HOME

Schwerin: Sellering löst Ringstorff als Regierungschef ab

Der SPD-Politiker Erwin Sellering ist neuer Ministerpräsident von Mecklenburg-Vorpommern. Der Landtag in Schwerin wählte den 58-Jährigen zum Nachfolger von Harald Ringstorff, der aus Altersgründen freiwillig abgetreten war. Im Gegensatz zu Ringstorff gilt der gebürtige Westfale als kommunikativer Teamplayer.

Der Landtag von Mecklenburg-Vorpommern hat den SPD-Landesvorsitzenden Erwin Sellering zum neuen Ministerpräsidenten gewählt. Der 58-jährige Jurist erhielt am Montag 40 der 69 abgegebenen Stimmen. Von 71 Abgeordneten waren 69 anwesend, es gab eine ungültige Stimme und 22 Enthaltungen. Damit votierten nicht alle 45 Mitglieder der SPD/CDU-Koalition für den neuen Regierungschef.

Der bisherige Sozialminister war der Kandidat der regierenden Großen Koalition aus SPD und CDU. Kurzfristig war der NPD-Fraktionsvorsitzende Udo Pastörs als weiterer Kandidat angetreten. Auf ihn entfielen sechs Stimmen, was der Zahl der NPD-Abgeordneten im Schweriner Landtag entspricht. Der bisherige Ministerpräsident Harald Ringstorff (SPD) war freiwillig aus Altergründen abgetreten und hatte den seit längerem erwarteten Führungswechsel im Sommer angekündigt.

Priorität Bildung

Mit dem Abstimmungsergebnis zeigte sich der neue Regierungschef zufrieden. "Mein Ziel war eine vier vorn", sagte er im NDR-Fernsehen. Die Große Koalition, in der es "sehr gut" laufe, werde ihre Arbeit fortsetzen. Als politische Schwerpunkte nannte Sellering den weiteren wirtschaftlichen Aufbau und die Stärkung der Chancengleichheit in der Bildung.

Mit Ringstorff verließen Finanzministerin Sigrid Keler (66) und Verkehrsminister Otto Ebnet (64, beide SPD) das Kabinett. Dafür rückten die Landtagsabgeordnete und Bildungsexpertin Heike Polzin (52) als Finanzministerin, der bisherige SPD-Landtagsfraktionschef Volker Schlotmann (51) als Verkehrsminister sowie die Schweriner Kommunalpolitikerin Manuela Schwesig (34) als Chefin des bisher von Sellering geführten Sozialressorts neu in die Regierung auf. Dem Kabinett gehören damit weiterhin je vier Minister von SPD und CDU an.

Pragmatiker ohne Scheuklappen

Mit Sellering übt erstmals ein Politiker aus dem Westen das höchste Regierungsamt in Mecklenburg-Vorpommern aus. 1949 in Sprockhövel bei Bochum geboren, zog der Jurist 1994 mit Ehefrau und zwei Töchtern nach Greifswald, wo er zunächst als Verwaltungsrichter arbeitete. Im gleichen Jahr trat er in die SPD ein. Schon 1996 wurde er Mitglied im Landesvorstand und seit 2007 ist er Vorsitzender des knapp 2800 Mitglieder zählenden Landesverbandes.

Ringstorff hatte Sellering 1998 als Abteilungsleiter in die Staatskanzlei geholt, ihn zwei Jahre später zum Justizminister gemacht und 2006 an die Spitze des Sozialressorts berufen. Strikte Loyalität förderten den Aufstieg. Doch ergriff Sellering auch beherzt seine Chance. So im April 2007, als der glücklose Agrarminister Till Backhaus den Parteivorsitz abgab und sich damit aus der Reihe der potenziellen Ringstorff-Nachfolger verabschiedete.

Wie Ringstorff gilt auch Sellering als Pragmatiker ohne ideologische Scheuklappen. Doch im Gegensatz zu dem oft als eigenwillig und stur beschriebenen Mecklenburger eilt dem 58-jährigen Westfalen der Ruf eines kommunikativen Teamplayers voraus. "Nur eine gute Mannschaft ist auf Dauer erfolgreich", lautet sein Wahlspruch. Dabei setzt er auch auf Nachwuchspolitiker, was ihm großen Rückhalt bei den Jusos verschafft.

Bundesweit für Schlagzeilen hatte Sellering als Justizminister mit seinem Vorstoß gesorgt, DNA-Analysen in der Verbrechensbekämpfung und -vorbeugung noch stärker zu nutzen. Zuletzt profilierte er sich mit seiner konsequenten Haltung zum Nichtraucherschutz sowie Forderungen zur Ost-West-Angleichung der Renten und umfassenderen Kinderbetreuung.

AP/DPA / AP / DPA