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Nach Tsunami: Leonie tauscht Barbie gegen Spendenbox

Die Viertklässlerin Leonie Moske hat nach der Tsunami-Flut einen eigenen Spendenfonds eingerichtet. Nach einer Reise durch die verwüsteten Gebiete ist sie schockiert über die mangelnde Hilfe und startet nun eine Adventsaktion.

Gewöhnlich spielen zehnjährige Mädchen Basketball oder gehen in die Ballettschule, schwärmen für Anastacia oder Robbie Williams und lieben es, mit der besten Freundin stundenlang Soaps im Fernsehen anzuschauen. All das mag und macht auch Leonie aus Trier. Aber das dunkelhaarige Mädchen denkt auch an andere, besucht regelmäßig seine Großeltern, verkauft auf Weihnachtsmärkten zusammen mit der Mutter selbst gebackene Waffeln und Glühwein zu Gunsten schwerstkranker und behinderter Kinder.

Und seit knapp einem Jahr hat Leonie ein eigenes Spendenprojekt, nachdem der Viertklässlerin die Fernsehbilder aus der Tsunami-Region nicht aus dem Kopf gingen: Die Zerstörung und Verwüstungen, die die Flutwelle im Indischen Ozean am 26. Dezember 2004 hinterließ und das Leid der Menschen, die die Katastrophe überlebt haben. "Das war ganz schlimm, weil so viele Menschen dabei umkamen", sagt Leonie. Mit ihrer Freundin Gianna spendete sie damals sofort 80 Euro von ihrem Weihnachtsgeld und verzichtete damit auf den lang gewünschten Stadtroller.

Katastrophe mit eignen Augen sehen

Die Macht der Natur, das Ausmaß des Schreckens aber blieben für die Schülerin unvorstellbar - bis sie die Folgen der Katastrophe mit eigenen Augen sieht: "Das ist wie im Fernsehen", erzählt Leonie von ihrer Fahrt im Oktober entlang der Südküste Sri Lankas. Die Zehnjährige begleitete in den Herbstferien auf eigenen Wunsch ihre Mutter Petra Moske nach Asien.

Die 40-jährige Sozialmanagerin ist Vorsitzende des Vereins Nestwärme, der sich seit 1999 in Deutschland um Familien mit schwerstkranken und behinderten Kindern kümmert. Er unterstützt inzwischen auch auf der Insel im Indischen Ozean behinderte Kinder, denen der Tsunami Eltern und Zuhause raubte.

Es wird noch zu wenig gemacht

Immer noch berührt und ein wenig traurig erzählt Leonie von dem, was sie dort gesehen hat: "Viele Menschen haben alles verloren. Sie leben auf der Straße in Zelten oder in kleinen Holzhütten, die kein richtiges Dach haben und keine Fenster.

Manchmal sind die mit Plastikplanen umwickelt gegen den Regen. Es gibt keine Betten in den Häusern, nur Matratzen, und die sind ganz dreckig", schildert sie. "Irgendwie denke ich, dass hier noch nicht viel gemacht wurde und das kann ich gar nicht verstehen."

"In dem Raum riecht es ganz schlimm"

In all dem Elend hat sie aber auch immer etwas Schönes entdeckt: "Der Vorgarten war sehr geschmückt mit Orchideen." Im Gedächtnis hat sie die rosa farbenen Mückennetze über den Heimbetten.

Ernst, Trauer und Schrecken jedoch überwiegen, halten das Mitgefühl des Mädchens wach. Im Ort Peralya sah Leonie Reste eines zerstörten Zuges, den der Tsunami mitgerissen hatte. "Die Leute haben erzählt, viele Menschen wollten ihre Kinder retten und setzten sie in den bereits überfüllten Zug. Doch das Wasser nahm auch den Zug mit, fast 1500 Menschen ertranken."

In Kalutara, wo Leonies Mutter mit Nestwärme das "St. Theresas Home for disabled Girls" unterstützt, trifft sie behinderte Waisenmädchen ihres Alters. "Da leben zwölf und mehr Kinder in einem kleinen Zimmer. Manche müssen auf dem Boden schlafen, weil sie kein eigenes Bett haben. In dem Raum riecht es ganz schlimm, und mir wurde fast schlecht, denn es war heiß und schwül. Irgendwie sind sie sich alle selbst überlassen, und doch fröhlich", erinnert sich das Mädchen beim Anblick der Fotos.

Leonie startet neue Aktion

Leonie, die Tierärztin werden will, setzt sich nun zu Hause noch mehr für ihre neuen Freunde auf Sri Lanka ein. "Aus einer Blechdose, in der einmal grüne Bohnen waren, habe ich mit blauer Pappe eine schöne Spendenbüchse gebastelt. Die steht in der Schule und viele haben schon etwas hineingetan."

Gerade hat sie eine Adventsaktion gestartet, um Geld für ein neues Zuhause für die Waisenmädchen von St. Theresas zu sammeln. Ihre Mitschüler können das während ihrer Reise entstandene 15-seitige Tagebuch in der Schulzeitung lesen. Alle sollen wissen, wie die Kinder in Sri Lanka leben. "Ich weiß jetzt, dass ich ein schönes Leben habe. Und ich bin glücklich, dass ich in Deutschland lebe."

DPA / DPA