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Pläne zur Begrenzung von Manager-Gehältern: Gauck kritisiert Debatte als "kontraproduktiv"

Die Koalition will die Managergehälter begrenzen, Aktionäre sollen künftig über die Höhe entscheiden. Kritik an den Plänen kommt von den Arbeitnehmervertretern – und vom Bundespräsidenten.

Im Kampf gegen Riesen-Boni wollen Union und FDP per Gesetz festlegen, dass künftig die Aktionäre über die Managergehälter entscheiden - und nicht mehr der Aufsichtsrat. Die Gewerkschaften sehen die Pläne kritisch. Wenn allein die Aktionäre darüber bestimmten, wären nur kurzfristige Ziele wie Aktienkurse und schnelle Gewinne Basis der Entscheidung, befürchtet etwa IG-Metall-Chef Berthold Huber.

Auch Bundespräsident Joachim Gauck äußert sich zurückhaltend. Gauck kritisiert die Debatte in der "Bild"-Zeitung vom Montag als kontraproduktiv. "Wir sind eine Gesellschaft, die sensibel auf allzu große Unterschiede bei Einkommen reagiert. Ja, es gibt unangemessene Gehälter", sagte er und ergänzte: "Aber wenn wir uns allein daran festbeißen, vergeuden wir viel Energie, die anderswo sinnvoller eingesetzt werden könnte - zum Beispiel bei der Diskussion darüber, wie man auch hierzulande gerechtere Bildungs- und damit mehr Aufstiegschancen schafft."

IG-Metall-Chef Huber sagte dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel": "Die Entscheidung über die Höhe der Managervergütungen muss der Aufsichtsrat treffen." In diesem Kontrollgremium sitzen auch Arbeitnehmervertreter. Die Interessen der Mitarbeiter und nachhaltige Kriterien wie Beschäftigung oder Kundenzufriedenheit blieben ansonsten auf der Strecke. Der Vorsitzende der IG Bergbau, Chemie, Energie, Michael Vassiliadis, kritisierte, bis vor kurzem habe die Politik noch Gehälter mit erfolgsorientierten Boni nach angelsächsischem Vorbild gefordert. Wichtiger sei eine Debatte über die richtigen Kriterien einer nachhaltigen Unternehmensführung.

Mehrheit der Bürger für gesetzliche Regelungen

Auch FDP-Spitzenkandidat Rainer Brüderle äußerte sich zu der Debatte. Er sagte der "Welt am Sonntag", bei den Koalitionsplänen solle es um das Grundgehalt und mögliche Bonuszahlungen gehen. Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser- Schnarrenberger (FDP) werde in Kürze Vorschläge machen.

In einer Emnid-Umfrage für das Nachrichtenmagazin "Focus" sprachen sich fast zwei Drittel der Befragten (64 Prozent) dafür aus, dass per Gesetz geregelt wird, die Höhe der Managergehälter durch die Aktionäre festlegen zu lassen. Ein knappes Drittel (31 Prozent) hält es für richtig, den Aktiengesellschaften selbst zu überlassen, wie sie die Managergehälter bestimmen.

lea/DPA / DPA