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Schlag 12 - der Mittagskommentar aus Berlin: Pegida - es ist noch nicht vorbei

Das Orga-Team hat sich aufgelöst, Kathrin Oertel ist zurückgetreten. Deswegen ist Pegida aber noch nicht am Ende. Gut möglich, dass nun Lutz Bachmann sein Comeback feiert.

Von Andreas Petzold

Die Teilnehmer der islamkrititschen Bewegung Hagida am Montag in Hannover

Die Teilnehmer der islamkrititschen Bewegung Hagida am Montag in Hannover

Die Botschaft war: "Liebe Freunde, (...) Auch wenn Kathrin Oertel, Lutz Bachmann und René Jahn nicht mehr für den Vereinsvorstand zur Verfügung stehen, so lässt sich die Bewegung dadurch nicht stoppen. Es geht nicht um Personen, es geht um unsere Sache! (...) Wir zählen auf Euch! Euer Pegida e.V."

Klingt so schön familiär, dieser Eintrag am Mittwoch auf der Facebook-Seite, die bislang 160.065 Likes eingesammelt hat. Klingt nach Zoff zwischen Mama Oertel und Papa Bachmann, aber auch nach einem Schwur auf die gemeinsame Mission: Am Ende sind wir doch eine große Familie, es geht ja um euch, um unsere Kinder auf den Straßen Dresdens, die wir vor den Zumutungen der bösen globalisierten Welt schützen müssen. Und vor Flüchtlingen, Lügenpresse, Volksverrätern - und überhaupt, diese Sache mit der Demokratie, das haut auch nicht richtig hin.

Das "Jetzt-erst-recht-Gefühl"

Da fühlen sich die Pegida-Anhänger doch wieder gut aufgehoben im warmen Schoß ihres Vereins. Jedenfalls könnte sich die gängige Kommentierung, dass sich die Dresdner Märsche mit dem Führungsstreit erledigt hätten, als Fehleinschätzung entpuppen. Denn die so genannte "Bewegung" ist auch ein Brutkasten für die schönsten Verschwörungstheorien. Wie sagte doch unlängst ein Mitmarschierer vor der Kamera? "Alle Medien werden von einem heimlichen Gremium der Regierung gesteuert!" Ist ja ganz klar.

Und so werden Pegida-Fans die Ursache für die internen Querelen bei dunklen Mächten suchen, die den Vorstand mit destruktiven Methoden unterwandert und Zwietracht gesät haben. Ganz so, wie man es aus Stasi-Zeiten noch kennt. Das stärkt den Zusammenhalt und erzeugt ein "jetzt-erst-recht-Gefühl". Alleine schon um der niederträchtigen Presse zu beweisen, dass man sich eben nicht auseinander dividieren lässt. Und die Klammer, das, was Pegida als "unsere Sache" ins Schaufenster stellt, ist ja so weit gefasst, das sich all jene angesprochen fühlen, die sich von der Lebensrealität überfahren fühlen: Putin-Liebhaber, GEZ-Hasser, Homophobe, Flüchtlings-Feinde, Hitler-Versteher.

Bachmanns mögliches Comeback

Sie werden weiter demonstrieren, am 9. Februar finden die Zornigen wieder zusammen. Fragt sich nur, wer ihnen dann eine Stimme gibt. Denn es braucht am Mikrofon jemanden, der den Dresdner Eintopf aus Aversionen und Vorurteilen anrührt und die Pegida-Fans zum Dampfen bringt. Gewohnt simpel müssen die Parolen wieder sein. Bloß nicht tiefer bohren bei Themen wie Zuwanderung, Islamisierung und Presse. Man könnte ja auf Wahrheiten stoßen, die den Demo-Konsens ins Wanken bringen.

Es wäre nicht überraschend, wenn Lutz Bachmann am übernächsten Montag doch wieder auf der Tribüne stünde. Laut und deutlich kann der Hitler-Epigone halt am besten im Verein. Und - wir erinnern uns - es geht ja nicht um Personen, sondern um die Sache.

Um welche Sache eigentlich?