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TV-Duell zur Bayern-Wahl Alles schaut auf Bayern, nur Bayern schaut auf sich

TV-Duell Bayern - Markus Söder vs. Ludwig Hartmann; CSU vs. Grüne
Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und Grünen-Spitzenkandidat Ludwig Hartmann: Beim TV-Duell saß es nicht nach Schwarz-Grün in München aus.
© Sven Hoppe / DPA
Die CSU so schwach wie nie, Bayern steht ein politischer Erdrutsch bevor. Doch im einzigen TV-Duell vor der Landtagswahl war davon kaum die Rede - abgesehen von der Warnung vor einem Sieben-Parteien-Parlament.

Den Auftakt zum einzigen TV-Duell vor der Bayern-Wahl am Mittwochabend gab es schon Stunden vor Sendebeginn. Da wurde die jüngste Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Insa für die "Bild"-Zeitung veröffentlicht. Die Zahlen wurden während der jüngsten Chaos-Tage der Koalition erhoben - und es zeigt sich, dass das Berliner Polit-Theater voll auf Bayern durchschlägt. Nicht zuletzt angesichts der Eskapaden des Bundesinnenministers und CSU-Parteichefs Horst Seehofer wird in rund drei Wochen im flächenmäßig größten Bundesland (auch) die politische Stimmung im ganzen Land abgefragt. Dass es kein schöner Wahlabend werden wird, scheint schon jetzt sicher. Bei historisch niedrigen 34 Prozent sieht Insa derzeit die Christsozialen. Von wegen absolute Mehrheit!

Eine schöne Vorlage für das TV-Duell, das schon in seiner bloßen Konstellation die durchgeschüttelte politische Landschaft offenbarte: Denn Gegner von CSU-Spitzenkandidat Markus Söder war nicht, wie üblich, die SPD-Kandidatin, sondern erstmals ein Grüner, Ludwig Hartmann. Kaum zu glauben, aber wahr: Die Grünen profitieren derzeit am meisten von der Orientierungslosigkeit der christsozialen Platzhirsche, sind aktuell zweitsträrkste Kraft - und könnten tatsächlich zum Mehrheitsbeschaffer einer schwarz-grünen GroKo werden. Und das in München, wo die Zukunft doch stets im schönsten CSU-Schwarz gemalt wurde.

Bayern - überall top, trotzdem sackt CSU ab

Genau das machte Söder als amtierender Ministerpräsident auch an diesem Abend - präsidial stabil, souverän, aber aus dem Augenwinkel beobachtend und wenig zugewandt, wie Körpersprache-Experte Stefan Verra nachher konstatierte. Bayern überall Spitze, auch bei der Migration und der inneren Sicherheit. Nur: Warum wollen dann nur 34 Prozent die Regierungspartei wiederwählen? Söder kennt die Antwort, glaubt er: Rund 50 Prozent der Wahlberechtigten in Bayern seien ja noch unentschieden. Da spricht die Hoffnung aus dem Ministerpräsidenten.

Mit der GroKo geht Söder dann doch noch hart ins Gericht. "Sowas wie in Berlin, das will ich in Bayern nicht", kommentiert er die jüngsten Koalitionskrisen. Dass Horst Seehofer das Berliner Chaos maßgeblich antreibt, muss aber Kontrahent Hartmann betonen: "Das GroKo-Chaos hat doch einen Namen: den Ihres Parteivorsitzenden!" Die Causa Maaßen erklärt Söder dann flugs für "überbewertet", um dann die Wähler eindringlich zu ermahnen: "Die Wähler sollten sich überlegen, ob sie wirklich sieben Parteien im Landtag haben wollen. Das würde Bayern instabil machen."

Markus Söder: Grüne wollen nur alles vorschreiben

Wo er recht hat, hat er recht. Aus der so krampfhaft angestrebten absoluten Mehrheit wird angesichts dieser Umfrage-Ergebnisse wohl kaum etwas werden. Und die stabilste Option für eine Koalition wäre derzeit Schwarz-Grün. Doch ob daraus etwas wird? Sowohl Söder als auch Hartmann wollten ein gemeinsames Regierungsbündnis zwar nicht ausschließen, aber eine Basis für Schwarz-Grün im Freistaat ließ sich während des Duells eher nicht erkennen. "Wir wollen Bayern gestalten und zum Guten verändern", sagte Hartmann. "Wir spielen aber nicht jedes Spiel mit." Söder hielt seinerseits den Grünen - nicht zum ersten Mal - eine "Verbotskultur" vor: Diese wollten immer nur "alles verbieten und vorschreiben". 

Dass die CSU auf populistische Themen gesetzt, damit jedoch wenig erreicht hat, bleibt in diesem TV-Duell ebenso unerwähnt wie die AfD. Dabei war der Erfolg der Alternative doch der Grund für den Flirt der Christsozialen mit dem Populismus. Und sie ist der Grund dafür, dass die absolute Mehrheit ein Traum bleiben wird - vielleicht sogar über diese Wahl hinaus.

Dass sich da in der politischen Landschaft Bayerns grundsätzlich etwas verändert, ist nicht einmal ein Randthema. Die Diskussionen um Wohnungsbau und Schulpolitik, Windräder und Funkmasten, Integration und Abschiebung, ÖPNV und Familiengeld wirkten daher ein wenig, als wolle man krampfhaft alles ausblenden, was da auf den Freistaat zukommen wird, indem man sich einfach um die Alltagsthemen kümmert. Während alles auf Bayern schaut, hat Bayern in diesem Duell vor allem auf sich geschaut. "Mir san mir" at it's best. Manches ändert sich eben doch nicht.


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