Umfrage Der Koalitionsstreit nervt


Der Streit zwischen Union und SPD hat dem Image der große Koalition in der Bevölkerung massiv geschadet, trotzdem ist die Mehrheit der Deutschen einer Umfrage zufolge für einen Fortführung des Bündnisses. Die Chefs von SPD und CDU bewerten die Bürger jedoch sehr unterschiedlich.

Eine große Mehrheit der Bürger ist unzufrieden mit dem durch immer neuen Koalitionsstreit geprägten Erscheinungsbild der Bundesregierung. In dem ARD-Deutschlandtrend gaben 72 Prozent der Befragten an, die große Koalition sei zurzeit mehr mit sich beschäftigt als mit den Problemen in Deutschland. Dennoch befürworten die meisten Bundesbürger eine Fortsetzung des Bündnisses: 62 Prozent verneinten die Frage, dass es Zeit für einen Regierungswechsel im Bund sei.

Gute wirtschaftliche Lage

Die wirtschaftliche Lage wird auch von den Bürgern zunehmend positiver bewertet. Als gut oder sehr gut bezeichneten 59 Prozent der Befragten die Lage, eine Zunahme um zwölf Prozentpunkte. Hingegen sind Bürger mit der Politik der Regierung im Hinblick auf die Interessen der Arbeitnehmer unzufrieden. 71 Prozent stimmten der Aussage zu, die große Koalition berücksichtige diese Interessen zu wenig. Die Tarifforderung der IG Metall von 6,5 Prozent nannte knapp die Hälfte der Befragten (49 Prozent) angemessen oder zu niedrig, 48 Prozent hielten sie für zu hoch. Allerdings plädierten mit 64 Prozent knapp zwei Drittel dafür, durch eine dauerhafte Lohnerhöhung und nicht durch eine geringere Lohnerhöhung plus Einmalzahlung an den Unternehmensgewinnen beteiligt zu werden.

Die Sonntagsfrage

Bei der so genannten Sonntagsfrage gab es kaum Bewegung im Vergleich zur April-Umfrage. CDU und CSU legten um einen Punkt zu und bauten mit nunmehr 37 Prozent ihren Vorsprung gegenüber der SPD leicht aus, die unverändert auf 31 Prozent kommt. Bei den kleinen Parteien büßte die FDP einen Punkt auf zehn Prozent ein, die Grünen könnten wie im April mit elf Prozent der Stimmen rechnen, wenn am Sonntag Bundestagswahl wäre. Unverändert liegen die Grünen bei elf und die Linkspartei bei acht Prozent.

Merkel würde Direktwahl gewinnen

Weiter an Beliebtheit büßte SPD-Chef Kurt Beck ein, der mit einer Zustimmung von 38 Prozent auf den niedrigsten Wert im Deutschlandtrend seit seiner Wahl zum Parteivorsitzenden im Mai 2006 fiel. Mit der Arbeit von Bundeskanzlerin Angela Merkel waren unverändert 70 Prozent der Befragten zufrieden. Bei der Frage, für wen die Bürger bei einer Direktwahl stimmen würden, baute Merkel ihren Vorsprung gegenüber Beck noch weiter aus. Für sie würden unverändert 56 Prozent stimmen, während Beck nur mit 23 Prozent rechnen könnte, eine Verschlechterung um drei Punkte. Die schlechten Umfragewerte für die SPD und Beck gelten als ein Grund für die heftigen Angriffe der Sozialdemokraten auf den Koalitionspartner, etwa bei den Themen Kinderbetreuung und innere Sicherheit.

Verlierer

Verlierer des Monats sind Familienministerin Ursula von der Leyen und Innenminister Wolfgang Schäuble. Mit der Arbeit der CDU-Ministerin war genau die Hälfte der Befragten zufrieden, ein Rückgang um zwölf Punkte. Schäuble büßte dar 13 Punkte auf 41 Prozent ein. Hingegen erreichte der dank sprudelnder Steuereinnahmen immer öfter gut gelaunte Finanzminister Peer Steinbrück den besten Wert, der für ihn je im Deutschlandtrend gemessen wurde. 53 Prozent äußerten sich zufrieden über seine Arbeit, ein Plus von fünf Punkten.

Für die Sonntagsfrage befragte Infratest dimap vom 30. April bis 2. Mai 1500 Wahlberechtigte, für die übrigen Themen 1000 Bürger am 30. April und 1. Mai.

Reuters Reuters

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