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Terrorentwarnung in Namibia: Gepäckbombe war nur ein Dummy

Eine vermeintliche Bombe, die in einem Gepäckstück in Namibia entdeckt wurde, hat sich als eine Attrappe entpuppt. Bundesinnenminister Thomas de Maizière hat dementsprechende Medienberichte am Freitagmittag bestätigt.

Entwarnung nach Bombenalarm für den Flug AB 7377 von Windhuk nach München: Bei dem auf dem Flughafen von Windhuk gefundenen Gepäckstück habe es sich um eine sogenannten Realtestkoffer einer Firma aus den USA gehandelt, sagte Bundesinnenminister Thomas de Maizièream Freitag in Hamburg. Wegen des Fundes hatte ein Airbus von Air Berlin erst mit mehrstündiger Verspätung von Windhuk nach München starten können.

In Namibia hatte die Polizei am Mittwoch beim Verladen des Gepäcks in einen Airbus A330 der Air Berlin ein verdächtiges Gepäckstück entdeckt. Beim Durchleuchten Batterien zeigten, die über Kabel mit einem Zünder und einer laufenden Uhr verbunden waren, wie das Bundeskriminalamt in Wiesbaden am Donnerstag mitteilte. Nach Angaben namibischer Sicherheitskräfte handelte es sich um eine Laptop-Tasche. Nach Angaben der namibischen Polizei wurde die Tasche im Flughafen zunächst den Mitarbeitern der Gepäckabfertigung übergeben. Da sie jedoch lediglich in Plastikfolie gewickelt, nicht aber mit einem Gepäckanhänger gekennzeichnet war, sei die Polizei misstrauisch geworden, hieß es.

Am Donnerstagabend hatten mehrere Medien gemeldet, bei dem Fund handele es sich um eine Bombenattrappe. Es sei offenbar ein Testlauf von Behörden gewesen, um die Aufmerksamkeit der Gepäckkontrolle zu testen, berichtete der Sender ZDF unter Berufung auf nicht näher genannte amerikanische Sicherheitskreise. Es handele sich bei dem Fund um einen industriell gefertigten Sprengsatz speziell für Sicherheitstests.

Das Bundeskriminalamt wollte diese Berichte zunächst nicht bestätigen und entsandte seinen zuständigen Verbindungsbeamten aus Südafrika nach Namibia zur Unterstützung der dortigen Behörden.

Eine Air-Berlin-Sprecherin sagte dagegen, sie habe die Information, dass es sich bei dem Fund um eine "verdächtige Vorrichtung ohne Sprengstoff" gehandelt habe. Das verdächtige Gepäckstück sei in Windhuk in einer Halle entdeckt worden, in der sich auch das Gepäck für den Flug nach München befand. Es sei aber nicht mit Informationen über Ziel oder Eigentümer versehen gewesen. Air Berlin-Chef Joachim Hunold sagte dem "Tagesspiegel", die Maschine seiner Fluglinie sei "als reine Vorsichtsmaßnahme" durchsucht worden, "weil unser Flug als nächstes gehen sollte."

Gepäckstück sollte wahrscheinlich nach München fliegen

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) sagte dagegen, es spreche viel dafür, dass das Gepäckstück in einer Maschine nach München transportiert werden sollte. Zudem sagte er: "Die Kontrollen haben jedenfalls funktioniert." De Maiziere appellierte an die Bürger in Deutschland, trotz der Terrorwarnungen ihr normales Leben weiterzuführen. In der ZDF-Sendung "Was nun, Herr de Maiziere" riet der Minister am Donnerstagabend zu einer "gelassenen Wachsamkeit", aber nicht zu Hektik. "Wir brauchen so viel Normalität wie möglich". Die Menschen sollten weiter auf Weihnachtsmärkte gehen, in Kinos, Fußballstadien und auf Plätze. Es wäre ein Erfolg der Terroristen, wenn man ohne einen Anschlag zu tun würde, als gäbe es direkt neben uns einen solchen, sagte de Maiziere.

Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) bedankte sich bei den Sicherheitsbehörden in Namibia. Die Gepäckkontrollen dort seien offensichtlich "umsichtig und genau" gewesen. "Es bestand deshalb zu keinem Zeitpunkt eine Gefahr für die Passagiere, die von Windhuk nach München geflogen sind."

Die Namibianische Flughafengesellschaft deutete in einem Statement an, dass das Gepäckstück als Fracht auf dem Flug habe mitfliegen sollen.

296 Passagiere wohlbehalten angekommen

Die 296 Passagiere des Fluges kamen in der Nacht zum Donnerstag um 0.25 Uhr mit knapp sieben Stunden Verspätung wohlbehalten in München an. Sie waren vor dem Abflug in Namibia laut BKA einer erneuten Kontrolle unterzogen worden. Laut Flughafen München wurde das gesamte Gepäck in Windhuk wieder ausgeladen und durchleuchtet.

Nach Angaben des Münchner Flughafens musste die Crew bei einer Zwischenlandung in Djerba ausgetauscht werden, da sie ansonsten ihrer maximale Einsatzzeit überschritten hätte. Die Passagiere seien in München von der Bundespolizei befragt worden. Ein Flughafensprecher sagte, er vermute, dass es sich überwiegend um deutsche Urlauber handle.

"Wir haben überhaupt nicht erkannt, in welcher Gefahr wir uns befinden", sagte Herbert W., einer der Passagiere der Münchner "Abendzeitung". Die Passagiere saßen demnach bereits im Flugzeug, als sie wieder aussteigen mussten. Sie hätten ihr Handgepäck mitnehmen müssen, "dann hat man uns zu einer Halle geführt, wo jeder von uns seine Koffer identifizieren musste", zitiert die Zeitung den Passagier. Die folgenden Kontrollen überzeugten ihn nicht: "So richtig professionell hat das für uns nicht ausgesehen", sagte der Rentner aus Suhl in Thüringen.

Bernd S. aus Münster, sagte der "Borkener Zeitung": "Ich habe erst jetzt durch die Nachrichten erfahren, was genau passiert ist." Die Kontrollen in Windhuk seien beängstigend gewesen. Es habe das "große Programm", mit Spürhunden und Feuerwehr gegeben, sagte er. "Wir wollten einfach nur nach Hause."

Christof Rührmair und Till Erdtracht, APN (mit AFP)