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Personaldebatte BER: Deutschland sucht den Flughafenretter

Belastbarer Topmanager mit Nehmerqualitäten gesucht. Vor keiner geringeren Aufgabe stehen die drei Gesellschafter des Berliner Chaos-Airports bei der Suche nach einem neuen Flughafen-Chef.

Mit einer Rochade an der Spitze des Aufsichtsrats und einem Umbau des Managements soll der pannengeplagte Berliner Hauptstadtflughafen endlich wieder auf Kurs kommen. Wenn der Aufsichtsrat am Mittwoch wie angekündigt die Ablösung des umstrittenen Spitzenmanns Rainer Schwarz als Flughafen-Chef beschließt, heißt es für den Bund, Berlin und Brandenburg als Eigentümer nichts weniger als: Deutschland sucht den Flughafenretter.

Die Stellenanzeige der Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg könnte ungefähr so aussehen: Regional verankerte GmbH mit stark wachsendem Kerngeschäft und ambitioniertem Bauprojekt sucht schnellstmöglich ausdauernden Topmanager. Wir bieten Minimum 355.000 Euro Grundgehalt plus variable Vergütung und eine repräsentatives Arbeitsumfeld im Speckgürtel Berlins - inklusive ist ein Abonnement auf regelmäßige Besuche in Ausschüssen des Deutschen Bundestages, im Bundesverkehrsministerium und der Staatskanzlei Potsdam.

Die Suche nach einem Topmanager gestaltet sich schwierig

Natürlich wird ein neuer Chef des künftigen Hauptstadtflughafens nicht einfach per Annonce gesucht. Denn bei Staatsunternehmen wie etwa auch der Bahn oder der Flugsicherung spricht die Politik bei Top-Personalien das entscheidende Wort. Die Suche nach einem neuen Topmanager soll sich extrem schwierig gestalten. Denn angesichts des Desasters um Baumängel und schier endlose Brandschutzprobleme ist das einstige Prestigeprojekt eher zu einem Himmelfahrtskommando geworden.

Kosten, Termine, Planungen sind aus dem Ruder gelaufen. Rasche Notoperationen dürften kaum noch helfen. "Die Probleme sind leider Gottes nach dem, was wir jetzt wissen und was wir sehr mühevoll in den letzten Monaten aufgedeckt haben, heftig, sehr heftig", konstatierte der ebenfalls schon als Krisenmanager geholte neue Technikchef Horst Amann.

Der von ihm angepeilte Ersatz-Ersatz-Ersatz-Termin 27. Oktober für den Start des künftig drittgrößten Airports der Republik ist deswegen auf unbestimmte Zeit annulliert. Und nachdem tagelang politischer Streit um den künftigen Vorsitz des Aufsichtsrats schwelte, den Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) übernehmen soll, rückt nun das operativ viel wichtigere Management in den Fokus.

Es soll eine klare Nummer eins geben

Dass die bisherige Zwei-Mann-Struktur mit Schwarz und Amann nicht genug Schlagkraft hat, gilt unter den drei Gesellschaftern inzwischen als Konsens. Auf der Tagesordnung des Aufsichtsrats stand daher eine neue Führungsstruktur. Für Finanzen, die Schwarz bisher miterledigt, soll ein eigener Topmanager her. Und statt eines eher kollegialen "Sprechers der Geschäftsführung", wie Schwarz es ist, soll es künftig wohl eine klare Nummer eins geben. "Es muss jemanden geben, der den Hut aufhat", mahnt auch Unions-Haushaltsexperte Norbert Barthle.

Als ausgewiesener Traumjob gilt der Posten allerdings kaum, auch wenn das Tagesgeschäft brummt und Schwarz 2012 gerade einen Rekord von mehr als 25 Millionen Reisenden auf den alten Flughäfen Tegel und Schönefeld verbuchte. Offen war vorerst, wie schnell überhaupt ein Neuer verpflichtet werden kann. Möglicherweise könnte es noch kommissarische Übergangslösungen geben. Dass die Verantwortlichen bis auf weiteres kein Eröffnungsdatum nennen wollen, bietet auch eine Chance. So hat ein künftiger Spitzenmann Zeit, sich einzuarbeiten und notfalls hart und gründlich umzusteuern.

Ruf nach Expertise aus der Wirtschaft wird laut

Einen Neuanfang will sich der Aufsichtsrat auch selbst verordnen. Nach dem politischen Gezerre um den Vorsitz, den Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) abgibt, kommen vor allem von der Bundesebene hartnäckig Rufe nach mehr Expertise aus der Wirtschaft. Kritiker sprechen der bisherigen Arbeit des Kontrollgremiums die Expertise ab. Die Vergütung entspricht jedenfalls keineswegs derjenigen, wie sie andere Unternehmen für professionelle Aufsicht zahlen: die Mitglieder erhalten 128 Euro Sitzungsgeld pro Termin, Vorsitzender und Stellvertreter das Doppelte.

Genau beobachten dürften mögliche Interessenten für den Chefposten auch, ob der Schwur der politisch rivalisierenden Gesellschafter hält. "Es ist im gesamtstaatlichen Interesse, das Flughafenprojekt erfolgreich zu Ende zu bringen", erklärten der Bund und die beiden Länder gerade erst feierlich. Und versprachen, alle erforderlichen Entscheidungen im Aufsichtsrat einvernehmlich zu treffen.

Sascha Meyer und Bernd Röder/DPA / DPA