Trotz Verurteilung CDU Thüringen stützt Althaus


Überraschend schnelles Urteil im Prozess gegen Dieter Althaus: Das Bezirksgericht Irdning hat den thüringischen Ministerpräsidenten wegen fahrlässiger Tötung zu einer Geldstrafe von 33.000 Euro verurteilt. Althaus und seine Partei reagierten prompt.

Zwei Monate nach seinem Skiunfall in Österreich ist Thüringens Ministerpräsident Dieter Althaus (CDU) am Dienstag wegen fahrlässiger Tötung zu einer Geldstrafe von 33.000 Euro verurteilt worden. Althaus, der wegen seines schlechten Gesundheitszustandes an der Verhandlung vor dem Bezirksgericht im obersteirischen Irdning nicht teilnahm, muss außerdem 5000 Euro Schmerzensgeld an den Ehemann der 41-jährigen Beata Christandl zahlen, die bei dem Unfall am Neujahrstag getötet worden war.

Althaus reagierte am Abend auf das Urteil: "Ich stehe zu meiner Verantwortung, die sich aus der Rekonstruktion des Unfallhergangs ergibt, auch wenn ich mich an den Skiunfall am Neujahrstag nicht erinnern kann", heißt es in einer am Dienstag von der Erfurter Staatskanzlei verbreiteten Erklärung des schwer verletzten Regierungschefs. Seine Partei reagierte ebenso prompt: "Die CDU Thüringen steht zu Dieter Althaus. Er ist und bleibt unser Spitzenkandidat und wird in die Politik zurückkehren", sagte ein Sprecher und schlussfolgerte: "Damit sind alle Spekulationen beendet."

Althaus hoffe, dass der zügige juristische Abschluss des Skiunfalls auch den Interessen der Angehörigen diene und die Würde von Beata Christandl wahre. Die 41-Jährige war bei dem Zusammenstoß am Neujahrstag ums Leben gekommen. "Wichtig ist mir, dass sich zumindest der materielle Ausgleich gegenüber den Hinterbliebenen von Beata Christandl nicht verzögert."

Das Gericht verhängte für den Fall, dass die Geldstrafe nicht gezahlt würde, 90 Tagen Ersatzfreiheitsstrafe. Althaus muss die Kosten des Strafverfahrens tragen. Bei der Geldstrafe wurden 180 Tagessätze zu jeweils 185 Euro zugrunde gelegt.

Der Anwalt von Althaus habe im Namen seines Mandaten das Urteil angenommen, sagte eine Gerichtssprecherin. Der Staatsanwalt habe dies noch nicht getan. Das Urteil sei daher noch nicht rechtskräftig. Die Höchststrafe für fahrlässige Tötung liegt in Österreich bei einem Jahr Gefängnis.

Der Prozess fand völlig überraschend nur einen Tag nach der Anklageerhebung statt. Althaus hatte zuvor in einer schriftlichen Stellungnahme die "Verantwortung für sein Handeln" bei dem Unfall übernommen, bei dem der 50-Jährige selbst ein schweres Schädel-Hirn-Trauma erlitt. Wegen der "Geständigkeit" seines Mandanten hatte dessen Verteidiger Walter Kreissl am Dienstagmittag unerwartet die sofortige Ansetzung der Verhandlung beantragt. Der Vorsitzende Bezirksrichter akzeptierte dies. Die CDU hatte erklärt, sie halte ungeachtet des Verfahrens an Althaus' Spitzenkandidatur für die Landtagswahl am 30. August fest.

Laut Gutachten ist Althaus an einer Kreuzung zweier Pisten ein Stück bergauf gefahren und so mit der ihm entgegenkommenden Beata Christandl zusammengestoßen. Die Staatsanwaltschaft ging deshalb von einem Bruch der für die Pisten geltenden Verhaltensregeln des internationalen Skiverbandes FIS aus. Diese schreiben Skifahrern unter anderem vor, sich "beim beabsichtigten Einfahren in eine Skiabfahrt und Hangaufwärtsfahren nach oben und unten zu vergewissern, dass dies ohne Gefahr für sich und andere möglich ist". Althaus habe bei hohem Tempo von rund 40 Stundenkilometern auf der Piste nicht sorgfältig genug auf mögliche Gefahren geachtet.

DPA/AP/Reuters AP DPA Reuters

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