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Schnauze, Wessi!: Ihr könnt ihn behalten!

Christian Wulff hat bewiesen, dass er genau der richtige Bundespräsident ist: Er repräsentiert Westdeutschland wie seit Heinrich Lübke keiner mehr. Eine Egalitäts-Erklärung

Von Holger Witzel

Seid Ihr jetzt endlich fertig mit Eurem Präsidenten? Dem scheinheiligen Getue um Pressefreiheit, oder Anschein von Pressefreiheit? Mit der "Würde eines Amtes", die sowieso keiner mehr würdigt, außer sein Inhaber? Glaubt Ihr wirklich noch, unter Gleichen seien alle gleich und ausgerechnet Westdeutsche gegen Geiz, Gier und etwas Glamour immun? Wir nicht. Bis auf Joachim Gauck und vielleicht ein paar hoffnungslose AWD-Bausparer regt die Debatte um Christian Wulff deshalb im Osten Deutschlands auch keinen groß auf. Egalität - dass man Euch das erklären muss! - kommt von egal. Zinsen, Freunde, Fernsehshow; ein bisschen drohen, schnorren und schwindeln - da führt ein armer Familienvater aus Niedersachsen mal vor, wie das System funktioniert, und ihr stellt sofort Euer Selbstbild in Frage? DAS ist kleinlich.

Aber wir wollen in Zukunft alle etwas transparenter sein: Natürlich schreckt Ostdeutsche in dieser Sache auch das Strafgesetzbuch ab. Es mag nur Besatzungsrecht sein, aber wer eine Diktatur hinter sich hat, nimmt das womöglich ernster als scheinbar meinungsfrei geborene Kollegen, für die Journalistenrabatte stets eine Selbstverständlichkeit waren. Immerhin drohen für die "Verunglimpfung des Bundespräsidenten" bis zu fünf Jahre Freiheitsstrafe. Theoretisch sogar ihm selbst, falls er dem zustimmt. In der DDR gab es für "Staatsfeindliche Hetze" gegen "Repräsentanten" in der Praxis auch selten mehr - aber ist es das wert? Nur um Euch zu sagen, dass Ihr genau den Präsidenten habt, den Ihr verdient?

Respekt für blaue Sprossenfenster

Wulff - soviel darf man wohl in aller demokratischen Demut straffrei äußern - war nie unserer. Dass sich Gauck überhaupt für die abgekartete Wahlposse hergab - traurig genug. Nachdem sich der eine als Sarrazin-Bewunderer und der andere zum Islam bekannte, gab es sicher in den westlichen Fanblocks ein paar Verschiebungen. Ich persönlich habe mir lediglich noch schnell drei Autogrammkarten für je 2,38 Euro (inklusive Mehrwertsteuer, Bettina und Versand) gesichert. Als spekulative Wertanlage. Als Präsident aber könnt Ihr Wulff behalten.

Seit in den Nachrichten dieses schmutzig gelbe Klinkerhaus auftauchte, war die Luft aus der Affäre. Wer sich für blaue Sprossen-Fenster eine halbe Million Euro borgt, verdient höchten(s) Respekt für seinen Geschmack. Man kann sich gut vorstellen, wie er im Partykeller zu den Scorpions ausflippt. Veronica-Ferres-Poster an den Wänden. Eine Spiegelwand zum Üben für bedauernde Sätze ... Wenn es wenigstens ein Palast gewesen wäre oder eine saftige Rotlichtaffäre - aber dass ihm seine Landsleute ein paar Prozent Zinsen neiden, ist so typisch westdeutsch wie Großburgwedel oder das, was sie dort Freunde nennen. Die wären mir allerdings auch peinlich, ebenso wöchentliche Fernsehbeichten: Ich bin doch auch nur ein Mensch - Westdeutscher wie Ihr und "geradezu überrascht, wie stark die Bürgerinnen und Bürger" weiter auf ihn setzen. Das klingt fast so verständnislos wie Erich Mielkes "ich liebe doch alle Menschen". Und in der Tat: Warum soll ein kleinkarierter Prototyp dieser Gesellschaft plötzlich nicht mehr deren Aushängeschild sein? Wir sind da großzügiger, aber - wie gesagt - es geht mich auch nichts an.

Jeder Ladendieb kann nun Wulff zitieren

In der Hinsicht - das muss man dem Sparfuchs aus Großburgwedel auch mal zugute halten - ist eine polternde Blattkritik bei der Bildzeitung beinahe ein Fortschritt. Falls er dabei wirklich "Krieg" erklärte, hätte er sich sogar von seinem sensiblen Vorgänger emanzipiert, der für seine umständliche Kriegserklärung mit Wirtschaftsinteressen gleich beleidigt zurück trat.

Die, deren Präsident er nun noch ein paar Tage ist, sollten ihm dankbar sein: Wulff hat Beziehungen und Abhängigkeiten zwischen Politik und Geld schon transparenter gemacht, als sie je waren: Wie selbstlos der eine dem anderen PR finanziert. Wie normal das selbst stolze Medienleute finden. Wer wen im Zweifel anruft und wer davor kuscht, denn andere Redaktionen hatten die Informationen auch. Nicht zuletzt lieferte der Bundespräsident in einer seiner halben Entschuldigungen auch noch eine neue Generalausrede für allerlei kompromittierende Alltagssituationen: Jeder Ladendieb kann nun den ersten Mann im Staat zitieren, wenn er mit einer Schnapspulle unter der Jacke erwischt wird: "Ich erkenne an, dass hier ein falscher Eindruck entstehen konnte. Ich bedauere das."

Ob das jetzt schon die ganze Wahrheit war - freiwillig oder nicht - kann uns doch egal sein, solange Wulff nicht auf Rügen Urlaub machen will oder sich die vorbildliche Frau Schausten vom ZDF für westdeutsche Freundschaftspreise zum Übernachten ankündigt. Es soll jetzt nicht anbiedernd oder wie ein Nachruf klingen, aber bei aller gebotenen Respektlosigkeit mochte ich diesen Präsidenten sogar: Anders als die meisten seiner Landsleute konnte er auch mal ein paar Tage eisern schweigen. Niemand musste ihm sagen, was schon aus strafrechtlichen Bedenken vielleicht nicht so einfach gewesen wäre: Schnauze Wessi!

kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(