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ZDF-"Politbarometer" Drei von vier Deutschen wollen Scholz als Kanzler – Union stürzt weiter ab

Olaf Scholz
Er ist frohen Mutes, was die neue Regierung betrifft: SPD-Wahlsieger Olaf Scholz
© Christoph Soeder / DPA
Drei von vier Befragten fänden es gut, wenn Olaf Scholz Kanzler würde. Für die Union hingegen geht der Abwärtstrend nach ihrem historisch schlechten Ergebnis bei der Bundestagswahl weiter.

Fast drei Wochen nach der Bundestagswahl gibt es in Deutschland weiterhin hohe Zustimmung zu einer Ampel-Koalition und große Unterstützung für einen möglichen Kanzler Olaf Scholz (SPD). Wie das am Freitag veröffentlichte ZDF-"Politbarometer" ergab, finden es drei Viertel aller Befragten gut, wenn Scholz Bundeskanzler wird. Das sehen demnach deutliche Mehrheiten der SPD-, Grünen-, FDP- und Linken-Anhänger so, aber auch 55 Prozent in der Unions-Anhängerschaft. 

Recht eindeutig sind der Umfrage zufolge auch die Koalitionspräferenzen in der Bevölkerung: Eine Regierung aus SPD, Grünen und FDP fänden 62 Prozent aller Befragten gut, 16 Prozent wäre es egal und 19 Prozent fänden das schlecht. Eine Jamaika-Koalition aus CDU/CSU, Grünen und FDP wird mit 64 Prozent ebenso mehrheitlich abgelehnt wie eine Koalition aus SPD und Union (schlecht: 63 Prozent). 88 Prozent der Befragten erwarten, dass es zur Ampel-Koalition kommt, nur sieben Prozent gehen nicht davon aus.

Geteilte Meinung bei Finanz- und Steuerpolitik

Gefragt wurde zudem nach problematischen Themen für mögliche Koalitionsverhandlungen. Besonders in der Finanz- und Steuerpolitik bestehen erhebliche Differenzen zwischen SPD und Grünen einerseits und der FDP andererseits. 

Dies spiegelt sich auch in den Antworten der Befragten: Wenn der Staat jetzt angesichts der politischen und wirtschaftlichen Lage zusätzliche Schulden aufnehmen würde, fänden das 41 Prozent gut und 53 Prozent nicht gut. Für eine Erhöhung der Staatsschulden sprechen sich insbesondere Mehrheiten bei den Anhängern der Grünen (67 Prozent) und der Linken (57 Prozent) aus, während dies bei den SPD-Anhängern eher umstritten ist (dafür: 45 Prozent). 

Bei den Anhängern der CDU/CSU, der FDP und der AfD ist nur jeweils knapp ein Viertel für zusätzliche Schulden. Eine stärkere Besteuerung hoher Einkommen findet hingegen die Zustimmung bei 75 Prozent aller Befragten, 21 Prozent sind dagegen. Selbst bei den Anhängern der CDU/CSU (62 Prozent) und der FDP (52 Prozent) sind Mehrheiten für eine entsprechende Steuererhöhung, wie die Umfrage weiter ergab.

Union sackt unter 20-Prozent-Marke 

Bei der sogenannten Sonntagsfrage blieb der große Vorsprung der SPD vor der Union erhalten: Wenn am nächsten Sonntag Bundestagswahl wäre, käme die SPD auf unverändert 28 Prozent, die CDU/CSU müsste mit 19 Prozent (minus ein Punkt) rechnen, die Grünen kämen auf 17 Prozent (plus eins), die FDP auf unverändert 13 Prozent, die AfD auf elf Prozent (plus eins) und die Linke auf unverändert fünf Prozent. 

Bei der Beurteilung nach Sympathie und Leistung liegt Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) weiterhin auf Platz eins mit einem Durchschnittswert von 2,3 (zuvor 2,3) auf der Skala von plus fünf bis minus fünf. Es folgen Scholz mit 2,0 (zuvor 2,2) und Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) mit einem Wert von 1,8.

Grünen-Chef Robert Habeck belegt mit 1,7 (zuvor 1,6) Platz vier, gefolgt von FDP-Chef Christian Lindner mit 0,9 (zuvor 1,0) und CSU-Chef Markus Söder mit 0,5 (zuvor 1,1). Auf Platz sieben ist Grünen-Ko-Parteivorsitzende Annalena Baerbock mit 0,4 (zuvor 0,4), es folgen Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) mit minus 0,1 (zuvor 0,0), der CDU-Politiker Friedrich Merz mit minus 0,4 (zuvor minus 0,2) und CDU-Chef Armin Laschet mit minus 1,3 (zuvor minus 1,2).

Die Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen befragte von Dienstag bis Donnerstag dieser Woche 1329 zufällig ausgewählten Wahlberechtigten per Telefon. Der Fehlerbereich beträgt bei einem Anteilswert von 40 Prozent rund plus/minus drei Prozentpunkte und bei einem Anteilswert von 10 Prozent rund plus/minus Prozentpunkte. 

les AFP

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