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Spitzenkandidatur der Grünen Jürgen ist nicht Joschka


Lichterloh brennt bei den Grünen die Kandidatenfrage für die Bundestagswahl 2013. Roth will, weil Trittin nicht alleine soll, Künast ist abgeschlagen. Ein Überblick.
Von Lutz Kinkel

Sollte Fraktionschef Jürgen Trittin jemals gehofft haben, er könne Joschka Fischer 2.0 werden und als The-One-and-Only die Grünen in den Bundestagswahlkampf führen, so ist diese Hoffnung seit dem vergangenen Donnerstag zerstoben. An diesem Tag, passenderweise der Weltfrauentag, erklärte Parteichefin Claudia Roth, dass es mit ihr, solange sie im Amt sei, keine One-Man-Show geben werde. Sie wolle sich selbst um die Spitzenkandidatur bewerben, zudem sei eine quotierte Führung ein "grünes Grundgesetz". Die Entscheidung, wer nominiert werde, sollten die Mitglieder in einer Urwahl treffen.

So gelangte, Türen knallend, die Führungsdebatte der Grünen aus den Hinterzimmern auf die offene Bühne. Und schon bemühen sich die Kontrahenten, den Prozess zu kanalisieren. Trittin sagte dem "Tagesspiegel am Sonntag", der Bundesvorstand werde rasch vorschlagen, wie und wann das Spitzenpersonal festgelegt werden könne. Der kleine Parteitag in Lübeck im April, kurz vor der Schleswig-Holstein-Wahl, soll diesen Vorschlag dann beschließen. Über seine eigenen Ambitionen sagte Trittin nichts: "Ich halte mich an den Rat, nicht öffentlich über Fragen zu debattieren, die wir intern zu klären haben." Es kann aber als gesichert gelten, dass Trittin kandidieren wird. Bis zum Parteitag im November in Hannover dürfte abschließend geklärt sein, wer 2013 ins Rennen geht.

Basis freut sich

Die Idee einer Urwahl ist auch unter den Grünen umstritten, weil klar ist, dass sie mehr Schaden als Nutzen anrichten könnte. Die Kandidaten müssten gegeneinander antreten und wären versucht, sich das Leben schwer zu machen. Obendrein gäbe es nach der Wahl mehr Verlierer als Gewinner. Aus diesen Gründen haben sowohl Linke als auch SPD bereits von einem Mitgliederentscheid Abstand genommen. Andererseits würde es zum basisdemokratischen Image der Grünen passen, eine Urwahl durchzuführen. Bislang konnten die Mitglieder nur über Sachfragen abstimmen, seit den jüngsten Satzungsänderungen theoretisch auch über das Personal. Sven Lehmann, Chef des wichtigen Landesverbandes in Nordrhein-Westfalen, favorisiert diese Lösung. "Wenn vier sich streiten, freut sich die Basis. Eine Urwahl würde Klarheit schaffen, wer in der Partei breit getragen wird", sagte Lehmann in Berlin.

Als unwahrscheinlichste Lösung gilt, dass das bisherige Führungsquartett beibehalten werden könnte. "Das mangelnde Teamwork im Spitzen-Quartett blockiert eine gute inhaltliche und strategische Vorbereitung des Wahlkampfes", sagte Lehmann. Das hat auch mit den Sonderheiten der einzelnen Personen zu tun. Renate Künast, Frontfrau des Realo-Flügels, ist seit der vergurkten Berlin-Wahl erheblich geschwächt. Cem Özdemir, ebenfalls Realo, ist umstritten, weil er auf Biegen und Brechen eine schwarz-grüne Option offen halten will. Obendrein hat er erklärt, er wolle zunächst ein Bundestagsmandat erobern und "nur" Parteivorsitzender bleiben. Roth gilt als die Seele der Partei, Trittin aber als gewieftester Taktiker der Grünen. Da viele Parteimitglieder die Außendarstellung des Quartetts kritisch sehen, schlugen sich die Realos zunehmend auf die Seite Trittins, der eigentlich als Protagonist des linken Flügels gilt. So lief alles auf Trittin zu - bis Roth mit ihren Äußerungen am Donnerstag ein riesiges Stopp-Schild aufstellte.

Hartes Ringen

Nun steht die - alle Parteien mit Ausnahme der Union quälende - Führungsfrage auch auf der Agenda der Grünen. Zu erwarten ist ein hartes Ringen, denn mit der Spitzenkandidatur wird auch eine Vorentscheidung über die Ämtervergabe bei einer eventuellen Regierungsbeteiligung der Grünen getroffen. Und klar ist: Zumindest für Künast, Roth und Trittin, die seit dem Abgang Fischers Führungspositionen besetzen, ist die Bundestagswahl 2013 die finale Chance. Bleibt die Partei in der Opposition, sind ihre Tage gezählt.

mit Agenturen

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