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Verbotene NS-Devotionalien: Er bekommt nun ein Landtagsmandat - und verkauft "KZ-Geld" und Hakenkreuz-Orden

Die AfD erhielt im Saarland 6,2 Prozent und schickt nun drei Abgeordnete in den Landtag. Rudolf Müller ist als Spitzenkandidat wohl gesetzt. Bereits vor Monaten recherchierten stern und Panorama: Müller handelt mit teils verbotenen NS-Devotionalien.

Rudolf Müller, Spitzenkandidat der AfD für die Landtagswahl im Saarland

Rudolf Müller, AfD-Spitzenkandidat im Saarland, betreibt ein Antiquitätengeschäft in Saarbrücken. Dort zeigte er mehrfach eine Auslage mit Nazi-Orden, von denen mehrere das verbotene NS-Symbol aufweisen.

Rudolf Müller, Spitzenkandidat der  bei der Landtagswahl im Saarland, vertreibt in seinem Laden in Saarbrücken Geld aus Konzentrationslagern der Nationalsozialisten. Das berichten der stern und das ARD-Magazin "Panorama" nach gemeinsamen Recherchen. Müller hat in seinem Antiquitätengeschäft Scheine aus Theresienstadt im Angebot. Historiker nennen derlei Währung "Lagergeld", Müller selbst bietet sie als "KZ-Geld" an. Außerdem verkauft der AfD-Landesvorstand Müller in seinem Geschäft Orden aus der NS-Zeit mit Hakenkreuzen. Anders als der Handel mit Lagergeld ist dies in Deutschland laut Strafgesetzbuch, Paragraph 86a, nicht erlaubt.

Nachdem der stern von Gerüchten gehört hatte, der 65-Jährige verkaufe NS-Devotionalien, schickte er ihm einen Testkäufer, der Müller dann mehrmals in seinem Laden "Kabinett Antik" aufsuchte. Bei einem Besuch erstand der Testkäufer einen Geldschein aus Theresienstadt. Er bekam von Müller auch etliche Orden, Verdienstkreuze und Medaillen gezeigt. Manche davon besaßen ein Hakenkreuz. Bei einem weiteren Besuch verkaufte Müller ihm einen der Verdienstorden mit Hakenkreuz und weitere Scheine aus Theresienstadt.

Als einige Tage später ein Reporter des ARD-Magazins "Panorama" in Müllers Laden kam, ohne sich als solcher zu erkennen zu geben, verkaufte Müller ihm einen anderen Verdienstorden mit Hakenkreuz.

Franzosen und Amerikaner "wild darauf"

Fragen des zu seinen Geschäften mit NS-Devotionalien ließ Müller unbeantwortet. Gegenüber "Panorama" behauptete er, nicht gewusst zu haben, dass er mit seinen Geschäften gegen das Gesetz verstoße. Gleichzeitig gestand Müller ein, der Handel mit Hakenkreuzorden zieme sich für einen Spitzenkandidaten der AfD nicht. Die Franzosen und Amerikaner seien aber wild darauf.

Vom stern generell auf Geschäfte mit Lagergeld und Hakenkreuzorden angesprochen, sagte Josef Schuster, der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland: "Mit Gegenständen aus Konzentrationslagern sollten keine Geschäfte und erst recht kein Profit gemacht werden. Das ist respektlos gegenüber den Millionen Menschen, die im KZ gelitten haben und dort ermordet wurden. Solche Dinge gehören in Museen und Gedenkstätten."

Die AfD im wurde zuletzt vom Bundesvorstand der Partei aufgelöst, nachdem der stern Kontakte der beiden Landesvorsitzenden Josef Dörr und Lutz Hecker zu Neonazis enthüllt hatte. Der Landesvorstand erhob erfolgreich Einspruch gegen die Auflösung und darf einstweilig weiterarbeiten. Nachdem der AfD-Bundesparteitag für eine Auflösung gestimmt hat, hat nun das Bundesschiedsgericht der Partei das letzte Wort.

Dieser Artikel erschien bereits am 21. September 2016 auf stern.de, eine ausführliche Geschichte stand zudem im stern 39/2016.

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