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Und jetzt ... Django Asül: Germany's next Köhlerin

Stoiber klemmt mal wieder, Käßmann darf nicht, von der Leyen vielleicht schon. Und Köhler? Wird Hausmeister in Schloss Bellevue.

Eine Präsidentensatire von Django Asül

Im Anfang war das Wort. Und das Wort war bei Horst. Und Horst war gerade nicht bei sich. Und schon war es geschehen: Ein Missverständnis, das für eine kleine Welle der Empörung sorgte. Und das wurmte den Bundespräsidenten doch sehr. Köhler hatte zwecks Nichtverständnis einen Bandwurmsatz vom Stapel gelassen. Um ganz explizit ein Missverständnis auszuschließen.

Dennoch kam es zu einer eigenwilligen Interpretation der Köhlerschen Thesen über die Friedensmissionen der Bundeswehr. Als ob deutsche Soldaten bewaffnete Logistikexperten von Obi und Schlecker wären.

Nein, die Bundeswehr ist sicher keine Wir-bomben-den-Weg-frei-Truppe des deutschen Außenhandels, sondern nur unfreiwillige Handlanger einer äußerst klugen Was-machen-wir-eigentlich-dort-Politik der Bundesregierung. Das konspirative Element dabei ist, dass man für den Feind nur dann unberechenbar bleibt, wenn Frau Merkel für die Bundeswehr auch unberechenbar bleibt.

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In einer ähnlichen Position wie die Bundeswehr sah sich der Bundespräsident. Nur deutete es Köhler nicht als Merkelsche Planlosigkeit, sondern als Unverlässlichkeit. Der Fehler von Köhler war nach seinem Bekunden, sich auf die Kanzlerin verlassen zu haben, um im entscheidenden Moment von ihr verlassen zu sein. Merkel sprang ihm nicht zur Seite, als die Opposition gegen den obersten Repräsentanten der Republik keilte. Staatsoberhaupt zu bleiben, obwohl er die Schnauze voll hat von der Regierungschefin, war somit für Köhler moralisch keine Option mehr.

Einen guten Instinkt bewies Köhler in seiner Informationspolitik. Merkel erfuhr erst zwei Stunden vor dem Rücktritt davon. Köhler wollte zuerst die wichtigen Entscheidungsträger informieren und dann erst die Kanzlerin. Also hat er erst den Bürgermeister von Bremen informiert. Dann seinen Steuerberater. Dann die Bundesanstalt für Rentenversicherung. Dann seine Kegelbrüder. Dann seine Putzfrau, die wiederum nicht dicht hielt und es Frau Merkels Mundwinkeldesigner verriet.

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Dass Bremens Bürgermeister sofort Bescheid bekam, ist nachvollziehbar. Denn der ist vorübergehend Köhlers Nachfolger als erster Mann im Staate. Die Regularien diesbezüglich sind in etwa so transparent wie Merkels Haltung zur Finanztransaktionssteuer. Prinzipiell gilt: Sollte Deutschland in absehbarer Zeit nicht wie weiland 1990 als Hedgefonds auftreten und ein Nachbarland käuflich erwerben, sitzt der Bundespräsident bis auf weiteres in Berlin. Und das DFB-Pokalfinale wird bekanntlich auch in Berlin ausgetragen. In diesem Jahr hat der FC Bayern im Finale Bremen geschlagen. Daraus folgt: Eigentlich müsste ein Repräsentant des FC Bayern den Übergangspräsidenten stellen. Aber weil Edmund Stoiber im Aufsichtsrat des FC Bayern sitzt und die CSU keinen eigenen Kandidaten als Merkel-Lakaien aufstellen will, rückt Bremen nach. Weil Werder Bremens Aufsichtsräte jedoch noch weniger Ahnung von Politik haben als Angela Merkel, darf der Bürgermeister ran. Aber nur bis zum 30.Juni. Dann muss ein neuer Supervisor des schwarz-gelben Impro-Theaters gewählt werden.

Die Zeit drängt. Merkel muss eine schnelle Entscheidung treffen hinsichtlich des Kandidaten. Nur fragt sich jetzt die Kanzlerin: Wie geht das? Kategorien wie Schnelligkeit und Entscheidungsfreudigkeit finden in Merkels Universum nicht statt. Nach eigenem Bekunden war sie sogar verwundert über Köhlers feste Entschlossenheit. Sie wusste gar nicht, dass es so was in der Politik gibt. Woher auch, wenn sie bisher mit SPD und FDP regierte und für ihr Durchmogeln stets geachtet wurde vom Koalitionspartner? Daraus darf man ihr weder einen Strick noch sonstige Accessoires drehen.

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Interessanterweise sind viele Frauen im Gespräch als Germany's next Köhlerin. Die SPD zeigt sich von der besonnenen Seite und verzichtet auf die 38. Kandidatur von Gesine Schwan. Die Lage ist zu ernst, um mit Schwan das Amt des Bundespräsidenten endgültig ins Lächerliche zu ziehen. Außerdem ist sie mit ihrer penetranten Annäherung an Polen weder für den Bund der Vertriebenen noch für den Verband deutscher Automobileigentümer akzeptabel.

Bundesweit durchsetzbar ist aber auf alle Fälle Frau Käßmann. Eine kluge, eloquente Frau, die man auch zum Staatsbesuch nach Russland oder Finnland schicken kann, ohne befürchten zu müssen, dass sie von den Gastgebern unter den Tisch gesoffen wird. Frau Käßmann wäre der Inbegriff für diplomatische Standfestigkeit. Einen entscheidenden Makel hat die Pfarrerin aber: Sie sieht den Afghanistan-Einsatz nicht wie Frau Merkel, sondern eher realistisch. Damit dürften alle Hoffnungen auf einen Umzug aus dem glamourösen Hannover auf Wowereits Sozialhilfepartymeile im Wüstensand begraben sein.

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Daher verwundert es nicht, dass Frau von der Leyen als präsidiabel gehandelt wird. Und sie scheint sich auch schon innerlich damit abgefunden haben. Ist es wirklich nur ein Zufall, dass sie gerade jetzt mit dem Thema Bürgerarbeit daher kommt? Schwer vermittelbare Arbeitslose sollen so wieder sinnvoll beschäftigt werden. Also Menschen, die ganz miserable Chancen haben, einen regulären Job zu finden. Also Menschen wie Köhler. Die Bürgerarbeiter sollen Parks und Straßen sauber halten. Da könnte Köhler im Schloss Bellevue bleiben. Er müsste nur ein paar Meter weiter in die Hausmeisterwohnung umziehen.

Eine Frau als Staatsoberhäuptin hätte durchaus seinen Reiz. Es wäre auch chauvinistisch, dieses Amt einer Frau vorzuenthalten, nur weil eine andere Frau das Kanzlertum nicht beherrscht. Sippenhaft sollte auch und vor allem für Frauen nicht gelten. Und die paar Tage ohne Regierungsoberhaupt wird Deutschland locker überstehen. Schließlich kommt das Land seit dem Herbst auch ohne Regierung gut klar.