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Trotz Milliarden-Überschuss: Krankenkassen lehnen Rückzahlungen ab

Sie hocken auf Milliarden- und fühlen sich offenbar ganz wohl dabei. Rund 80 Prozent der Krankenkassen wollen keinen Cent rückerstatten. Aber, immerhin, ihr Angebot ausbauen.

Die meisten Versicherten werden wohl wohl leer ausgehen. Nach einer Umfrage des "Focus" wollen 81 Prozent der Gesetzlichen Krankenkassen ihren Mitgliedern kein Geld rückerstatten. Stattdessen wollen sie lieber mehr Leistungen anbieten: zum Beispiel Fitnesskurse, Vorsorgeangebote und alternative Medizin. Rückerzahlungen sind nur von der Techniker-Krankenkasse und kleineren Betriebskrankenkassen zu erwarten. Die Beträge sollen zwischen 50 und 100 Euro pro Mitglied liegen.

Wie die "Wirtschaftswoche" berichtet, halten sich vor allem die zehn größten Kassen des Landes zurück. Weder die Barmer GEK noch die DAK oder die AOK wollen die Geldbörse aufmachen. Auch ihnen liegt eher daran, Zusatzangebote zu finanzieren. Zahnreinigungen oder Auslandsimpfungen, auch Prämien für gesundheitsbewusstes Verhalten sind im Gespräch.

Gesundheitsminister im Irrtum

Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) hatte finanzstarke Kassen aufgefordert, dem Beispiel der Techniker-Krankenkasse zu folgen. Bahr glaubte, dass der allgemeine Druck auf die Vorstände, Geld zurückzuzahlen, steigen werde - offenkundig hat er sich geirrt. Aufgrund der guten Konjunktur, die für einen Anstieg der Einnahmen gesorgt hat, und gleichzeitig sinkender Ausgaben haben die Kassen Reserven von zirka 22 Milliarden Euro aufgebaut. Dieser "Schatz" hat schon diverse Begehrlichkeiten erweckt. Zuletzt versuchten die Funktionäre der niedergelassenen Ärzte, 11 Prozent mehr Honorar herauszuschlagen. Gesundheitsminister Bahr würde gerne auch die Praxisgebühr abschaffen, stößt mit diesem Vorschlag aber auch auf Widerstand in der Union.

lk/reuters / Reuters
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