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Reaktionen auf Plagiatsvorwurf: Spott und Häme für zu Guttenberg

Karl-Theodor zu Guttenberg und die Plagiatsvorwürfe: Jede Menge Häme prasselt auf den abschreibenden Verteidigungsminister herab, der sich offenbar häufiger bedient hat.

Von Niels Kruse

Seine Arbeit entspringe einer ungewöhnlichen Verkettung von Glücksfällen, schreibt Freiherr Karl-Theodor zu Guttenberg gewohnt nonchalant im Vorwort zu seiner Doktorarbeit. Welche Glücksfälle der damalige Bundestagsabgeordnete genau gemeint hat, ließ er offen. Zu Hilfe gekommen ist ihm aber anscheinend ein Stück aus der "Neuen Zürcher Zeitung", das teilweise eins zu eins in seiner Promotion aufgetaucht ist - ohne, dass er auf die Quelle hingewiesen hat.

Die Vorwürfe sind ein hässlicher Fleck auf der Weste des CSU-Politikers - und die Häme ob der möglichen Verfehlung ließ nicht lange auf sich warten. Die Grünen-Chefin Claudia Roth etwa will den Minister zwar nicht vorverurteilen, kann sich gegenüber der "Leipziger Volkszeitung" dennoch nicht den Hinweis verkneifen: "Wenn man schon abschreibt, dann sollte man sich wenigstens nicht erwischen lassen." Der Kolumnist der Frankfurter Rundschau, Stephan Hebel, schreibt halb neidisch, halb höhnisch: "Der Mann ist wahrscheinlich höchstselbst ein Plagiat. Beweisen allerdings können wir diese These nicht, denn zum Plagiat fehlt es an einer entscheidenden Voraussetzung: Zur Kunstfigur Guttenberg gibt es kein Original."

Guttenberg soll sich auch bei der FAZ bedient haben

Der Chefredakteur der "Neuen Zürcher" fordert eine Entschuldigung. Weitere Kollegen könnten dabei folgen: Denn die monierten Passagen sind offenbar nicht die einzigen abgekupferten aus Guttenbergs Werk "Verfassung und Verfassungsvertrag: konstitutionelle Entwicklungsstufen in den USA und der EU" die unsauber rezitieren werden. Die "Süddeutsche Zeitung" schreibt und dokumentiert weitere Fälle von "Textklau". Und laut "FAZ.net", dem Onlineauftritt der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", decken sich zudem Teile seiner Einleitung fast wortwörtlich mit einem im November 1997 in der Zeitung erschienenen Text.

Auch der Internetdienst Twitter füllt sich seit dem Morgen mit süffisanten Kommentaren zur neuen Causa Guttenberg. So twittert etwa Nutzer BohemianBerlin: "Guttenberg ist die Helene Hegemann der Politik" - eine Anspielung auf die Autorin des Buchs "Axolotl Roadkill", einem Bestseller, den sie in Teilen aus einem Roman eines Berliner Bloggers abgeschrieben hatte, wie die Jungschriftstellerin auch zugab. Twitter-Nutzer Bengalow glaubt sogar, dass zu Guttenberg auch auf "seinem privaten Twitter-Account sicher auch Tweets abschreibe". Und ReichelS, wünscht sich folgende "BILD"-Schlagzeile: "Verklagt Guttenberg jetzt seinen Ghostwriter?"

"Der Vorwurf ist abstrus"

Der Verteidigungsminister selbst sieht die Angelegenheit entspannt: Einzelne Fehler beim Zitieren will er nicht ausschließen, aber der "Vorwurf, meine Doktorarbeit sei ein Plagiat, ist abstrus". Er habe die Promotionsarbeit nach besten Wissen und Gewissen angefertigt und zwar ohne die Hilfe von Mitarbeitern. "Ich bin gerne bereit zu prüfen, ob bei über 1200 Fußnoten und 475 Seiten vereinzelt Fußnoten nicht oder nicht korrekt gesetzt sein sollten und würde dies bei einer Neuauflage berücksichtigen." Auch Guttenbergs Doktorvater Peter Häberle weist in der "Bild"-Zeitung die Vorwürfe zurück. "Die Arbeit ist kein Plagiat. Sie wurde von mir in zahlreichen Beratungsgesprächen eingehend kontrolliert."

Diese Aufgabe kommt nun auf den "Ombudsmann für Selbstkontrolle in der Wissenschaft" zu, der das Werk nun prüfen werde. Die Universität Bayreuth, an der zu Guttenberg promoviert hat, nimmt die Plagiatsvorwürfe ernst, wie ein Uni-Sprecher sagte. Sollten sie sich bewahrheiten, könnte dem Minister im schlimmsten Fall der Titel entzogen werden, sagte Volker Epping, Jura-Professor in Hannover, stern.de. "Ob es soweit kommen wird, muss aber die Einzelfallprüfung ergeben...Letztlich", so Epping, "werden mögliche Sanktionen in der jeweiligen Promotionsordnung der Universität geregelt".