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Bertelsmann-Studie: Wenn Mama nicht arbeitet, ist das Kind arm

Es gilt für Alleinerziehende, aber auch für Paarfamilien: Das Armutsrisiko von Kindern wird einer Studie zufolge maßgeblich davon bestimmt, ob ihre Mütter arbeiten.

Ein kleiner Junge bei einem Sommerfest der Kinderhilfsorganisation Arche in Berlin

Vom gesellschaftlichen Leben abgeschnitten: Ein kleiner Junge bei einem Sommerfest der Kinderhilfsorganisation Arche in Berlin

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Sie können nicht in den Fußballverein oder Gitarre lernen, und selbst eine Kinokarte ist oft zu teuer: Kinder von alleinerziehenden Frauen sind besonders oft von Armut bedroht wenn ihre Mütter für eine längere Zeit keinen Vollzeitjob haben. Erst wenn eine alleinerziehende Mutter mehr als 30 Wochenstunden arbeitet, werden Armutserfahrungen verhindert, so das Ergebnis einer am Mittwoch vorgestellten Studie der Bertelsmann-Stiftung.

Fehlt der Job, wachsen 96 Prozent der Kinder in einer dauerhaften oder wiederkehrenden Armutslage auf. Bei einer stabilen Teilzeitbeschäftigung oder einem Minijob leben 20 Prozent der Kinder dauerhaft oder wiederkehrend in Armut, weitere 40 Prozent zumindest vorübergehend. Arbeitet die Mutter über einen längeren Zeitraum Vollzeit, werden 16 Prozent der Kinder zeitweise mit Armut konfrontiert. In den meisten Fällen gelingt es aber, diese Erfahrung nicht dauerhaft werden zu lassen.

Stiftung fordert Teilhabegeld für Kinder

Auch in Paarfamilien steigt das Armutsrisiko für Kinder der Studie zufolge deutlich, wenn Mütter ihre Arbeit verlieren oder aufgeben. Sind diese über einen längeren Zeitraum hinweg nicht erwerbstätig, erleben 32 Prozent dauerhaft oder wiederkehrend Armutslagen, 30 Prozent kurzzeitig. Arbeiten ihre Mütter in Voll- oder Teilzeit oder haben einen Minijob, sind nahezu alle finanziell abgesichert.

Die Stiftung kritisiert, dass diese Kinder zwar nicht obdachlos oder hungrig seien, sich aber vom gesellschaftlichen Leben abgeschnitten fühlten, weil sie nicht in Vereine eintreten oder zum Musikunterricht gehen könnten.

"Kinderarmut hängt maßgeblich an der Erwerbstätigkeit von Frauen", erklärte Stiftungsvorstand Jörg Dräger. "Müttern muss es erleichtert werden, arbeiten zu gehen." Zugleich müsse das Unterstützungs- und Hilfesystem für Kinder es auffangen können, wenn die Mütter wegen der Familiensituation nicht erwerbstätig sein könnten. Kinder bräuchten auch "gemeinsame Zeit und Betreuung".

Die Stiftung macht sich unter anderem dafür stark, alle staatlichen Leistungen für Kinder in einem sogenannte Teilhabegeld zu bündeln und dieses in der Höhe stärker auf die Einkommenssituation der Eltern auszurichten. Wohlhabendere Familien sollten dann weniger bekommen, während ärmere besonders profitieren. "Das vorhandene Geld muss dort ankommen, wo es am meisten gebraucht wird", forderte Dräger.

Laut der Definition der Studie leben Kinder in Armut, wenn sie entweder in einem Haushalt mit staatlicher Grundsicherung oder mit einem Haushaltsnettoeinkommen unterhalb der Armutsgefährdungsschwelle leben. Die liegt bei rund 60 Prozent des mittleren Einkommens in Deutschland.

Fanny H. 
mad / DPA / AFP