HOME

PORTRÄT: Reinhard Höppner

Der Sozialdemokrat Reinhard Höppner ist der erste Ministerpräsident in der Bundesrepublik, der eine rot-grüne Minderheitsregierung bildete, die von der Tolerierung durch die PDS abhängig war. Mit der Erfindung des »Magdeburger Modells«, das in ganz Deutschland sehr umstritten war, wurde der Regierungschef des ostdeutschen Bundeslandes vor acht Jahren auch überregional bekannt.

Einsatz für Ost-Finanzhilfen

In den vergangenen Jahren setzte sich Höppner immer vehement für die Interessen der neuen Länder ein. So hat er großen Anteil am Erfolg der Verhandlungen beim Länderfinanzausgleich, der 2001 beschlossen wurde. Im Zuge dieser Verhandlungen wurden die Bundeshilfen für die Ost-Länder von 2005 bis 2019 fortgeschrieben.

Im Wahlkampf stand Höppner zuletzt extrem unter Druck. Denn Umfragen zufolge könnte der SPD drohen, hinter CDU und PDS nur drittstärkste Kraft zu werden. Der Sozialdemokrat hat für diesen Fall erklärt, dass es keine rot-rote Koalition unter der Führung der PDS geben werde.

Für Politiker-Posen ungeeignet

Die Opposition kritisiert Höppner, er handele nicht energisch genug, vor allem beim Kampf gegen die Arbeitslosigkeit und Hilfen für die Wirtschaft in dem Bundesland mit der höchsten Arbeitslosenquote. Auch in den eigenen Reihen ist der SPD-Mann, dem eine Vorliebe für eine Koalition mit der PDS nach der Wahl nachgesagt wird, nicht unumstritten. In den letzten Wochen vor der Wahl verstummte aber die Kritik aus der SPD. Auch die so genannte Neue Mitte, die eine Koalition mit der CDU anstrebt, hielt sich auffällig zurück.

Höppner wurde am 2. Dezember 1948 in Haldensleben (heute Sachsen- Anhalt) als Sohn eines Pfarrers geboren. Er studierte Mathematik, machte das Diplom und promovierte. Bis zum Einstieg in die Politik nach der Wende arbeitete er als Fachlektor in Berlin.

1989 schloss er sich der damaligen DDR-SPD an, wurde 1990 in die Volkskammer gewählt und dort Vizepräsident. 1990 kandidierte er auch zum ersten Mal als Ministerpräsident in Sachsen-Anhalt. Nach der Bildung einer CDU/FDP-Regierung wurde Höppner Oppositionsführer. 1994 übernahm er die Führung einer rot-grünen Minderheitsregierung, die von der PDS toleriert wurde. 1998 setzte eine PDS-tolerierte SPD- Minderheitsregierung die Arbeit fort.

Engagiert für Religion

Nur selten wird der Politiker in der Öffentlichkeit laut. Er gilt als guter Moderator und konnte die zunächst nicht einfache Zusammenarbeit mit der PDS managen. An Punkten, die ihm wichtig sind, setzte er sich aber durch. Der Politiker engagierte sich schon zu DDR-Zeiten in der Kirche. Er bekleidete von 1980 bis 1994 das Amt des Präses der Synode der Kirchenprovinz Sachsen. Höppner ist verheiratet und hat drei Kinder.