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Stefan Keuter: Strafanzeige gegen AfD-Bundestagsabgeordneten wegen Volksverhetzung

Der AfD-Bundestagsabgeordnete Stefan Keuter soll bei einem Besuch der Gedenkstätte Lindenstraße NS-Verbrechen verharmlost haben. Die Gedänkstättenleiterin erstattete Anzeige.

Stefan Keuter (AfD), Bundestagsabgeordneter, spricht während einer Plenarsitzung des Deutschen Bundestages

Stefan Keuter (AfD), Bundestagsabgeordneter, spricht während einer Plenarsitzung des Deutschen Bundestages

DPA

Wegen des Vorwurfs der Volksverhetzung ist gegen den AfD-Bundestagsabgeordneten Stefan Keuter in Potsdam Strafanzeige erstattet worden. Das bestätigte die Polizei am Sonntag auf Anfrage. Da Abgeordnete Anspruch auf Immunität hätten, prüfe die Staatsanwaltschaft jetzt, wie sie mit dem Sachverhalt umgehe, sagte ein Sprecher. Von der Staatsanwaltschaft Potsdam hieß es auf Nachfrage, sie sei von der Polizei informiert worden, dass eine Strafanzeige gegen den AfD-Politiker vorliege. Die Anzeige sei jedoch noch nicht bei der Staatsanwaltschaft eingegangen.

Der Vorwurf: AfD-Abgeordneter soll NS-Verbrechen verharmlost haben

Keuter soll bei einem Besuch der Gedenkstätte Lindenstraße in der brandenburgischen Landeshauptstadt NS-Verbrechen verharmlost haben. Wie die Stiftung der Gedenkstätte mitteilte, hatte der Abgeordnete in einer Ausstellung, in der Zwangssterilisationen zur Zeit des Nationalsozialismus thematisiert werden, gesagt, man müsse die "Euthanasie"-Morde aus ihrer Zeit heraus verstehen. Gedenkstättenleiterin Uta Gerlant erstattete nach Beratung mit verschiedenen Institutionen Anzeige gegen Keuter. Zunächst hatten verschiedene Zeitungen wie der "Tagesspiegel" darüber berichtet.

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Es ist unerträglich, dass an einem Ort, der dem Gedenken an die Opfer der menschenverachtenden NS-Ideologie gewidmet ist, NS-Verbrechen verharmlost werden", erklärte Gerlant. Dies sei der Versuch, völkisches Denken in die Mitte der Gesellschaft zu tragen und Ungleichheitsideologien den Weg zu bahnen. "Dem stellen wir uns entschieden entgegen."

In der Lindenstraße 54, dem heutigen Sitz der Gedenkstätte, verfügte das Erbgesundheitsgericht nach Angaben der Stiftung seit März 1934 mehr als 3300 Zwangssterilisationen. Betroffen davon waren Menschen mit körperlichen und geistigen Einschränkungen oder seelischen Leiden und sozial von den Nationalsozialisten marginalisierte Personen. Den Zwangssterilisationen lag eine eindeutig rassistische Ideologie zugrunde, die 1939 in die "Euthanasie"-Morde mündete.

fs / AFP