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Schülerzeitung: Nur wildes Rumgetippe?

Von wegen. Schülerzeitungen sind eine Spielwiese für junge, ambitionierte Schreiber und Organisatoren. Es geht nicht immer alles glatt - aber dafür ist es etwas ganz Eigenes. Und genau das macht es interessant.

Von Sarah Benecke

Stefan sitzt im Redaktionsraum. Die anderen Jungs sind schon nach Hause gegangen, stehen auf dem Schulhof oder knutschen mit ihren Freudinnen rum. Er sitzt immer noch vor dem PC und bekommt langsam Stielaugen. Für etwas verantwortlich zu sein, kann ganz schön anstrengen. Morgen muss die Schülerzeitung in den Druck, endlich. Allerdings ist weder das Titelbild fertig, noch sind die Texte ins Layout eingepflegt. Zwei Redakteure führen wieder in allerletzter Minute Interviews, die beiden anderen sind wie vom Erdboden verschluckt. Na toll.

Man muss bereit sein viel Zeit zu investieren

So könnte es aussehen, irgendwo in Deutschland, wenn der Redaktionsschluss bereits unauffällig vorüber gegangen ist. Solange es für die Schülerzeitung keine Noten gibt, fühlen sich die wenigsten verpflichtet, Texte rechtzeitig abzugeben oder passende Fotos herauszusuchen. Genau deshalb müssen die Macher scharf darauf sein, ein eigenes Medium zu produzieren. Sonst funktioniert es nicht. Sie müssen sich diebisch darauf freuen, dass ihr Artikel von allen Schülern und Lehrern gelesen wird. Mit einem verschmitzten Lächeln darauf warten, dass der totale Verriss des Deutschunterrichts und die Degradierung des Kantinen-Kaffees zu "brauner Plörre" an die Öffentlichkeit gelangt. Und bereit sein, viel Zeit zu investieren.

Die Anzahl der Schülerzeitungen mit einem Team von über zwanzig Leuten ist verschwindend gering. Das heißt im Klartext: Jeder sollte mehr als einen Artikel schreiben, selber Fotos machen und am besten auch noch layouten können. Und ab und zu den inneren Schweinehund überwinden. Denn wir gehen davon aus, dass Anzeigenaquise nicht gerade eine gängige Lieblingsbeschäftigung ist. Doch Fahrschulen zu nerven und den Friseur nebenan dreimal am Tag anzurufen ist manchmal eben die einzige Möglichkeit, an den schnöden Mammon zu kommen, der die Druckerei willig stimmt. Und nicht für den Papierkorb zu schreiben, sondern für die Mitschüler.

Schülerzeitungen tragen zur Demokratie an der Schule bei

Und doch ist eine Schülerzeitung kein Klatschblatt - trotz pubatierender Redakteure und Layoutern im Liebeskummer. Natürlich gibt es meist eine Gerüchte-Ecke mit den neusten Affären und Lehrersünden. Aber im Grunde geht es um das gemeinsame Leben, um das Umfeld der Schule und wie es sich verändert. Diese Themen sind es, die Platz und Gehör finden. Über sie wird gern und viel berichtet. Was vielen jedoch nicht bewusst ist, ist etwas ganz anderes: Mit ihren kritischen Beiträgen, Informationen über das kommende Theaterstück und auch dem dreißigsten Lehrerportrait tragen die Schülerzeitungen wesentlich zur Demokratie an ihrer Schule bei. Wer sich entschließt, auf eine Privatschule zu gehen, entscheidet sich allerdings für die zensierte Variante. Hier kann die Schulleitung immer noch eingreifen, wenn ihr der Artikel über die verschimmelten Brötchen in der Cafetería nicht gefällt.

Auch, wenn es an etlichen Schulen einen Betreuungslehrer gibt - sein Beisein bestimmt nicht unbedingt über die Qualität der Schülerzeitung. Die jungen Schreiberlinge und Layouter sind durchaus imstande, ihre Texte gegenseitig zu korrigieren und sich so zu organisieren, dass die Druckmaschine am Ende tatsächlich ein interessantes Blatt ausspuckt. Manchmal steigt die Motivation sogar, wenn man ganz alleine vor einem Berg von Aufgaben sitzt. Und seien wir ehrlich: Was wäre eine Schülerzeitung ohne ein bisschen Chaos?!