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Nach Hitler-Witzen Bachmann tritt von Pegida-Vorsitz zurück und entschuldigt sich


Pegida-Organisator Lutz Bachmann tritt von all seinen Funktionen bei dem Anti-Islam-Bündnis zurück. Grund sind ausländerfeindliche Äußerungen bei Facebook, für die Bachmann sich nun entschuldigt hat.

Nach heftiger Kritik an im Internet aufgetauchten Fotos in Hitler-Pose tritt Pegida-Chef Lutz Bachmann von all seinen Ämtern bei dem Bündnis zurück. "Ja, ich trete auch als Vorstand zurück", sagte der 41-Jährige der "Bild"-Onlineausgabe am Mittwoch. Pegida-Sprecherin Kathrin Oertel bestätigte die Nachricht.

Gegen den Organisator der islamkritischen Bewegung ermittelt seit Mittwoch die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts auf Volksverhetzung. Grundlage sind neben einem Foto, auf dem sich Bachmann mit Hitler-typischem Seitenscheitel und Schnauzbart präsentiert, auch umstrittene Beiträge Bachmanns im sozialen Netzwerk Facebook. Sie waren am Dienstag im Internet verbereitet worden und enthalten menschenverachtende Bezeichnungen wie "Viehzeug", "Gelumpe" und "Dreckspack" in Bezug auf Ausländer.

Bachmann-Witze lösten internen Streit bei Pegida aus

In der "Bild"-Zeitung vom Mittwoch hatte Bachmann das Bild, das ihn mit einem "Hitler-Bärtchen" zeigt, als Scherz bezeichnet. Er habe das Foto beim Friseur geknipst, sagte er der Zeitung. Anlass sei die Veröffentlichung der Audio-Version des Satire-Buchs "Er ist wieder da" von Timur Vermes gewesen.

In einer Pressemitteilung, die Bachmann am Mittwochabend auf der Facebook-Seite von Pegida verbreitete, hat er sich jedoch für seine Äußerungen entschuldigt. "Es waren unüberlegte Äußerungen, die ich so heute nicht mehr tätigen würde. Es tut mir leid, dass ich damit den Interessen unserer Bewegung geschadet haben, und ziehe daraus die Konsequenzen", heißt es dort.

Pegida-Sprecherin Kathin Oertel begrüßt den Rücktritt Bachmanns: "Die jetzt bekannt gewordenen Facebook-Postings Lutz Bachmanns vom September weisen wir als Verein aufs Schärfste zurück. Sie tragen nicht dazu bei, Vertrauen zu den Zielen und Protagonisten von Pegida zu entwickeln", erklärte sie in derselben Mitteilung. Der Verein bedauere die Entwicklung, da Bachmann sich bei Pegida "viele Verdienste" erworben habe, erklärte Oertel weiter. Dass Bachmann den Rückhalt innerhalb der Pegida-Führung verlor, lag aber offenbar an den Äußerungen über Flüchtlinge und Asylbewerber - und nicht an den Fotos in Hitler-Pose. Das "Hitler-Selfie" sei Satire gewesen, die jedem Bürger freistehe. "Die pauschale Beleidigung fremder Menschen allerdings nicht mehr."

AfD geht auf Distanz

Politiker verschiedener Parteien hatten mit Empörung auf Bachmanns Äußerungen und das "Hitler-Foto" reagiert. Vizekanzler Sigmar Gabriel rief alle Pegida-Anhänger zur Umkehr auf. "Wer sich in der Politik wie Hitler maskiert, ist entweder ein ziemlicher Idiot oder ein Nazi", sagte der SPD-Vorsitzende der "Bild". Linken-Politikerin Ulla Jelpke erklärte: "Wer jetzt noch bei Pegida mitläuft, darf sich nicht herausreden, er habe über die rassistischen Hintergründe dieser Aufmärsche nichts gewusst."

Auch die rechtskonservative AfD ging nach der Veröffentlichung des "Hitler-Fotos" auf Distanz zu Bachmann. Der Sprecher der rechtskonservativen Partei, Christian Lüth, erklärte am Mittwoch: "Das ist geschmacklos." Zu den ausländerfeindlichen Posts sagte Lüth: "Unabhängig, von wem solche Äußerungen stammen, sie sind niederträchtig und unerträglich." Die ideologische Nähe und potenzielle Zusammenarbeit zwischen der AfD und Pegida hatte immer wieder Fragen aufgeworfen.

Den selbsternannten "Patriotischen Europäern gegen die Islamisierung des Abendlandes" war immer wieder vorgeworfen worden, #link;http://www.stern.de/politik/deutschland/pegida-der-fakten-check-2160741.html;Ressentiments gegen Ausländer# zu schüren. Pegida hat dies stets bestritten.

Bachmanns kriminelle Vergangenheit

Lutz Bachmann gerät nicht zum ersten Mal mit dem Gesetz in Konflikt. Der gelernte Koch ist mehrfach vorbestraft, unter anderem wegen Diebstahls und Drogendelikten. Drei Jahre nach der Wende gründete er nach eigenen Angaben eine kleine Foto- und Werbeagentur. Danach geriet er gleich mehrfach mit dem Gesetz in Konflikt und wurde verurteilt. Doch noch vor Haftantritt setzte er sich nach Südafrika ab, wo er Grafik und Design studiert haben will. Recherchen von Journalisten an der Universität von Kapstadt führten jedoch ins Leere. Im Jahr 2000 kehrte Bachmann zurück nach Deutschland, stellte sich und kam ins Gefängnis. 2010 wurde er wegen Drogenhandels zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren auf Bewährung verurteilt.

las/dpa/AFP

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