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Saarland-Wahl Schulz-Zug ausgebremst, Merkel-Dämmerung verschoben

Kommentar zur Saarland -Wahl: Schulz-Zug gebremst - Martin Schulz am Rednerpult
Kommentar zur Saarland-Wahl: Der Schulz-Zug wurde erstmal abgebremst - die Merkel-Dämmerung zunächst verschoben
© Kai Nietfeld/DPA
Die Merkel-Dämmerung ist kurzfristig verschoben. Und der Schulz-Zug hat eine Vollbremsung hingelegt. Für die Bundestagswahl im September bedeutet das – nichts.
Ein Kommentar zur Saarland-Wahl von Andreas Hoidn-Borchers

Die einzige Wahl, die Alfred "Adi" Preißler in seinem Leben gewonnen hatte, war die Seitenwahl. Trotzdem hat der Ex-Kapitän der Dortmunder Borussen eine unumstößliche, bis heute auch für die Politik gültige Weisheit geprägt, angesiedelt im Irgendwo zwischen Goethe und Gassenhauer: "Grau is alle Theorie – entscheidend is auf'm Platz."

Jau. bzw. Kann sich der alte FC-Köln-Fan Martin "Sankt" Schulz schon mal hintern Spiegel stecken. So schnell kann das gehen. Kaum ist man neuer SPD-Vorsitzender geworden, muss man schon die ersten Schlappen als nicht soo schlimm verkaufen. Wobei, als richtiger Platz gilt das Saarland mit seinen 800.000 Wahlberechtigten eigentlich nicht; eher so als der kleine Bolzplatz hinterm Haus. Jedenfalls dann, wenn man nicht gewonnen hat. Und wobei, die Zweite: So eine richtige Schlappe war es dann auch gar nicht. Allenfalls gefühlt, weil Schulz, wie er ehrlich eingesteht, mittags noch mit großen Erwartungen und der Hoffnung auf einen glatten Sieg in die Berliner SPD-Zentrale gekommen war. Typischer Fall von denkste.

Was bedeutet Saarland-Ergebnis für wen?

Apropos. Schaun mer doch einfach mal, für wen das Ergebnis im Saarland im Einzelnen was bedeutet:

Für Annegret Kramp-Karrenbauer? Alles bestens. Kann vor allem weiter regieren. Sie bestätigt den Trend der jüngsten Wahlen: Wenn sich ein Amtsinhaber nicht selten dämlich anstellt, wird er wieder gewählt. Fertig. Aus. Amen. Und weil es in der CDU nicht mehr so viele Amtsinhaber gibt, dürfte AKKs Gewicht nun innerparteilich noch größer werden. Viele Gewinner gibt es in der Union ja nicht mehr. Pech für Julia Klöckner.

Für Hannelore Kraft und Torsten Albig? Um mit dem alten KSC-Russen Sergej Kirjakow zu sprechen: Scheiße, aber gut. Offenkundig treibt Martin Schulz der SPD bei Landtagswahlen (empirische Grundlage: eine) doch nicht so viele Wähler zu wie erhofft. Dafür aber können beide in NRW und Schleswig-Holstein darauf hoffen, dass ihre Wähler es im Mai mit ihren Ministerpräsidenten ähnlich halten wie der Saarländer mit seiner AKK.

Merkel? Nicht automatisch gut - Schulz? Nicht automatisch schlecht

Für Angela Merkel? Nicht automatisch nur Gutes. Erst mal aber: Uff. Davongekommen. Zeit gewonnen. Merkel-Dämmerung verschoben. Die vorgeschriebenen Berichte über den Anfang von ihrem Ende können beiseite gelegt werden – auf Wiedervorlage nach den Wahlen in NRW und in Schleswig-Holstein. Denn grundlegend geändert hat sich die Situation nicht. Die Unzufriedenen in ihrer Partei dürften nun allerdings erst einmal etwas leiser werden. Und die Sache mit dem Amtsinhaber? Da verweisen wir dann doch mal auf ein paar Zahlen. Regierungszeit AKK: knapp sechs Jahre. Merkel: bald zwölf Jahre. Merkel: eine Flüchtlingskrise. AKK: keine. Könnte dann doch einen Unterschied bedeuten.

Für Schulz? Nicht automatisch nur Schlechtes. Erst aber mal: Ächz. Muss jetzt zunächst zu Recht mit Kommentaren leben, dass der Schulz-Zug deutlich an Fahrt verloren hat. Stand zwar im Saarland ebenso wenig zur Wahl wie Merkel, hat der SPD aber auch keine Wähler im Übermaß zugetrieben. Angenehmer Nebeneffekt: Hat nun wenigstens keine Rot-Rot-Debatte am Hals. Unangenehmer Nebeneffekt: Hat damit aber auch keine reale Machtoption jenseits der Großen Koalition. Kann aber noch kommen, falls es in NRW was wird mit der FDP. Wäre ihm ohnehin lieber. Kann bis dahin ein wenig in Helmut Kohls Sprüchen blättern und auf den Klassiker stoßen: Die anderen gewinnen die Umfragen, wir die Wahlen.

Grüne und Liberale: Wohl nicht zweistellig im Bund

FDP, Grüne und den ganzen Rest? Dass Günter Oettinger Recht haben könnte mit seinem schönen Spruch, dass es für die Mäuse eng wird, wenn zwei Elefanten im Raum stehen. Im Saarland blieb gleich gar kein Platz mehr (weil sich da auch noch das Nilpferd Oskar im Saal tummelte). Das wird bei den nächsten Wahlen etwas besser werden, aber von zweistelligen Ergebnissen im Bund sollten sie besser nicht träumen.

Für Horst Seehofer? Ja, was wissen denn wir! Weiß er ja wahrscheinlich selbst noch nicht. Kleine Vermutung: Wahrscheinlich ist Merkel nun wieder die Beste (im Rahmen seiner persönlichen Obergrenze natürlich).

Gute Wahlbeteiligung gut für die Demokratie

Die Demokratie? Nur das Beste. Eine Steigerung der Wahlbeteiligung um fast zehn Prozentpunkte! SPD wie – noch stärker – CDU mobilisierten die Nichtwähler. Da darf der Saarländer doch mal als stilbildend durchgehen.

Und zum Schluss und vor allem: Die Bundestagswahl? Nicht viel. Weil schon der alte Sepp Herberger wusste: Die Welt ist bunt, und das nächste Spiel ist immer das schwerste.


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