sprache", "Bild", "tagesschau""RBB" 

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dho