REAKTIONEN Deutschland verneigt sich


Mit Respekt verneigt sich Deutschland vor Hannelore Kohl. Ludwigshafener Bürger haben mit Blumen ihrer Trauer Ausdruck verliehen. Auch die CDU/CSU-Fraktion im Bundestag hat der Frau des Ex-Kanzlers gedacht. Die Abgeordneten erhoben sich zum Zeichen der Trauer von ihren Sitzen.

Ludwigshafener Bürger haben am Freitagmorgen mit Blumen ihrer Trauer um Hannelore Kohl Ausdruck gegeben. Passanten legten die Blumen unweit des Wohnhauses der Familie Kohl im Stadtteil Oggersheim ab oder übergaben sie den Polizisten, die die immer noch abgesperrte Straße bewachten. Altkanzler Helmut Kohl weilte immer noch am Leichnam seiner Frau, die sich in der Nacht zum Donnerstag das Leben genommen hatte.

Wie Kohls Berliner Büro erklärte, ist vorerst unklar, wie lange der 71-Jährige noch in Ludwigshafen bleiben wird. Die Polizei berichtete am Freitag, sie habe ihre Ermittlungen zum Tod abgeschlossen. Es werde keine weiteren Erklärungen über die Todesumstände geben. Nach einem Bericht von »Bild-Online« soll die Trauerfeier für die 68-Jährige am kommenden Mittwoch im Speyerer Dom stattfinden. Das Medium berief sich dabei auf Kohls Berliner Büro.

Hoffnungslose gesundheitliche Lage

Hannelore Kohl hatte sich in der Nacht zum Donnerstag das Leben genommen. Auslöser war laut Abschiedsbrief ihre hoffnungslose gesundheitliche Lage. Die Frau des Exkanzlers litt seit sieben Jahren an einer extremen Form von Lichtallergie.

In den vergangenen 15 Monaten hatte sie das Wohnhaus in Ludwigshafen nur noch nachts verlassen können. Nach einer Erklärung von Kohls Büro litt sie unter immer stärkeren Schmerzen und einer zunehmenden körperlichen Schwäche.

Hilde Seeber, die Frau von Kohls langjährigem Chauffeur Eckhard Seeber, die sich um den Haushalt kümmerte, fand Hannelore Kohl am Donnerstag gegen 11.15 Uhr. Die Staatsanwaltschaft schloss ein Fremdverschulden am Tod der Ehefrau von Helmut Kohl aus. Eine Obduktion sei nicht notwendig, erklärte der Chef der Staatsanwaltschaft Frankenthal, Lothar Liebig, am Freitag.

Unions-Fraktion gedachte Hannelore Kohls

Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion hat am Freitag Hannelore Kohls gedacht. Fraktionschef Friedrich Merz würdigte die Frau von Alt-Kanzler Helmut Kohl, deren Freitod gestern bekannt geworden war, hieß es. Die Abgeordneten hätten sich zum Zeichen der Trauer von ihren Sitzen erhoben. Helmut Kohl, der seit 1976 dem Bundestag angehört, nahm an der Sitzung nicht teil. Er soll sich weiter in Ludwigshafen-Oggersheim aufhalten.

»Tiefe Bewunderung«

Doris Schröder-Köpf, Ehefrau von Bundeskanzler Gerhard Schröder, hat sich in einer persönlichen Würdigung tief betrübt über den Freitod von Hannelore Kohl gezeigt. »Hannelore Kohl hat mir geradezu mütterliche Ratschläge erteilt, mich gleichsam ins Amt eingewiesen«, schrieb Schröder-Köpf in einem Beitrag auf der Titelseite des in Berlin erscheinenden »Tagesspiegel« (Freitag-Ausgabe). Die Ehefrau des Altkanzlers »wusste ja auch wie keine zweite, was es bedeutet, die «Kanzlergattin» zu sein und einen Partner mit dem Land zu teilen«. 16 Jahre lang habe Hannelore Kohl »ein Amt ausgeübt, das es offiziell gar nicht gibt. 16 Jahre, kostenlos und fehlerlos. Auch dafür bewundere ich sie.«

»Sie war eine im wahren Sinne des Wortes liebenswürdige Frau, aufmerksam und mitfühlend, großzügig und großherzig«, schrieb Schröder-Köpf. Sie empfinde eine tiefe Bewunderung für Hannelore Kohl, zu der sie bis in die letzten Wochen einen »sehr netten Kontakt« gehabt habe.


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