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Rangelei um Linken-Parteivorsitz: Lafontaine zieht seine Kandidatur zurück

Oskar Lafontaine macht einen Rückzieher: Da seine Kandidatur den innerparteilichen Konflikt nicht beendet habe, strebe er den Linken-Vorsitz nicht mehr an, teilte er mit.

Der frühere Linken-Vorsitzende Oskar Lafontaine will nun doch nicht auf die Bundesebene zurückkehren. Er habe zur Kenntnis nehmen müssen, dass seine Bereitschaft zur Kandidatur für den Parteivorsitz und die Spitzenkandidatur zur Bundestagswahl "nicht zu einer Befriedung der innerparteilichen Auseinandersetzung geführt hat, sondern dass die Konflikte weiter eskaliert sind", heißt es in einer persönlichen Erklärung Lafontaines. "Das ist kein Umfeld, in dem ich mich in der Lage sehe dazu beizutragen, dass die Linke wieder eine starke bundespolitische Kraft wird."

Lafontaine hatte erklärt, als Spitzenkandidat nur zur Verfügung zu stehen, wenn dies mit dem Amt des Parteivorsitzenden verbunden sei. Gleichzeitig hatte er bekräftigt, nicht gegen Fraktionsvize Dietmar Bartsch beim Wahlparteitag in zwei Wochen in Göttingen anzutreten. Bartsch hält aber weiter an seiner Kandidatur fest. Am Montag hatte Bundestags-Fraktionschef Gregor Gysi Verständnis für die Position Bartschs gezeigt und sich damit von Lafontaine distanziert.

Neuanfang dringend nötig

Er sei zu dem Schluss gekommen, "dass nur ein passender Neuanfang jenseits der bisherigen Konfrontationslinien die derzeitige festgefahrene Situation überwinden kann", erklärte Lafontaine weiter. Er war zuletzt vom realpolitischen Flügel der Partei um Bartsch heftig kritisiert worden war. Lafontaine verwies allerdings darauf, dass er seit über einem Jahr von vielen immer wieder öffentlich aufgefordert worden sei, noch einmal für Spitzenfunktionen der Linken zu kandidieren.

Seit dem Rücktritt von Gesine Lötzsch vom Parteivorsitz herrscht in der Linkspartei ein offener Streit über die künftige Führung der Partei. Dieser wurde noch dadurch verstärkt, dass die Linkspartei in den westlichen Ländern auf Schrumpfkurs ist: Bei den Wahlen in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen verpasste sie klar den Wiedereinzug in die Landtage.

dho/DPA/AFP/Reuters / DPA / Reuters