HOME

AfD-Parteitag: Gauland bereitet sein Vermächtnis vor – Meuthen darf bleiben

In der AfD wird immer noch heftig gestritten. Doch auf dem Parteitag in Braunschweig werden keine ideologischen Grabenkämpfe mehr ausgetragen. Es sind eher Rivalitäten und persönliche Animositäten, die hier zutage treten.

Video: Gauland wirbt für Koalition mit CDU

Alexander Gauland hat sein Feld bestellt. Auf dem Parteitag in Braunschweig setzt sich sein Wunschkandidat Tino Chrupalla in einer Stichwahl gegen Gottfried Curio durch. Der Bundestagsabgeordnete ist bei seinen Parteikollegen zwar für seine harte Rhetorik gegen Migranten bekannt. So gut in der AfD vernetzt wie Chrupalla ist er aber nicht.

Dann brechen Rivalitäten, Neid und Hass hervor

"Auf in den Kampf", ruft der saarländische AfD-Landesvorsitzende Josef Dörr einem Parteikollegen zu. Gekämpft wird an diesem Samstag in der Volkswagen Halle in Braunschweig tatsächlich - allerdings vor allem hinter den Kulissen. Auf dem Podium und an den Saalmikrofonen bleibt es beim Bundesparteitag weitgehend friedlich - zumindest bis zur Wahl der Vorsitzenden. Dann brechen Rivalitäten, Neid und Hass hervor. 

Der baden-württembergische Bundestagsabgeordnete Thomas Seitz behauptet, einige der jüngsten Entscheidungen des Bundesschiedsgerichts, das für den Rauswurf einzelner Mitglieder aus der AfD zuständig ist, seien "Nordkorea pur". Der geschasste Finanzchef der AfD-Bundestagsfraktion, Frank Krahl, attackiert Chrupalla, als der für sich reklamiert, die Finanzen der Fraktion geordnet zu haben. Das sei ja wohl dreist und "ein Witz", gibt Chrupalla zurück.

Als Wolfgang Gedeon ans Mikrofon tritt, der wegen Antisemitismusvorwürfen aus der baden-württembergischen Landtagsfraktion geflogen war, ertönen "Pfui"-Rufe. Alexander Gauland, der sich mit 78 Jahren aus dem Vorstand zurückziehen will, erhält von allen Rednern den stärksten Applaus.

Meuthen reißt oben auf der Bühne einen Witz. Er wirkt nervös, muss sich gegen parteiinterne Kritiker zur Wehr setzen, die ihn wegen der Parteispendenaffäre hart angehen. Er sei "patriotisch, nicht nationalistisch", sagt der Meuthen in seiner Bewerbungsrede. Er betont: "Für eine Rechtsaußenpartei stünde ich nicht zur Verfügung." Am Schluss wird er im Amt bestätigt. Er setzt er sich mit rund 69 Prozent der Stimmen gegen seine einzige Konkurrentin, Nicole Höchst aus Rheinland-Pfalz, durch. Das ist nur etwas schwächer als beim letzten Mal vor zwei Jahren. Damals hatten ihn 72 Prozent der Delegierten gewählt.

Tino Chrupalla wurde zum AfD-Bundesvorsitzenden gewählt

Tino Chrupalla, der Gauland-Nachfolger

Gauland hat schon vor Monaten nach einem möglichen Nachfolger Ausschau gehalten. Als Tino Chrupalla im Gespräch war als Spitzenkandidat für die sächsische Landtagswahl, fand der Mann mit der Hundekrawatte, das sei keine gute Idee. Er hatte größere Aufgaben im Sinn für den Malermeister aus Görlitz. 

Chrupalla erschien ihm und auch der Co-Fraktionsvorsitzenden Alice Weidel als perfekte Besetzung für die Parteispitze: Ostdeutscher, Familienvater, Handwerker, keine größeren Skandale. Chrupalla ist ein Netzwerker, hat gute Beziehungen zum rechtsnationalen "Flügel" aufgebaut, ohne selbst durch radikale Äußerungen aufzufallen. Und er hat in seiner sächsischen Heimat bewiesen, dass er Wahlen gewinnen kann. Auch dies ein Grund dafür, dass Weidel seine Kandidatur für den Vorsitz unterstützte: "Der Mann gehört genau da hin", sagt sie vor den Wahlen in Braunschweig. 

Die Absprachen, die sie in den vergangenen Tagen und Wochen getroffen hat, auch mit dem rechtsnationalen "Flügel", funktionieren. Als Weidel, die im Bundesvorstand bisher Beisitzerin war, ihre Kandidatur für einen der drei Vize-Posten verkündet, meldet sich kein einziger Gegenkandidat. Das war vor zwei Jahren noch anders. Damals hatte der "Flügel"-Gründer und AfD-Landeschef in Thüringen, Björn Höcke, noch versucht, Weidels Wahlsieg zu verhindern. Heute sagt er, sie sei eine "Leistungsträgerin", und "dass ich Frau Weidel als Mensch auch sehr wertschätze".

Gauland legt in seiner Eröffnungsrede eine Art Bilanz vor. "Wir haben dieses Land verändert. Und wir haben den Menschen eine Stimme gegeben, die sich allein kaum noch trauten, der Auflöung unseres Nationalstaates in der Merkelschen Willkommenskultur zu widersprechen." Und Gauland gibt seiner Partei ein paar Dinge mit auf den Weg. Vor allem den Rat, strikt an ihrem Kurs festzuhalten. 

Seine Prognose: Irgendwann wird die CDU mangels anderer Machtoption gar keine andere Wahl mehr haben als ihre Boykottpolitik gegenüber der AfD aufzugeben. Und Gauland mahnt: "Mich treibt die Sorge um, dass wir den Mantel der Geschichte verfehlen, um in Bismarcks Bild zu bleiben. Die Chance, die wir mit der AfD haben, kommt nicht zurück, wenn sie vertan ist."

Anne-Beatrice Clasmann und Ulrich Steinkohl / fs / DPA