Staatsbesuch Katzav besucht Holocaust-Mahnmal


Vor drei Wochen wurde das Holocaust-Mahnmal in Berlin eröffnet, jetzt hat Mosche Katzav als erster israelischer Präsident das Stelenfeld besucht. Während seines Aufenthalts in Deutschland gilt höchste Sicherheitsstufe.

Als erster israelischer Staatspräsident hat Mosche Katzav am Mittwoch das Holocaust-Mahnmal in Berlin besucht. Das Denkmal unweit des Reichstags war vor rund drei Wochen eröffnet worden und erinnert mit 2700 Betonstelen an die ermordeten Juden Europas. Anschließend enthüllte Katzav in Berlin-Mitte ein Straßenschild, das den Namen des ersten israelischen Ministerpräsidenten David Ben Gurion trägt. Während des gesamten dreitägigen Aufenthalts von Katzav galt höchste Sicherheitsstufe.

Zum Abschluss fliegt er als erstes israelisches Staatsoberhaupt nach Bayern, wo er in München am Mahnmal für die Opfer des palästinensischen Überfalls auf Israels Olympia-Mannschaft im Jahr 1972 einen Kranz niederlegen und mit Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) zusammentreffen will. Dritte und letzte Station Katzavs in München ist die israelitische Kultusgemeinde. Katzavs Aufenthalt in München ist der Gegenbesuch zu Stoibers Israel-Reise im Jahr 2001. Zuvor hatte der israelische Präsident im Bundestag gesprochen und Bundespräsident Horst Köhler sowie Bundeskanzler Gerhard Schröder getroffen.

"Am Verkehrschaos bin ich Schuld"

Nachdem der Staatsgast bei einer kurzen Ansprache vor einem Konzert in der Berliner Philharmonie am Dienstagabend mehrfach von lang anhaltendem Applaus unterbrochen wurde, wandte sich Katzav mit den Worten an seinen Gastgeber, Bundespräsident Horst Köhler: "Herr Präsident Köhler, wenn das so weiter geht mit dem Applaus, haben Sie bald einen weiteren Kandidaten für das Amt des Bundeskanzlers". Katzav, der sich anlässlich des 40-jährigen Jubiläums der deutsch-israelischen Beziehungen zum Staatsbesuch in Deutschland aufhält, hatte zuvor unter anderem heftigen Applaus für seine Aussage erhalten, er hoffe, dass Israel bereits in Kürze Frieden mit seinen arabischen Nachbarn schließen könne. Auch mit der Entschuldigung an die Berliner "für das Verkehrschaos, an dem ich Schuld bin", hatte Katzav Beifallsbekundungen ausgelöst.

Zuvor hatte er als zweiter israelischer Staatspräsident nach Eser Weizman am Dienstag eine Rede im Deutschen Bundestag gehalten und wie auch sein Vorgänger den schwierigen Spagat zwischen dem "Abgrund des Holocaust" und der Zukunft gesucht. Auch er fand klare Worte für das Einzigartige am deutsch-israelischen Verhältnis: "Die Schoah (der Massenmord an den Juden) wird immer den Anfangs- und Schlusspunkt bilden."

Den ersten Applaus erhielt der 60-Jährige, als er - begleitet von Köhler und Schröder - um 11.00 Uhr den Plenarsaal betrat. Hatte Weizman 1996 noch im alten Bundestag in Bonn gesprochen, sah sich Katzav mit seiner Rede im Reichstagsgebäude einer zusätzlichen dunklen Erinnerung ausgesetzt: "Hier in diesem Gebäude begann die Tragödie, die zur systematischen Ausrottung des jüdischen Volkes führte. Hier in Berlin wurden die Entscheidungen gefällt, die zu größten Tragödie der Menschheit führten."

"Seelische Narben noch spürbar"

Die Schrecken endeten für die Opfer nicht mit Kriegsende: "Die seelischen Narben sind auch in der zweiten und dritten Generation noch spürbar." Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) erinnerte an den für Israel schmerzhaften Weg der Annäherung: "Wer hätte am 8. Mai 1945 auch nur zu hoffen gewagt, dass in Deutschland wieder jüdische Gemeinden wachsen?" Nur 20 Jahre nach Kriegsende, am 12. Mai 1965, habe Israel mit der Aufnahme diplomatischer Beziehungen Deutschland über die Gräber des Holocaust hinweg die Hand gereicht. Dies sei nicht hoch genug zu würdigen.

Katzav beklagte, der Antisemitismus brande wieder auf wie seit Ende des Zweiten Weltkrieges nicht mehr. Neonazi-Aufmärsche und NPD-Wahlerfolge werden in Israel mit hoher Aufmerksamkeit und großer Sorge verfolgt. Im Kampf gegen den Antisemitismus sehen darum sowohl Köhler als auch Katzav eine der zentralen Gemeinsamkeiten im deutsch-israelischen Verhältnis.

Für Staatsmänner beider Länder war es nach dem Holocaust immer äußerst schwer, manchmal unmöglich, aus dem Schatten der Vergangenheit herauszutreten. Es waren vor allem die beiden Regierungschefs David Ben Gurion und Konrad Adenauer (Katzav: "begnadete Visionäre"), die den Weg für die Annäherung ebneten. 40 Jahre nach Aufnahme diplomatischen Beziehungen konnte darum Katzav in dem für die Juden Europas so verhängnisvollen Gebäude des Reichstags sagen: "Die Bundesrepublik ist ein echter Freund Israels."

Der sieben Monate nach Ende des Zweiten Weltkriegs in Iran geborene Staatschef rief die Deutschen auf, nun die Grundlage der gegenseitigen Beziehungen für die kommenden 40 Jahre aufzubauen. "Lassen Sie uns mit einer neuen Botschaft aus dieser Sitzung gehen", rief er den Abgeordneten und Kabinettsmitgliedern im Bundestag zu, die dem Gast stehend applaudierten.

AP/DPA/Reuters AP DPA Reuters

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