Politischer Aschermittwoch Schröder kritisiert Beschimpfungsritual


In Passau wetterte die CSU krachledern gegen die Bundesregierung. In Köln versuchte Bundeskanzler Gerhard Schröder sachlich zu bleiben - was ihm allerdings nicht immer gelang. Dazu waren ihm Stoibers Äußerungen zu "bösartig".

Stoiber schimpft, Merkel motzt und Schröder stellt sich als Staatsmann dar: Der Politische Aschermittwoch hat den Parteienstreit über die hohe Arbeitslosigkeit und die Erfolge der NPD angeheizt. In Passau machte CSU-Chef Edmund Stoiber für beides die rot-grüne Bundesregierung wesentlich verantwortlich und forderte Bundeskanzler Gerhard Schröder auf, "die Koffer zu packen". Auf der SPD-Gegenveranstaltung in Köln blieb es ruhiger, der politische Gegener kam vor, wenngleich eher am Rande. So verwahrte sich Schröder gegen die "Orgie von Beschimpfungen" Stoibers.

Außerdem hielt Schröder dem bayerischen Landeschef vor, mit seinen Angriffen den demokratischen Konsens zu verlassen. Die Unterstellung des CSU-Chefs, die Bundesregierung trage Mitschuld am Erstarken rechter Extremisten sei "wirklich bösartig". Stoiber erreiche mit einer solchen Schuldzuweisung nur, dass sich "die im braunen Sumpf im Trüben fischen, die Hände reiben", so Schröder, der dafür Beifall der rund 1200 Zuhörer bekam.

Nötig gegen die Rechtsextremisten sei dagegen ein "Aufstand der Anständigen". Der Vergleich zwischen Weimar und Berlin sei unhistorisch und deswegen unsinnig. Da scheine "schon in früheren Zeiten bei dem einen oder anderen Pisa versagt zu haben", saget Schröder. Insgesamt, so der Kanzler, wirke Edmund Stoiber wie einer, der aus Angst im Kohlenkeller pfeift.

Schröder kritisierte zudem das "Ritual der Beschimpfung" des politischen Gegners am Aschermittwoch. "Die Herausforderungen sind so groß, dass wir Beschimpfungen unter Demokraten weitgehend unterlassen sollten und an die Arbeit gehen sollten", sagte er. CDU-Chefin Merkel unterstützte den CSU-Chef dagegen. „Wo der Mann Recht hat, hat er Recht“, sagte sie auf einer Wahlkampfveranstaltung in Neumünster in Schleswig-Holstein. Allein mehr Beschäftigung führe aus diesem Dilemma, fuhr Merkel fort und attackierte scharf die Wirtschaftspolitik der Bundesregierung.

Mit Material von DPA/AP/Reuters AP Reuters

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