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Rückzug aus Berlin: Linke will Lafontaine-Nachfolge zügig klären

Eine "schnelle Lösung" hat Gregor Gysi versprochen: Bereits Anfang der Woche will er sich mit anderen führenden Politikern der Linken treffen, um die Nachfolge von Oskar Lafontaine zu klären. An Vorschlägen mangelt es nicht.

Nach dem Rückzug von Linke-Chef Oskar Lafontaine will die Partei zügig die Nachfolge klären. Schon am Montag trifft der Fraktionsvorsitzende der Linken im Bundestag, Gregor Gysi, in Berlin wichtige Parteipolitiker aus den Ländern, wie Gysis Sprecher Michael Schlick am Sonntag sagte. Bei der Suche nach der neuen Parteispitze habe Gysi die Federführung. "Angestrebt wird eine schnelle Lösung", sagte Schlick.

Der Großteil der Landesvorsitzenden und Landtagsfraktionschefs ist am Montag ohnehin in der Hauptstadt, weil die Linke-Fraktion zu ihrem Neujahrsempfang in den Reichstag eingeladen hat. Zu möglichen Nachfolgern wollten sich am Wochenende weder Lafontaine noch Gysi äußern. Als Kandidatin für den Vorsitz gelten die aus dem Osten stammende stellvertretende Fraktionschefin Gesine Lötzsch sowie Partei- und Fraktionsvize Klaus Ernst, einstiger Mitbegründer der Wahlalternative Arbeit und Soziale Gerechtigkeit (WASG) im Westen. Denkbar ist auch eine Übergangslösung mit Fraktionschef Gregor Gysi an der Spitze der Partei.

Ramelow will wieder Doppelsitze

Steht nach dem Rostocker Parteitag im Mai die neue Parteiführung, muss diese sich an die inhaltliche Ausrichtung machen. Ein neues Programm wird sich die Partei geben - und das soll auch Auskunft darüber geben, wie sie sich der Frage künftiger Regierungsbündnisse stellt. Da streiten die Reformer aus dem Osten, die lieber heute als morgen auf der Regierungsbank Platz nähmen, mit den eher auf radikale Opposition ausgerichteten Westdeutschen.

Der Linke-Fraktionschef in Thüringen, Bodo Ramelow, sagte im MDR, nach seiner Ansicht werde bis Ende der neuen Woche Klarheit über die künftige Führungsmannschaft herrschen. Ausdrücklich stellte er sich hinter den Vorschlag Lafontaines, erneut eine Doppelspitze zu besetzen. Sinnvoll sei überdies eine doppelte Quotierung, also eine Spitze aus Mann und Frau sowie aus Ost und West, sagte er im Deutschlandfunk. Das macht allerdings eine Satzungsänderung erforderlich, denn die bisherige Regelung für eine Doppelspitze läuft zum Parteitag im Mai in Rostock aus.

Bockhahn für "personellen Neuanfang"

Der Landesvorsitzende in Mecklenburg-Vorpommern, Steffen Bockhahn, erklärte, mit Lafontaine gehe ein wichtiger Teil Parteigeschichte, "denn sein Engagement hat zur Bildung einer gesamtdeutschen Linken maßgeblich beigetragen". Auf dem Bundesparteitag in Rostock stehe die Linke nach dem Verzicht des bisherigen Co-Vorsitzenden Lothar Bisky und des bisherigen Bundesgeschäftsführers Dietmar Bartsch vor einem "personellen Neuanfang". Schwerpunkt des Parteitages müsse jedoch die inhaltliche Diskussion sein, verlangte er. "Die nunmehr beginnende Debatte sollte sich beispielsweise auf ein neues Parteiprogramm konzentrieren."

Lafontaine hatte am Samstag erklärt, dass er wegen seiner Krebserkrankung den Bundesvorsitz und sein Bundestagmandat aufgibt. Der 66-Jährige will auf dem Parteitag nicht wieder als Vorsitzender kandidieren, sondern nur noch Fraktionschef im Saarland bleiben. Alleiniger Grund sei seine Krankheit, betonte der frühere SPD-Chef. Die Krebsoperation sei ein "Warnschuss" gewesen, den er nicht so leicht wegstecken könne.

DPA/APN/AFP / DPA