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Plagiatsverdacht in Berliner CDU: Florian Graf beantragt Aberkennung seines Doktortitels

Neuer Plagiatsverdacht in der Union: Der Fraktionschef im Berliner Abgeordnetenhaus beantragte die Entziehung seines Doktortitels. Vorausgegangen war eine Überprüfung der Uni Potsdam. Der Vorgang weckt Erinnerungen an den Fall Guttenberg.

Wegen Plagiatsvorwürfen hat der Berliner CDU-Fraktionschef Florian Graf die Aberkennung seines Doktortitels beantragt. Er sei den an sich selbst gestellten Ansprüchen "im Hinblick auf ein Standhalten meiner Dissertation in der Öffentlichkeit nicht gerecht geworden", teilte Graf am Freitagabend in einer schriftlichen Erklärung mit und bestätigte damit einen entsprechenden Vorabbericht der "Bild"-Zeitung. Nach Darstellung der Uni Potsdam waren zuvor Zweifel an der wissenschaftlichen Qualität der Dissertation aufgekommen.

Der 38-Jährige machte zugleich sein Amt als Fraktionschef vom Votum seiner Kollegen abhängig. Er werde am kommenden Donnerstag (3. Mai) eine Sondersitzung der Fraktion einberufen, in der er die Vertrauensfrage stellen will. Darüber soll geheim abgestimmt werden.

Der Koalitionspartner SPD zeigte sich solidarisch. Fraktionschef Raed Saleh erklärte am Abend: "Ich habe Respekt vor diesem ausreichenden Schritt des Fraktionsvorsitzenden Florian Graf, mit dem ich sehr gut zusammenarbeite."

Promotionsausschuss entscheidet am Mittwoch

Wie die Uni mitteilte, veranlasste die Dekanin eine Prüfung der Arbeit aus dem Jahr 2010, als die Aufhebung eines Sperrvermerks geprüft wurde. "Daraus ergab sich ein Plagiatsverdacht, zu dem Dr. Graf um Stellungnahme gebeten wurde", hieß es weiter. Als Reaktion habe Graf am Freitag die Vorsitzende des Promotionsausschusses gebeten, ihm den Doktorgrad zu entziehen. Der Promotionsausschuss der Fakultät werde am Mittwoch über den Antrag entscheiden.

Wegen Plagiatsvergehen haben bereits mehrere Politiker ihrer Doktortitel verloren, aus der FDP im vergangenen Jahr die Europapolitiker Silvana Koch-Mehrin und Jorgo Chatzimarkakis. Prominentester Plagiatsünder ist der frühere Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU), der wegen der Affäre zurückgetreten war.

DPA / DPA