Neues Al-Kaida-Video "Am Dschihad kann sich jeder beteiligen"


Al Kaida verstärkt unmittelbar vor der Bundestagswahl seinen verbalen Nervenkrieg gegen Deutschland: Islamist Bekkay Harrach alias "Abu Talha" meldete sich binnen einer Woche zum dritten Mal per Video zu Wort. Diesmal versucht "Abu Talha", deutschsprachige Muslime für den Terrorkampf zu gewinnen.

Wenige Tage vor der Bundestagswahl ist zum dritten Mal binnen einer Woche im Internet eine Videobotschaft des mutmaßlichen Al-Kaida-Terroristen Bekkay Harrach aufgetaucht. Das Bundesinnenministerium bestätigte am Freitag die Existenz des Videos. Sie enthalte im Gegensatz zu den vorangegangenen Botschaften jedoch keine direkten Drohungen gegen Deutschland. Harrach werbe vielmehr für die Teilnahme am bewaffneten Dschihad (Heiligen Krieg), indem er an die religiösen Gefühle von deutschsprachigen Muslime appelliere, teilte das Ministerium in Berlin mit. "Dieses Werben erfolgt abstrakt und ohne Bezugnahme auf bestimmte Regionen oder Schauplätze", hieß es.

Inhaltlich schließe die Botschaft, die in der Nacht zum Freitag auftauchte, an Harrachs Video vom Sonntag an. Politische Äußerungen fänden sich darin nicht. Jedoch sei das Video mit dem Titel "O Allah, ich liebe dich, Teil II" und einer Länge von 39 Minuten ebenfalls im Zusammenhang mit der Bundestagswahl an diesem Sonntag zu sehen. Es handele sich nach den Videos vom 18. und 20. September um die dritte Botschaft von Harrach im Namen des Terrornetzwerkes Al Kaida von Osama bin Laden.

Harrach will Deutsche als Terroristen anwerben

In seiner neuen 39 Minuten langen Botschaft, versucht Harrach alias "Abu Talha" deutschsprachige Muslime als Terroristen anzuwerben. Er lockt mit Sätzen wie: "Am Dschihad kann sich jeder beteiligen" und "Liebe Geschwister im Islam, der Dschihad ist eine ganz andere Welt". Gezeigt wird außerdem die deutsche Übersetzung religiöser Texte, die im arabischen Original zu hören sind. Das Video trägt das Logo von Al-Sahab, dem Propaganda-Zweig von al Kaida. Wann es aufgenommen wurde, ist nicht klar. In der Botschaft spricht der gebürtige Marokkaner überwiegend deutsch, mit leichtem Akzent. Die arabische Hochsprache, die er mit marokkanischem Akzent spricht, benutzt er nur für Zitate aus dem Koran.

Harrach, der sich 2007 aus dem Rheinland ins pakistanisch-afghanische Grenzgebiet abgesetzt hatte, betont in seiner jüngsten Botschaft, der persönliche Erfolg sei im "Heiligen Krieg" nicht wichtig: "Ich kann mein Ziel erreichen, ich kann aber auch in Guantanamo landen." Die islamistischen Terroristen von heute vergleicht er mit den "Sahaba", den treuen Gefährten des Propheten Mohammed. Möglicherweise hat Harrach für sich selbst auch den Namen Abu Talha (Vater des Talha) gewählt, um an die "Sahaba" zu erinnern und seine Bereitschaft zum "Märtyrertod" zu betonen. Über seinen Gefährten Talha soll Mohammed einst gesagt haben: "Wenn ihr einen Märtyrer sehen wollt, der auf zwei Beinen geht, dann schaut auch Talha bin Obeid-Allah an."

"Jedold, dat han isch jenoch"

Bekkay Harrach ruft seine Glaubensbrüder am Ende seiner Botschaft zur Geduld auf. Und rät ihnen, in pseudo-rheinischer Mundart: "Den Ungläubigen so sage: Jedold, dat han isch jenoch."

Erst am Sonntag war ein Video unter dem Titel "O Allah, ich liebe dich" aufgetaucht. Darauf ist ein Standbild Harrachs mit verhülltem Gesicht zu sehen, während eine Tonaufnahme läuft. Am vergangenen Freitag hatte Harrach den Deutschen in einem weiteren Video mit einem "bösen Erwachen" gedroht, sollten sich die Wähler bei der Bundestagswahl am 27. September nicht für einen Politikwechsel entscheiden. Deutschland würde nur dann von Anschlägen verschont, wenn es seine Truppen aus Afghanistan abziehe. Harrach rief die Muslime in Deutschland auf, sich zwei Wochen nach der Wahl von allen strategisch wichtigen Einrichtungen fernzuhalten.

Nach den jüngsten Terrordrohungen hatte die US-Regierung ihre in Deutschland weilenden Bürger am Mittwoch zur Vorsicht unmittelbar vor und nach der Bundestagswahl aufgerufen. Die Warnung gilt bis zum 11. November. Offiziell ist die Mitteilung lediglich ein Hinweis und keine Warnung. Daher ist sie nicht verbunden mit der Empfehlung, Deutschland oder bestimmte Regionen zu meiden. In dem Dokument wird US-Bürgern in Deutschland geraten, die Nachrichten zu verfolgen und die Sicherheit bei Besuchen öffentlicher Plätze, von Veranstaltungen oder bei Hotel- und Restaurantbesuchen im Auge zu behalten. Paris verwies auch am Freitag darauf, dass auf die "erhöhte Gefährdungslage" bereits mit einem Konzept stärkerer Präsenz der Sicherheitsbehörden an neuralgischen Punkten reagiert werde.

2009-09-25 10:58:57

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