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Nach Lafontaine-Rückzug: Linke versucht die doppelte Doppelspitze

Nun ist es offiziell: Nach dem Abgang Oskar Lafontaines soll die Linke künftig von Klaus Ernst und Gesine Lötzsch geführt werden. Auch der Posten des Bundesgeschäftsführers wird doppelt besetzt.

Die Ostdeutsche Gesine Lötzsch und der aus Bayern stammende Klaus Ernst sollen die Linkspartei nach den Querelen der letzten Wochen aus der Krise führen. Bundestagsfraktionschef Gregor Gysi bestätigte am Dienstag in Berlin, dass die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Lötzsch, 48, und Partei-Vize Ernst, 55, beim Parteitag Mitte Mai als Nachfolger des an Krebs erkrankten Oskar Lafontaine und von Lothar Bisky kandidieren sollen. Lafontaine und Bisky hatten die Partei seit ihrer Gründung Mitte 2007 gemeinsam geführt.

Stellvertretende Vorsitzende sollen für den Westen die Bundestagsabgeordnete Sahra Wagenknecht und der saarländische Landesvize Heinz Bierbaum, für den Osten die bisherigen Amtsinhaberinnen Katja Kipping und Halina Wawzyniak werden.

Als Nachfolge des nach Illoyalitätsvorwürfen ebenfalls nicht mehr kandidierenden Dietmar Bartsch soll es erstmals zwei Bundesgeschäftsführer geben. Der aus Hessen stammende Fraktionsvize Werner Dreibus und die sächsische Bundestagsabgeordnete Caren Lay sollen dieses Amt übernehmen, sagte Gysi. Neuer Schatzmeister soll der Bundestagsabgeordnete Raju Sharma aus Schleswig-Holstein werden.

Personaltableau einstimmig beschlossen

Es sei darum gegangen, bei dem Personaltableau einen "guten und fairen Kompromiss" zu finden, sagte Gysi. Er sei stolz, dass man so rasch eine Lösung gefunden habe. Sie sei vom geschäftsführenden Vorstand einstimmig beschlossen worden. Die stellvertretende Parteivorsitzende Wawzyniak und Vorstandsmitglied Ulrich Maurer sollen zudem als Parteibildungsbeauftragte dafür sorgen, dass die aus westdeutscher WASG und ostdeutscher PDS vereinigte Partei in ihrem Einigungsprozess weiter vorangebracht wird.

Die Doppelspitze an der Parteiführung war bisher als Übergangslösung zur Vereinigung der Ost- und Westteile der Linkspartei gedacht und sollte 2010 auslaufen. Der Parteitag muss mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit eine Satzungsänderung beschließen, damit die Doppelspitze beibehalten werden kann.

DPA/AFP / DPA