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Tag der Deutschen Einheit in Dresden: "Beschämt erleben wir, dass Worte die Lunte legen können für Hass und Gewalt"

Mit einem Festakt in der Semperoper haben die Einheitsfeiern in Dresden ihren Höhepunkt erreicht. Auf der Straße werden Kanzlerin, Bundespräsident und andere Gäste massiv beschimpft. Es fließen Tränen. "Menschenverachtend", sagt Ministerpräsident Tillich.

Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU, links) neben Angela Merkel (CDU), Joachim Gauck, Norbert Lammert (CDU) und Andreas Voßkuhle in Dresden. Der Besuch in der sächsischen Landeshauptstadt bildet zugleich den Abschluss der Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit.

Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU, links) neben Angela Merkel (CDU), Joachim Gauck, Norbert Lammert (CDU) und Andreas Voßkuhle in Dresden. Der Besuch in der sächsischen Landeshauptstadt bildet zugleich den Abschluss der Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat zum Tag der deutschen Einheit zu gegenseitigem Respekt und Dialogbereitschaft aufgerufen. 26 Jahre nach der Wiedervereinigung sei der Tag der Einheit für die allermeisten Deutschen nach wie vor ein Tag der Freude und Dankbarkeit, sagte die CDU-Chefin am Montag vor dem zentralen Festakt in Dresden. Es gebe aber auch neue Probleme. "Und ich persönlich wünsche mir, dass wir diese Probleme gemeinsam, in gegenseitigem Respekt, in der Akzeptanz sehr unterschiedlicher politischer Meinungen lösen und dass wir auch gute Lösungen finden."

Spießrutenlauf für die Kanzlerin

Die Kanzlerin, Bundespräsident Joachim Gauck und andere Gäste waren vor dem Festakt von mehreren hundert Demonstranten beschimpft und angepöbelt worden, darunter vor allem Anhänger des fremdenfeindlichen Pegida-Bündnisses. Sie riefen "Volksverräter", "Haut ab" und "Merkel muss weg". Auch Trillerpfeifen ertönten.


Zu den Demonstranten gehörte auch der Pegida-Mitbegründer Lutz Bachmann. Die Gäste, die auf dem Weg zu den Feierlichkeiten waren, sahen sich einem Spießrutenlauf ausgesetzt. Die Frau des sächsischen Wirtschaftsministers Martin Dulig (SPD) brach in Tränen aus, als sie durch die aufgebrachte Menge ging. Ein dunkelhäutiger Mann, der zum Gottesdienst wollte, wurde mit Affenlauten und "Abschieben"-Rufen geschmäht.

Nach einem ökumenischen Gottesdienst in der Dresdner Frauenkirche begann am Mittag der zentrale Festakt in der Semperoper. Festredner waren Bundestagspräsident Norbert Lammert sowie Bundesratspräsident und Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (beide CDU). Tillich rief dazu auf, mit Worten gewisse Grenzen nicht zu überschreiten. "Beschämt erleben wir, dass Worte die Lunte legen können für Hass und Gewalt", sagte er in seiner Festrede. "Das ist menschenverachtend und zutiefst unpatriotisch."

Die Feiern finden unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen statt. Mit rund 2600 Beamten sichert die Polizei die Veranstaltungen ab. "Um Zugang der Ehrengäste zu den Protokollveranstaltungen am Neumarkt zu gewährleisten, mussten Personen zurückgedrängt werden", teilte die Polizei via Twitter mit.



Demonstrationen in Dresden

In ganz Dresden waren für Montag fast ein Dutzend Demonstrationen angemeldet. Ein linksradikales Bündnis hat Proteste und "kreative Aktionen" angekündigt. Das fremden- und islamfeindliche Pegida-Bündnis hat für den Nachmittag zu einer Demonstration aufgerufen, außerdem will das mittlerweile mit Pegida verfeindete rechte Bündnis "Festung Europa" gegen die Flüchtlingspolitik protestieren.

Bereits am Sonntag sorgten ein Brandanschlag auf drei Polizeifahrzeuge sowie Pöbeleien gegen Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) für Aufregung. Vor einer Woche hatte Unbekannte Sprengstoffanschläge auf eine Moschee und das Kongresszentrum verübt, wo am Montagnachmittag der Empfang des Bundespräsidenten stattfinden sollte. 

cf / DPA