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Schwäbischer Terrorhelfer: Mutmaßlicher al-Qaida-Helfer verhaftet

Der Türke Ömer Ö. aus Sindelfingen ist am Freitag wegen mutmaßlicher Unterstützung des Terrornetzwerks al-Qaida festgenommen worden. Ö. hatte nach stern.de-Informationen auch Kontakt zur so genannten "Sauerland-Zelle", die 2007 Anschläge auf US-Einrichtungen in Deutschland geplant hatte.

Von Rainer Nübel und Martin Knobbe

Wie die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe am Samstag mitteilte, steht der 30-jährige Ömer Ö. im Verdacht, von Anfang 2005 bis Anfang 2007 in Deutschland Bargeld sowie eine schusssichere Weste und einen Laptop für die Kämpfer der al-Qaida beschafft zu haben. Er soll dabei auf Anweisung des Diamantenhändlers Aleem N. aus dem pfälzischen Germersheim gehandelt haben, der bereits in Haft sitzt und gegen den vor kurzem Anklage erhoben worden ist. Aleem N. habe das Geld und die Ausrüstungsgegenstände anschließend ins pakistanisch-afghanische Grenzgebiet gebracht und dort an Verantwortliche der al-Qaida übergeben.

Ömer Ö. soll seit 2006 auch Kämpfer für die Terrororganisation von Osama bin Laden geworben haben. Von ihm ausgewählte Personen, so die Bundesanwaltschaft, hätten von dem Diamantenhändler Aleem N. ein Empfehlungsschreiben für al-Qaida erhalten. Zwei Personen seien daraufhin in Terror-Ausbildungslagern gereist, wobei nur einer dort angekommen und im Umgang mit Sprengstoff ausgebildet worden sei. Ömer Ö. solle im Sommer 2006 selbst eine Ausbildung in einem al-Qaida-Lager absolviert haben.

Nach Informationen von stern.de ermittelte die Bundesanwaltschaft gegen Ömer Ö. auch im Zusammenhang mit den drei mutmaßliche Mitgliedern der "Sauerland-Zelle", die am 4. September 2007 in einem Sauerländer Ferienhaus festgenommen worden waren. Die beiden deutschen Konvertiten Fritz Gelowicz und Daniel Schneider sollen zusammen mit dem Türken Adem Yilmaz Terroranschläge auf US-amerikanische und usbekische Einrichtungen in Deutschland geplant haben. Dafür hatten sie zwölf Fässer Wasserstoffperoxid angeschafft, das in einer Mischung mit Mehl die Sprengkraft von 410 Kilogramm TNT entwickelt hätte. Die Anklage gegen sie ist vor kurzem erhoben worden.

Nach Erkenntnissen des Bundeskriminalamts (BKA) gab es in der Phase der Anschlagsvorbereitungen mindestens zwei Treffen zwischen Fritz Gelowicz und Ömer Ö. in Stuttgart.

Am Nachmittag des 16. Mai 2007 werden beide observiert, als sie sich in der Stuttgarter Innenstadt eine Stunde lang treffen und gemeinsam ein Cafe besuchen. Die Zusammenkunft ist zuvor konspirativ über das E-Mail-Postfach boller680@yahoo.de vereinbart worden. Unter anderem habe man sich dabei über die Beschaffung der "Papiere" ausgetauscht.

Am 28. Juli 2007 reist Fritz Gelowicz aus Ulm erneut in die baden-württembergische Landeshauptstadt. Um 13.08 Uhr trifft er sich vor einem Pizza-Restaurant in der Marienstraße mit Ömer Ö., der mit seinem Auto von Sindelfingen nach Stuttgart gefahren ist. Sie gehen durch die Innenstadt, setzen sich im Schlossgarten unter einen Baum und treffen später einen 50- bis 60-jährigen Mann. Danach besuchen sie gemeinsam einen Call-Shop am Marktplatz. Dort, so die BKA-Erkenntnisse, richten sie unter Angabe fiktiver Personaldaten, das E-Mail-Konto nada_filip@gmx.de ein. Später werden die Fahnder auf diesem E-Mail-Konto Nachrichtenentwürfe feststellen, in denen es um Terminvereinbarungen für ein weiteres Treffen der beiden geht, das aber nicht stattfindet.

Ömer Ö. ist bei den Sicherheitsbehörden schon länger bekannt. In den Jahren 2002 und 2003 ermittelte das Landeskriminalamt Baden-Württemberg gegen ihn wegen des Verdachts der Zugehörigkeit in einer kriminellen Vereinigung und der Rekrutierung deutscher Kämpfer für den Jihad. Ein Jahr später führte dieselbe Behörde Ermittlungen gegen Ö. wegen des Verdachts der Urkundenfälschung in 520 Fällen.

Auch bei Ermittlungen zu dem Terroranschlag der al-Qaida auf der tunesische Insel Djerba am 11. April 2002 taucht der Name von Ömer Ö. auf. Damals waren 21 Urlauber gestorben, darunter 14 Deutsche. Ömer Ö. galt als mutmaßlicher Kontaktmann des Marokkaners Karim Mehti, der wegen seiner Verbindungen zu den Attentätern des 11. Septembers 2001 und des Anschlags auf Djerba in Frankreich zu neun Jahre Haft verurteilt worden ist. Ö. soll in den Jahren 2000 und 2001 aus Deutschland Geld an Mehti überwiesen haben. Außerdem hatten Fahnder Hinweise darauf, dass Ö. in Kontakt mit dem mutmaßlichen Djerba-Mittäter Christian Ganzcarsky stand. Beide hätten in Ulm die Zeitschrift "Denk mal islamisch" verteilt, eine Publikation des ehemaligen Islamischen Informationszentrums (IIZ), das Verfassungsschützer als Treffpunkt radikaler Muslime ansahen.

Von:

Rainer Nübel und Martin Knobbe