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stern-Interview mit Ex-Außenminister: Genscher lobt, mal wieder - Lindner

Wer die Zukunft der FDP verkörpert, ist für den Ehrenvorsitzenden Genscher klar: Christian Lindner gehöre zur Führungsreserve, sagte er dem stern. "Und zwar ganz weit vorn."

Von Hans-Ulrich Jörges und Axel Vornbäumen

Der FDP-Ehrenvorsitzende Hans-Dietrich Genscher hat den Druck auf den glücklosen Parteichef Philipp Rösler erhöht. Genscher lobte in einem Interview mit dem stern ausdrücklich den Vorsitzenden der nordrhein-westfälischen FDP, Christian Lindner, als "große politische Begabung – und das hat er auch schon unter Beweis gestellt". Genscher sagte im stern über Lindner: "Zur Führungsreserve der FDP gehört er auf jeden Fall, und zwar ganz weit vorne." Er selbst, so Genscher, bereite gerade ein Gesprächsbuch mit Lindner vor, das Anfang 2013 erscheine. "Man kann sehr gut mit ihm diskutieren."

Möglicher Führungswechsel im Mai

In der angeschlagenen Partei, die nach einer aktuellen Forsa-Umfrage bundesweit derzeit nur auf vier Prozent kommt, wächst die Unruhe, woher nach einem möglichen Scheitern bei der Landtagswahl in Niedersachsen im kommenden Januar der Schwung für die Bundestagswahl geholt werden soll. Intern gehen viele von einem Führungswechsel aus, der dann auf dem Parteitag im Mai vollzogen wird. Einen Wechsel des Koalitionspartners nach der Bundestagswahl schloss Genscher im Interview mit dem stern nicht aus. Auf die Frage ob Schwarz-Gelb die einzige Option für die FDP sei, sagte Genscher: "Prinzipiell nein, derzeit ja."

Genscher zeigte sich im stern besorgt über die antieuropäische Stimmung, die während der Debatte um die Rettung des Euro teilweise in Deutschland geherrscht habe. "Die Politik hat die Diskussion zu lange laufen lassen, sie ist denen nicht frühzeitig entgegen getreten, die ein Scheitern des Euro bagatellisieren." Sollte Europa an Deutschland scheitern, so Genscher, wäre Deutschland isoliert. "Es würde kalt, eiskalt um uns herum." Der FDP-Ehrenvorsitzende trat energisch der These entgegen, dass Deutschland die D-Mark auf französischen Druck für die Einführung des Euro geopfert habe, um damit die Zustimmung Frankreichs für die deutsche Einheit zu bekommen. "Das ist ähnlich falsch und gefährlich wie die Dolchstoßlegende nach dem Ersten Weltkrieg", sagte Genscher.

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Von:

und Hans-Ulrich Jörges