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Rauchverbot: Protest gegen Shirt mit Judenstern wirkt

Der Kampf gegen das Rauchverbot treibt immer seltsamere Blüten: Ein Internetshop verkauft T-Shirts mit Judenstern und "Raucher"-Aufdruck. Nun zeigt der heftige Protest gegen das Kleidungsstück Wirkung.

Ein T-Shirt gegen das Rauchverbot mit einem gelben Judenstern und dem Wort "Raucher" in dessen Mitte hat beim Zentralrat der Juden in Deutschland heftige Empörung ausgelöst. "Es ist hirnlos, haltlos und geschmacklos, wenn der Holocaust auf primitivste Weise instrumentalisiert wird für die Bedürfnisse von Rauchern", sagte Vizepräsident Dieter Graumann der Deutschen Presse-Agentur (DPA) in Kiel. Eine Firma aus Neuenbrook bei Itzehoe hatte das Hemd auf den Markt gebracht. Damit sollte gegen das Rauchverbot in Gaststätten mehrerer Bundesländer protestiert werden. Die Internet-Vertriebsseite wurde am Abend abgeschaltet.

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Der Vertreiber nahm eigene Angaben auf der Webseite zurück, wonach allein im Dezember 2007 mehr als 1000 Hemden bestellt worden seien. "Das wurde nur aus Werbegründen auf die Seite geschrieben, das stimmt nicht. Bisher ist kein solches T-Shirt verkauft worden", sagte der Betreiber der Seite, Dennis Kramer. Er habe nicht damit gerechnet, dass die T-Shirts mit dem Judenstern solche Empörung hervorriefen. "Wir wollten damit zeigen, dass Raucher durch das Rauchverbot in Kneipen ausgegrenzt werden", sagte der 30 Jahre alte Kramer. Die Gefühle jüdischer Mitbürger sollten nicht verletzt werden. "Das wollten wir nicht, dass es so weit geht, dass sich der Zentralrat der Juden einschaltet und protestiert."

Das Kleidungsstück rief auch die Staatsanwaltschaft Itzehoe auf den Plan. "Wir haben einen Vorgang angelegt", sagte Sprecher Ralph Döpper. "Wir prüfen das Vorliegen eines Anfangsverdachts einer Straftat." Am Donnerstag sei die Behörde informiert worden. Noch bevor die Seite abgeschaltet wurde, war die Abbildung des T-Shirts am Freitag nicht mehr auf der Internet-Seite der Firma zu sehen, ein Werbetext war zu dem Zeitpunkt allerdings noch nicht gelöscht worden. Dort stand noch am Mittag zu lesen: "Deutschland muss wachgerüttelt werden, was nur durch knallharte Provokation möglich ist."

Eine solche Verharmlosung sei "gemein und gemeingefährlich", sagte dazu Zentralrat-Vertreter Graumann. "Man fragt sich, ob das Bösartigkeit oder Ignoranz ist; wahrscheinlich ist es aber ein Mix aus beidem." Der gelbe Judenstern war ein Instrument der Nationalsozialisten für die öffentlich sichtbare Ausgrenzung der jüdischen Bürger. Beginnend mit den Nürnberger Rassegesetzen von 1935 hatte im NS-Staat eine immer massivere Diskriminierung eingesetzt. Dazu gehörte später auch die Einführung des gelben Aufnähers, den alle Juden in der Öffentlichkeit an ihrer Kleidung tragen mussten. Er gilt als Symbol für die Verfolgung und Ermordung von Millionen Menschen.

DPA / DPA