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Porträt Haderthauer: Die CSU soll auf eine Generalin hören

Mit Christine Haderthauer hat CSU-Chef Erwin Huber seine Wunschkandidatin für den Posten des Generalsekretärs durchgesetzt. Diese Frau verfügt über die Qualitäten, die sich der CSU-Chef wünscht.

Von Hans Peter Schütz

Nach dem trauten tête-à-tête im Kaminzimmer wurde von den Parteifreunden bereits viel sagend getuschelt. Das müsse doch etwas bedeuten, so die Gerüchteküche am Rande der Klausurtagung der Münchner CSU-Landtagsfraktion im Kloster Banz, wenn Erwin Huber sich so lange zum Gespräch unter vier Augen mit Christine Haderthauer zurückziehe.

Kleiner Vorbehalt

Es hatte in der Tat politische Bedeutung: Huber hat in diesem Gespräch der Parteifreundin klar gemacht, dass sie in der engsten Wahl als neue CSU-Generalsekretärin ist - anstelle von Markus Söder. Jetzt dürfte die Entscheidung des neuen CSU-Vorsitzenden endgültig gefallen sein. Sie soll es werden, mit einem kleinen Vorbehalt.

In vertrauter Runde hat Huber die Kriterien dieser für ihn wichtigen Personalentscheidung genannt. Er brauche den CSU-Generalsekretär in Bayern. In Berlin werde er selbst jede Woche ein bis zwei Tage politisch vor Ort sein. In dieser Zeit müsse der Generalsekretär an der bayerischen Basis aktiv sein. Damit war die Entscheidung für Haderthauer im Prinzip klar. Denn Georg Fahrenschon und Ilse Aigner, beide ebenfalls im Gespräch, sind als CSU-Bundestagsabgeordnete oft an Berlin gebunden. Bei Fahrenschon kommt hinzu, dass er möglicherweise als Staatssekretär mit Huber ins Münchner Finanzministerium gehen muss, weil der Entlastung in der Führung dieses Ressorts während seiner Berlin-Besuche benötigt. Fahrenschon geniest einen exzellenten Ruf als Finanzpolitiker.

Mit der 44-Jährigen Christine Haderthauer kommt eine in der jüngeren CSU glänzend vernetzte Politikerin ganz nach oben. Sie vertritt im Münchner Landtag den Stimmkreis Ingolstadt – und erfüllt damit vor allem die Bedingung Oberbayerin zu sein. Hinzu kommt, dass sie sehr gut kann mit dem Huber-Stellvertreter Horst Seehofer, der den Wahlkreis Ingolstadt im Bundestag vertritt.

"CSU muss weiblicher werden"

Hubers Auge ruhte schon seit längerem wohlgefällig auf der attraktiven Rechtsanwältin und Mutter von zwei Kindern. Christine Haderthauer ist stark engagiert in der einflussreichen Parteigliederung der Frauen-Union, wo sie im Landesvorstand amtiert. Sie sitzt im Bezirksvorstand der CSU Oberbayern und ist Mitglied der CSU-Grundsatzkommission, die das auf dem letzten Parteitag verabschiedete neue Grundsatzprogramm vorbereitet hat. Im Landtag ist die Fachanwältin Mitglied im Wirtschaftsausschuss, was ihr das Wohlwollen des Wirtschaftsministers Huber eintrug. Bei der letzten Landtagswahl 2003 erreichte sie satte 62,6 Prozent der Stimmen.

Immer wieder war sie für höhere Posten im Gespräch. Mal als Justizministerin, mal als Staatssekretärin im Wirtschaftsressort, auch schon einmal als Generalsekretärin. Jetzt passt endlich alles. Amtsinhaber Markus Söder will unbedingt ins Kabinett Beckstein wechseln, die CSU hat das Problem, dass sie zu wenige junge Frauen in Spitzenpositionen hat. Haderthauer fordert seit langem: "Die CSU muss weiblicher werden." Vor allem bei den jüngeren Frauen unter 40 habe die Partei schwere Defizite.

Dies beunruhigt auch Huber, der genau im Auge hat, dass Frauen die CSU noch stärker wählen als Männer. In diesem Zusammenhang spricht Haderthauer die Defizite klar an. Vor allem die Lebens- und Arbeitswelt berufstätiger Frauen werde von der CSU nicht hinreichend zur Kenntnis genommen. Und immer wieder predigt sie der CSU-Männerwelt ihr Mantra: "Für viele Etablierte in der CSU, vor allem vor Ort, heißt das zunächst: zuhören."

Huber will nicht stoibern

Die Parteiorganisation kennt die künftige Generalin genau. Huber hält sie für die optimale Besetzung, wenn es in der näheren Zukunft darum geht, die für die CSU wichtigste Wahl, die Kommunalwahl im Frühjahr, für sich erfolgreich zu entscheiden. Auf keinen Fall sollen dabei die Freien Wähler über fünf Prozent kommen. Die könnten sich sonst entscheiden, auch bei der Landtagswahl im Herbst 2008 anzutreten. Huber selbst will 2009 für den Bundestag kandidieren, "ohne Rückfahrkarte" wie er betont.